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Interview: „Ich schaue nach dem Einzelspieler“

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Stefan Böger
Engagiert bei der Arbeit: Stefan Böger (Bild: Getty)

Herr Böger, beim 1. FC Köln deutet sich nach der Wahl des neuen Präsidiums ein klares Bekenntnis zur eigenen Jugend an. Wie bewerten Sie die Nachwuchsarbeit des FC?

Stefan Böger: Die U 17 des 1. FC Köln ist der aktuelle Deutsche Meister und auch jetzt wieder Westdeutscher Meister. Das kommt nicht von ungefähr. Da ist eine kontinuierlich gute Arbeit die Basis. Aus persönlich Erlebtem, aber auch aus den persönlichen Kontakten zum Kölner U-17-Trainer Boris Schommers kann ich nur sagen, dass da eine Mannschaft ist, die gut Fußball spielt. Die U 17 ist mein Kerngeschäft und nur das kann ich beurteilen. Darüber hinaus bin ich zu weit weg, um die gesamte Nachwuchsarbeit des 1. FC Köln bewerten zu können.

Fehlt es den Bundesligaklubs an Mut, den eigenen Jugendspielern häufiger eine Chance zu geben?

Böger: Ich glaube, dass so viele junge Spieler wie niemals zuvor an die Tür zum Profitum anklopfen. Zum Beispiel in Bremen, wo mittlerweile einige Spieler des 93er Jahrgangs auflaufen. Aber auch in anderen Vereinen, wo 18-, 19-, 20-Jährige vor dem Durchbruch stehen. Da brauchen wir uns im internationalen Vergleich nicht zu verstecken. Und das wird auch so weitergehen. Ob es immer aus der Not heraus sein muss, oder aus Überzeugung, das muss jeder Verein für sich beantworten.

Wie viele Fehler kann man Jugendlichen zugestehen?

Böger: Das kommt auf die Altersstruktur an. Nehmen wir einmal Julian Draxler, der schon im Fokus von Jogi Löw ist. Der bekommt natürlich keine Zeit mehr, großartig Fehler zu machen. Der Junge spielt Champions League und da wird erwartet, dass er seine Leistung abruft. Ich denke nicht, dass er mehr Fehler machen darf als ein 25- oder 30-Jähriger. Denn letztlich geht es um die Erfüllung der Aufgaben auf dem Platz. Etwas anderes ist es weiter unten. Da sind wir alle gut beraten, im Alterssegment zwischen U 15 und U 18 genau hinzuschauen, ihnen in einem bestimmten Rahmen gewisse Freiräume zu geben. Es wäre fatal, wenn wir unseren 15-, 16-, 17-Jährigen keine Fehler zugestehen. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, in dem sie ihre gesamte Kreativität und ihre Fantasien ausleben sollen, dann in diesem Alter.

Die EM der U-17-Junioren in Slowenien beginnt am 4. Mai. Im Kader des DFB sind acht Spieler aus dem Westen, aber kein Spieler des Deutschen Meisters 1. FC Köln. Das leuchtet nicht recht ein.

Böger: Das ist ein Thema, das ich mit Boris Schommers auch besprochen habe. Das sind Dinge, die wir offen behandeln, wenn der Trainerkollege nachfragt. Am Ende muss ich aber die Entscheidungen treffen, wie der Kader auszusehen hat. Aber eines vorweg: Die U 17 des 1. FC Köln ist eine ganz tolle harmonische Einheit. Die Aufgaben sind klar und das Team fährt seine Siege ein. Wenn ich Trainer im Verein bin, dann achte ich natürlich darauf, eine Mannschaft zu haben, die Wochenende für Wochenende ihre Spiele möglichst gewinnt. Meine Intention ist natürlich eine andere: Ich schaue nach dem Einzelspieler und weniger auf die Mannschaft.

Mangelt es dem FC also an herausragenden Einzelspielern?

Böger: Es kann schon mal sein, dass Einzelspieler aus anderen Vereinen mehr Qualität mitbringen als ein Einzelspieler einer homogenen Mannschaft des 1. FC Köln. Und es ist ja nicht so, dass wir keine Spieler des FC getestet haben. Daniel Mesenhöler, David Santowski (jetzt Bors, d. Red.), Arnold Budimbu und Tim Gerhards waren bei uns. Das sind alles gute Spieler. Wenn sie in den jeweiligen Situationen überzeugt hätten, wären sie möglicherweise Teil unseres 18er Kaders. Im Moment gibt es auf den Positionen Bessere.

