27.09.2016
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Krise bei den Kölner Haien: Klubchefs stellen Haie-Trainer Sundblad ein Ultimatum

Peter Schönberger und Trainer Niklas Sundblad (r.)

KEC-Geschäftsführer Peter Schönberger und Trainer Niklas Sundblad (r.) unterhalten sich.

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Dahmen

Köln -

Peter Schönberger musste am Montag zuallererst in Koblenz anrufen. Als Klub-Geschäftsführer ist er Statthalter Frank Gotthardts bei den Kölner Haien. Der Hauptgesellschafter des KEC und Vorstandsvorsitzende der Koblenzer Compugroup Medical entscheidet, was passieren soll, Schönberger setzt die Wünsche des Multimillionärs um. Gotthardt scheint sich nicht sicher zu sein.

Gegen Mittag ließ Schönberger jedenfalls zunächst wissen, dass er erst einmal nichts zu sagen habe. Am Abend gab es dann aber dieses Statement Schönbergers: „Mannschaft und Trainer müssen sofort die Kurve kriegen. Die beiden Derbys am Wochenende sind eine gute Gelegenheit dazu.“

Das heißt: Niklas Sundblad ist fortan Trainer auf Bewährung. Er darf die Haie noch am Freitag in Düsseldorf und am Sonntag gegen Krefeld coachen. Trotz des 1:6 des KEC am Sonntag in Iserlohn, trotz des Absturzes der Kölner Haie aus den Playoff-Rängen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Bankrotterklärung gegen Iserlohn

Im Grunde steht spätestens seit Sonntag fest, dass die DEL-Spielzeit 2015/2016, in der die Haie noch 17 Hauptrunden-Partien zu bestreiten haben, nicht mehr mit Coach Sundblad funktionieren kann. Das 1:6 bei der Nordamerika-Auswahl aus dem Sauerland (nur drei Iserlohner Stamm-Spieler sind gebürtige Deutsche) war eine multiple Bankrotterklärung der Mannschaft, die sich Sundblad im Sommer mit viel Geld hat zusammenkaufen dürfen. Die Schwächen traten in Iserlohn in komprimierter Form zutage.

Die Haie kassierten nicht nur das neunte Gegentor bei eigener Überzahl in dieser Saison sowie die Powerplay-Treffer 33, 34 und 35 des Gegners. Die Härte und Konsequenz des Rivalen behagte den Kölnern zudem so wenig, dass man sich fragte, ob dieses Kölner Team in der nordamerikanisch geprägten DEL nicht ein grundsätzliches Problem hat.

Die Zweikampf-Schwäche der hoch gehandelten Kölner Schweden stach jedenfalls mehr denn je heraus. Und es war niemand in Sicht, der das spielerische und mentale Zeug hatte, voranzugehen und Impulse zu setzen. Moritz Müllers Prügelei mit Colten Teubert war nicht mehr als ein verzweifelter Versuch, Energie aufs Eis zu bringen. Das Haie-Team fing allerdings kein Feuer, sondern nur dumme Strafen und zwei weitere Gegentore. Es war eine Mannschaft, die sich ohne Emotion in die Niederlage fügte.

Müller kritisiert den Gegner

Am Ende wurden die Haie vom Publikum am Seilersee auch noch als Heulsusen verhöhnt, denn es hatte die Runde gemacht, dass Müller die Iserlohner Spielerpolitik, ein Team aus Deutsch-Kanadiern zu bauen, im Pausen-TV-Interview kritisiert hatte. „Ich sehe ein, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war, ein solches Thema aufzumachen“, teilte Müller am Montag auf seiner Facebook-Seite mit. „Das waren meine ungefilterten Emotionen, da mir Gesamtsituation der Haie sehr nahe geht.“

Müller (29) spielte seit 2003 für den KEC, es ist seine erste Saison mit dem „C“ des Captains, es scheint ihm seine Lockerheit genommen zu haben. Das Amt bedeutet ihm viel, wahrscheinlich zu viel. Der Verteidiger spielt seit Wochen nicht gut, er verkrampft immer mehr.

Eishockey scheint für Sundblads Haie überhaupt nur noch harte Arbeit zu sein, Fehlervermeidung das oberste Ziel. Spaß und Kreativität können so nicht entstehen. Der schwedische Stürmer Per Aslund, im Sommer als Top-Einkauf der Haie gehandelt, findet keinen Anschluss. Sein Landsmann Dragan Umicevic soll sich bereits bei den Eisbären Berlin beworben haben. Selbst die erste Sturmreihe mit Philip Gogulla, Ryan Jones und Patrick Hager funktioniert nicht mehr wie früher. Und was tut Sundblad?

Sein liebstes Mittel gegen schlechte Ergebnisse: härteres Training. Er selbst sei als Spieler immer am besten gewesen, wenn er besonders hart gearbeitet habe, sagte der 43-Jährige einmal.

Sundblad: Damit muss man umgehen
Köln, 12.01.16: Niklas Sundblad hat von der KEC-Geschäftsführung ein Ultimatum gestellt bekommen. Sind die Derbys am Wochenende erfolglos, entlassen die Haie ihren Trainer.