23.07.2016
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Rückkehrer: Sahin sorgt für Überangebot

Nuri Sahin im Dress von Borussia Dortmund.

Nuri Sahin im Dress von Borussia Dortmund.

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dpa

Dortmund -

Nuri Sahin dirigierte souverän und selbstbewusst wie 20 Monate zuvor, als er sein letztes Spiel für Borussia Dortmund bestritt. Der Mittelfeldstratege fiel bei seinem Comeback im Endspiel des Wintercups in Düsseldorf nicht nur durch seine neuen neongelben Arbeitsschuhe auf. Seine außergewöhnliche Technik und Kreativität sowie sein ausgeprägtes Spielverständnis waren offensichtlich.

Doch die Euphorie um die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist inzwischen verflogen, und die Fans des deutschen Meisters diskutieren bereits über ein hausgemachtes Problem. Wo und was soll Sahin spielen? Die Antwort kennt selbst der 24-Jährige nicht. „Wir haben viele gute Mittelfeldspieler. Der Trainer hat nun ein Luxusproblem. Wir müssen einfach das tun, was der Trainer von uns erwartet“, sagte Sahin nach den ersten 45 Minuten im schwarz-gelben Trikot seit dem 17. April 2011 beim 3:0 gegen den SC Freiburg, als ein Innenbandriss im Knie seine Meistersaison 2010/11 vorzeitig beendete.

Was folgte, ist bekannt: Wechsel zum „Traumverein“ Real Madrid und anschließend auf Leihbasis nach Liverpool. Seit Freitag ist Sahin wieder ein Borusse, weil er nur im Umfeld des BVB optimal funktioniere, so das Dortmunder Eigengewächs. Doch ob auch die Mannschaft, die sich in den eineinhalb Jahren seiner Abwesenheit „zu einer europäischen Spitzenmannschaft“ (Sahin) weiterentwickelt hat, auch mit ihm auf Anhieb funktioniert?

„Die ersten Minuten fünf, sechs Minuten war ich nervös, aber dann hatte ich die Automatismen wieder drin, war alles so wie früher“, erklärte Sahin. BVB-Coach Jürgen Klopp bremste den Tatendrang seines Musterschülers: „Er ist voll im Saft und hatte gute Aktionen, aber an die Abläufe hier muss er sich dennoch wieder neu gewöhnen. Nur fit zu sein reicht da nicht. Wir haben aber jetzt vier, fünf Wochen ohne englische Wochen Zeit, um mit Nuri daran zu feilen.“

Die Qual der Wahl

Fest steht: Klopp hat nunmehr die Qual der Wahl. Denn neben Sahin kämpfen in Kapitän Sebastian Kehl, Sven Bender, Ilkay Gündogan und auch Moritz Leitner insgesamt fünf Akteure um die zwei Positionen der „Doppel-Sechs“. Doch Klopp verweist auf die Flexibilität und neue taktische Varianten, die ihm Sahins Rückkehr eröffnen würden. Ob in der Defensiv- oder Offensivabteilung - Sahin sei universell einsetzbar. Zudem sei der BVB noch in drei Wettbewerben vertreten, Rotation sei angesagt.

Klopp steht vor der schweren Aufgabe, eine Planstelle für seinen alten, neuen Schützling zu schaffen und die Konkurrenten bei Laune zu halten. Die hielten sich mit der Bewertung der neuen Situation zurück. „Er ist charakterlich ein toller Junge, es macht sicherlich Spaß, mit ihm zusammenzuspielen“, äußerte Gündogan, der anstelle des für eine festgeschriebene Ablöse von zehn Millionen Euro abgewanderte Sahin verpflichtet und auf dessen Position zum Nationalspieler wurde. „Nuri ist ein außergewöhnlicher Spieler mit unglaublichen Fähigkeiten“, sagte Marco Reus, „aber es geht nicht um einzelne Personen, sondern um den maximalen Erfolg der Mannschaft.“

Schmelzer verlängert Vertrag

Und um den geht es auch Nationalspieler Marcel Schmelzer, der nach Neven Subotic (bis 2016) und Sven Bender (2017) auch seinen Vertrag beim BVB noch vor dem Rückrundenstart am kommenden Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Werder Bremen vorzeitig bis 2017 verlängerte. „Das ist ein deutliches Zeichen an alle anderen, dass wir zusammenbleiben und zusammen noch etwas erreichen wollen“, sagte der Nationalverteidiger und meinte wohl auch Torjäger Robert Lewandowski, um den noch immer Spekulationen um einen Wechsel in Richtung England ranken. Sahins Erfahrungen und reumütige Rückkehr könnten ihn zumindest ins Grübeln bringen. (sid)