Es ist zu hören, dass die großen Talente im Westen aus Dortmund und und Schalke kommen. Werden in diesen Klubs andere Akzente gesetzt?

Böger: Das vermag ich wirklich nicht zu sagen. Ich glaube nicht, dass sich das groß unterscheidet. In Köln wollen sie mit ihren Mannschaften genauso erfolgreich sein wie auf Schalke oder in Dortmund. Ich sehe hier absolut einen direkten Zusammenhang. Wenn ich individuell gute Spieler entwickle, wird am Ende die Mannschaft davon profitieren. Funktioniert eine Mannschaft, werden die guten Talente noch besser aussehen. Das eine ohne das andere funktioniert nicht und so wird man das wohl auch in Köln, Dortmund und Schalke sehen. Die Kölner sind genauso daran interessiert, junge Spieler für den Profikader zu entwickeln wie Schalke oder Dortmund.

Wenn von der U17 des 1. FC Köln die Rede ist, fallen häufig Begriffe, die nicht zwingend an eine Jugendmannschaft erinnern. Häufig heißt es sogar, die Mannschaft sei sehr erwachsen. Das überrascht.

Böger: Das darf Sie nicht überraschen. Die Körperlichkeit, die Sachlichkeit, diese absolute Fitness. All dies ist das Fundament für technisch-taktische Dinge. Die Spieler bewegen sich quasi zwei, drei Jahre vor ihrem möglichen Durchbruch zum Profitum. Da muss ich nicht mehr über C-, D- oder E-Jugend-Erscheinungen reden, sondern da geht es wirklich um Männlichkeit und Zielorientierung. Letztlich wollen wir alle möglichst, dass die Jungs mit 18, 19 oder 20 im Profibereich auftauchen und entsprechend diszipliniert müssen wir dann auch schon in dem Altersbereich mit ihnen arbeiten. Das geht gar nicht anders.

Bei der EM in Slowenien sind Spanien, England oder Italien nicht vertreten. Geht den großen Fußball-Nationen der Nachwuchs aus?

Böger: Naja, da muss man etwas genauer hinschauen. Wie sind die Spiele in der Qualifikation gelaufen? Georgien war Gastgeber und hat sich mit Glück und Geschick gegen Spanien und England behauptet. Ich glaube, dass Frankreich, Holland, England, Spanien und Deutschland, mit Abstrichen Italien, alle große Anstrengungen unternehmen. Nur weil Spanien und England dieses Mal nicht dabei sind, würde ich nicht daraus schlussfolgern, dass es in Zukunft unter den A-Nationalteams nur noch um Frankreich, Holland und Deutschland geht. Im Gegenteil. Auffällig ist, dass vermeintlich kleine Nationen aufholen, auch wenn schon die ersten um die Ecke kommen und sagen: Georgien und Island. Das muss doch machbar sein. Warum? Woher wollen die wissen, wie die Qualität dieser Mannschaften ist? Ich weiß es nicht. Diese Mannschaften haben sich alle über zwei Turniere durchgesetzt und sind zu Recht dabei.

Ist die U 17 des DFB Top-Favorit auf den EM-Titel?

Böger: Das glaube ich nicht. Ich wüsste nicht, wer das so einschätzen will. Klar ist schon, dass wir von 25 Spielen 24 gewonnen und eins unentschieden gespielt haben. Aber das ist alles Vorgeplänkel. Ich weiß nicht, warum Deutschland der Favorit sein sollte. Wir spielen einen guten Fußball, wir haben eine gute Mannschaft und wir werden gut vorbereitet sein. Aber in einem Turnier sind sämtliche Konstellationen denkbar.

Das Gespräch führte Gilberto Bruletti

Bei der Europameisterschaft der U17 in Slowenien (4. bis 16. Mai) trifft Deutschland in der Gruppenphase auf Georgien (4. Mai, 18.30 Uhr), Island (7. Mai, 18.30) und Frankreich (10. Mai, 19.30). Weitere EM-Teilnehmer sind Polen, Belgien, Slowenien und Niederlande.

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