26.08.2016
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Von Jugendspielern: Linienrichter zu Tode geprügelt

Der Sportplatz des SC Buitenboys - hier wurde der Linienrichter brutal überfallen und getötet.

Der Sportplatz des SC Buitenboys - hier wurde der Linienrichter brutal überfallen und getötet.

Foto:

AFP

Den Haag -

Richard Nieuwenhuizen geht wie jeden Sonntag zusammen mit seinem 15jährigen Sohn Mykel auf den Sportplatz. Diesmal tritt Mykel mit seinem Team, den ,,Buitenboys‘‘ aus Almere zu einem Heimspiel gegen die aus der Amsterdamer Vorstadt Sloten stammende B1-Jugendmannschaft ,,Nieuw Sloten‘‘ an. Der 41jährige Richard Nieuwenhuizen fungiert bei diesem Fußballspiel der zwei Junioren-Mannschaften mit 22 Spielern im Alter zwischen 15 und 16 Jahren als Linienrichter. Ehrenamtlich.

Das Spiel endet 2:2 unentschieden. Nach dem Schlusspfiff gehen die meisten Spieler – so wie sich das gehört – zum Schiedsrichter, um sich mit sportlichem Gruß zu bedanken. Aber einige Spieler von ,,Nieuw Sloten‘‘ verweigern diesen sportlichen Dank. Statt dessen stürmen sie auf den Linienrichter Richard Nieuwenhuizen zu und fangen an, ihn zu verprügeln.

Gnadenlose Fußtritte

Nieuwenhuizen gelingt es zunächst noch, vor den Schlägern zu fliehen. Doch die verfolgen ihn auf dem Spielfeld, werfen ihn zu Boden und treten und schlagen wie wild auf den Linienrichter ein. ,,Alles ging rasend schnell. Richard lag schon regungslos auf dem Rasen. Aber die Spieler von ,,Nieuw Sloten‘‘ traten mit ihren Fußballschuhen immer noch gnadenlos zu,‘‘ berichtet der Vorsitzende der ,,Buitenboys‘‘ Marcel Oost, der alles aus nächster Nähe beobachtet hat.

Schließlich sei es den Spielern der ,,Buitenboys‘‘ gelungen, Linienrichter Richard Nieuwenhuizen aus den Klauen der wütenden Junioren-Fußballer von ,,Nieuw Sloten‘‘ zu befreien.

Das alles geschah am vergangenen Sonntag um 12.23 Uhr, kurz nach Abpfiff des Spiels auf einem Sportplatz in Almere bei Amsterdam. Zunächst schien es, als sei Linienrichter Richard Nieuwenhuizen durch die rüden Fußball-Schläger nur leicht verletzt worden. Der Linienrichter sagte, er wolle sich im Vereinsheim kurz hinlegen, um sich von den Schlägen zu erholen. Das tat er auch.

Plötzlicher Zusammenbruch

Eine Stunde später kommt Linienrichter Nieuwenhuizen wieder aus dem Vereinsheim. Er scheint sich tatsächlich erholt und die Schläge einigermaßen gut überstanden zu haben. Er will sich ein weiteres Fußballspiel einer anderen Jugendmannschaft ansehen. Dann, die Uhr zeigt inzwischen 15.08 am Sonntag, sagt Nieuwenhuizen zu anderen Zuschauern, ihm sei übel. Plötzlich bricht der Linienrichter zusammen. Er bleibt regungslos liegen. Der Notarzt wird alarmiert.

Andere Zuschauer versuchen Linienrichter Nieuwenhuizen mit Mund zu Mund-Beatmung wiederzubeleben. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass Richard Nieuwenhuizen durch die Schläge der Fußball-Rowdies schwerste Gehirnverletzungen erlitten hat. Nieuwenhuizen liegt inzwischen im Koma. Eine Nacht und einen Tag lang ringt er mit dem Tod und kämpfen die Ärzte um sein Leben. Vergeblich. Am Montagabend erliegt Linienrichter Nieuwenhuizen seinen schweren Gehirnverletzungen. Seine Familie muss hilflos mit ansehen, wie er stirbt.     

Wut und Fassungslosigkeit

Die Nachricht, dass Linienrichter Richard Nieuwenhuizen von Spielern eines Fußball-Juniorenclubs erschlagen wurde, löst überall in den Niederlanden, Entsetzen, Wut und Trauer aus. ,,Ich bin fassungslos und entsetzt. Wir werden diese Schläger für ihr ganzes Leben aus dem Königlich Niederländischen Fußballverband (KNVB) verbannen,‘‘ sagt KNVB-Präsident Michael van Praag in einer ersten Reaktion. Die Haager Ministerin für Gesundheit und Sport, Edith Schippers erklärt: ,,Das hat nichts mehr mit Sport zu tun. Das ist einfach kriminell und nicht akzeptabel. Die Spieler, die das taten, müssen hart bestraft werden.‘‘

Bei den Tätern im Alter von 15 und 16 Jahren handelt es sich nach bisher vorliegenden Informationen um fünf Spieler der Jugend-Elf ,,Nieuw Sloten‘‘. Drei von ihnen sollen bereits verhaftet worden sein. Sie werden von der Polizei verhört. Sie sollen ihre grausame Tat damit begründet haben, dass sie sauer auf den Linienrichter waren, weil dieser ihrer Meinung nach mehrmals Abseits geflaggt habe, obwohl die Spieler von ,,Nieuw Sloten‘‘ ihrer Meinung nach nicht im Abseits gestanden hätten. Dafür hätten sie sich nach Ende des Fußballspiels an dem Linienrichter rächen wollen.

Schweigeminute in allen Stadien

Der KNVB hat angekündigt, dass es am kommenden Wochenende in allen Fußball-Stadien der Niederlande eine Schweigeminute für Linienrichter Nieuwenhuizen geben wird. Außerdem will der KNVB künftig noch härter gegen Fußball-Vandalen in den Stadien auftreten.

Nach Angaben des KNVB gab es im vergangenen Jahr 873 ,,ernsthafte Zwischenfälle in niederländischen Fußball-Arenen.‘‘ Immer häufiger würden Schiedsrichter und Linienrichter angegriffen. Nun musste ein Linienrichter seine ehrenamtliche Tätigkeit mit dem Leben bezahlen.