31.07.2016
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Schwuler US-Profi Rogers: „Die Ablehnung ist keine Einbildung“

US-Profi Robbier Rogers.

US-Profi Robbier Rogers.

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AFP

Washington -

Schon jetzt hat er Geschichte gemacht: Nie zuvor ist ein Athlet nach seinem Outing in einer US-Profiliga aufgetreten. Die wenigen, die ihr Geheimnis lüfteten, taten das nach dem Karriereende. Manche vergleichen Rogers mit dem Baseballer Jackie Robinson, der 1947 der erste Schwarze in einer US-Profiliga war.

18 Mal hat Rogers das US-Trikot getragen, er schoss 2011 das erste Tor der Klinsmann-Ära. Als er sich im Februar zum Outing entschloss, lag eine frustrierende Zeit beim englischen Zweitligisten Leeds United hinter ihm. Leeds lieh ihn an den Drittligisten Stevenage FC aus, auch dort kam er kaum zum Einsatz. Im Januar endete das Leihgeschäft. Einen Monat später machte Rogers in seinem Blog sein Schwulsein öffentlich und erklärte seinen Rücktritt: „In den letzten 25 Jahren hatte ich Angst. Angst, zu zeigen, wer ich wirklich bin. Mein Geheimnis ist weg, ich bin ein freier Mann.“ Eine Rückkehr wollte er aber schon damals nicht ganz ausschließen.

Die Geschichte schlug Wellen, sogar Fifa-Chef Blatter twitterte: „Das ist 2013. Danke.“ Ex-Torwart Kasey Keller, früher bei Borussia Mönchengladbach, versuchte, ihn zum Umdenken zu bewegen: „Sein Mut ist bewundernswert. Ich hoffe, ihm wird klar, dass es keinen Grund gibt zurück zu treten. Er wird mehr Unterstützung erhalten, als er glaubt.“ Sigi Schmid, der deutschstämmige Trainer der Seattle Sounders, schrieb Rogers: „Wenn Du spielen willst, spiel. Du wirst akzeptiert werden.“

Nach wenigen Monaten überwog beim Spieler die Liebe zum Spiel. Rogers suchte Kontakt zu Ex-Nationalcoach Bruce Arena, der bei LA Galaxy unter Vertrag steht. Auch die Sounders hätten ihn gern verpflichtet. Rogers entschied sich für die Heimat, für Kalifornien, für Galaxy. Das Comebackspiel gegen Seattle lief wie ein Märchen. „Ich wünsche mir, dass es 4:0 steht, ich hineinkomme und es genießen kann“, hatte Rogers vor der Partie gesagt. Dann schoss Robbie Keane drei Tore, es stand 4:0. Rogers kam, 25000 Zuschauer jubelten kurz, dann lief es normal. „Wir machen als Gesellschaft Fortschritte. In fünf Jahren wird so etwas kein großes Thema mehr sein“, sagte Gäste-Coach Schmid.

Die Erinnerung an homophobes Gerede in den Sportlerkabinen ist bei Rogers weiter präsent. „Die Ablehnung ist doch nichts, was sich die Athleten einbilden. Ich habe Sachen gehört, das glauben Sie nicht. Mein Leben lang“, sagte er der „Los Angeles Times.“

Jetzt muss er in Form kommen, denn der Ex-Klub von David Beckham, hat für Rogers den Publikumsliebling und Top-Scorer Mike Magee nach Chicago abgeben müssen. Was passiert, wenn die Toleranz durch schwache Leistungen auf die Probe gestellt wird, weiß niemand. „Auf eine gewisse Art ist der leichte Teil jetzt vorbei und der schwere beginnt“, sagt Rogers´  Trainer Arena.

In Deutschland gibt noch überhaupt keinen aktiven Profi, der sich als schwul geoutet hat. Die Frage, ob er das deutschen Spielern nach den Erfahrungen mit Rogers empfehlen würde, beantwortete Klinsmann am Samstag nicht einmal ausweichend, sondern sagte nur: „Nichts ist undenkbar.“