26.09.2016
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Verbände: DFB und DFL geraten in Streit

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Köln / Frankfurt -

Zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist es zu einer offenen Konfrontation um die Führung und Ausrichtung des größten Einzel-Sportverbandes der Welt gekommen.

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig (50) kritisierte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" das Vorgehen des DFB bei der Besetzung des freien Sportdirektor-Postens und forderte ein Mitspracherecht. Ihm missfällt außerdem das Verhalten des DFB bei der Bewerbung für die EM 2020, und er fordert klare Führungskonzepte im U-21-Bereich.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte der ehemalige Manager des 1. FC Köln seine Vorwürfe ausdrücklich, wollte aber kein weiteres Öl ins Feuer gießen, zumal er vom erbosten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach hart und persönlich angegriffen wurde. "Wenn nun ein Mann, der noch kein halbes Jahr bei der DFL angestellt ist, so ziemlich alles und jedes in unserem Verband dazu noch sachlich falsch infrage stellt, ist dies anmaßend und völlig unangebracht", polterte Niersbach.

Die Deutsche Fußball-Liga ist 100-prozentige Tochter des Ligaverbandes, der seit dem Jahr 2000 die Interessen der 36 Profi-Vereine vertritt. Rettig ist allein durch sein Amt die Stimme der Klubs und ist sich sicher, deren Rückhalt zu haben. Er sieht die Schwäche des Riesen DFB auch in der Person des Geschäftsführers Helmut Sandrock.

"Dass die Führung eines so großen Verbandes von einer hauptamtlichen Person geleistet werden kann, da habe ich meine Zweifel, an dieser Stelle des DFB kommen sehr viele Aufgaben zusammen", sagt Rettig und forderte ein Mitspracherecht in der Auswahl des Nachfolgers von Robin Dutt: "Die Entscheidung über den Sportdirektor kann keine exklusive Aufgabe des DFB sein, da geht es auch um die Interessen des Liga-Verbandes."

Die Profis sind an einem starken Mann vom Profil eines Matthias Sammer interessiert, aber mit mehr Kompetenzen, damit der sich nicht widerspruchslos den Interessen des Bundestrainers fügen muss. Der DFB will die Position in ihrer Bedeutung eher kleiner und schwächer machen.

Der Abstellungswirrwarr um die U-21-EM, bei der Deutschland auf seine besten einsatzberechtigten Spieler verzichtete, fand bei der DFL wenig Zustimmung. Außerdem kritisiert die Liga das Bewerbungsverhalten für die EM 2020, die in 13 Ländern stattfinden wird.

Der DFB hatte angekündigt, unter gewissen Umständen zugunsten der Türkei auf die Kandidatur für die Finalwoche verzichten zu wollen. "Wir wissen von Außenständen von einigen Millionen Euro, die türkische Klubs einigen unserer Klubs seit langer Zeit schuldig sind", sagte Rettig.

Wolfgang Niersbach hat der Angriff unvorbereitet getroffen. "Ich kann mich nur wundern, bei meinen Kontakten mit Liga-Präsident Reinhard Rauball haben wir uns immer einvernehmlich abgestimmt", sagte der DFB-Präsident.