25.08.2016
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Volker Finke wird 65: Abschiede im Unfrieden

Volker Finke hat sich nicht nur Freunde gemacht.

Volker Finke hat sich nicht nur Freunde gemacht.

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dpa

Freiburg -

Volker Finke ist die mediale Stille um seine Person nur recht. Der frühere Trainer des SC Freiburg, Sportdirektor und Interimscoach des 1. FC Köln meint, er brauche keine öffentlichen Wünsche zu seinem 65. Geburtstag an diesem Sonntag. „Ich möchte auch keine großen Dinge über mich erzählen“, betont der Niedersachse. Das Jubiläum sei „kein Anlass für irgendwas“, erklärt er und lacht.

Der frühere Studienrat hat immer wieder Anfragen auch zur aktuellen Erfolgsgeschichte des SC Freiburg, erzählt er. Schließlich war er es, der die Südbadener vor rund 20 Jahren mit damals modernem Fußball holländischer Prägung auf eine neue Stufe hievte. Die heimischen Auftritte verfolgte er meist von einem Strandkorb aus. Von 1991 bis 2007 trainierte er den Sportclub und ist damit weiter der Coach mit der längsten Amtszeit im deutschen Profifußball. Dennoch lehnt Finke Bitten um Interviews meist ab. Auch zwei Angebote von Verlagen, seine Erlebnisse im Profifußball in Buchform zu fassen, soll der Fußball-Lehrer nicht angenommen haben.

Keine „schlauen Interviews" mehr

Genug zu tun hat er auch so. „Ich bewege mich nach wie vor im Netzwerk Fußball, ich bin viel im Ausland unterwegs“, sagt Finke. „Aber ich möchte mich nicht vertraglich binden.“ Und: „Ich habe für mich entschieden, mich mit schlauen Interviews zurückzuhalten.“ Sporadisch ist Finke, der nach seiner Freiburger Zeit mit den Urawa Red Diamonds von 2009 bis 2010 den populärsten japanischen Verein trainierte, als Kommentator tätig. Der frankophil geprägte Niedersachse schaut außerdem von jeher nach Afrika. Anfang des Jahres war seine Verpflichtung als Senegals Nationaltrainer bereits als perfekt vermeldet worden, ehe Alain Giresse den Job erhielt.

„Ich bin schlicht und einfach guter Dinge, weil ich mich privat sehr wohlfühle und mich mit Dingen beschäftige, die mir Spaß machen“, sagt Finke nun. An seinem Lebensmittelpunkt Freiburg kann man ihn hin und wieder auf dem Fahrrad begegnen. Im Sommer dreht er in einem Schwimmbad nahezu täglich seine Runden. Finke ist auffällig locker geworden. Selbst über den SC Freiburg, von dem er im Unfrieden schied, redet er nun anscheinend unbelastet. Mit jeder Person im Verein ist er wohl nicht versöhnt, doch er sagt: „Ich bin sehr froh, dass man mit dem Kurswechsel vor gut einem Jahr unter anderem mit dem Verkauf von Cissé wieder in die Spur gefunden hat.“ Die Spielweise unter Christian Streich und der Einbau junger Profis aus der Freiburger Fußballschule sei der richtige Weg.

Viele Menschen vergrault

Finke hatte im Breisgau in seinen letzten Amtsjahren einstige Fans und Freunde nicht ganz unverschuldet zu Feinden gemacht. Seine Übellaunigkeit, sein notorisches Misstrauen und teilweise üble Tricks haben viele vergrault. Auch am unruhigen Standort Köln hatte Finke vor gut einem Jahr keinen guten Abschied. „Viele Spuren hinterlässt er nicht“, schrieb damals die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
Doch bei aller Kritik, die man an dem früheren Lehrer üben könnte: Den SC Freiburg hat er geprägt, dort hat er eine gesunde Basis geschaffen, von der auch sein später Nachfolger Streich noch profitiert.

Zeitweise war Finke sogar als Bundestrainer im Gespräch gewesen, auch Bayern München soll einmal ernsthaft über seine Verpflichtung nachgedacht haben. „Reibungen kann man kaum verhindern, wenn man lange Zeit und intensiv miteinander arbeitet“, sagt Streich, der zu Finke-Zeiten Jugendtrainer in Freiburg war. Nach Angaben des 2009 verstorbenen früheren SC-Präsidenten Achim Stocker ließ Finke rund 40 Millionen Euro in die Infrastruktur des Clubs investieren. Das SC-Internat schuf er lange, bevor die Konkurrenz an Fußballschulen dachte. Zuletzt standen sieben Internatsabsolventen in der Freiburger Startelf. (dpa)


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