28.07.2016
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Uwe Krupp: Kritik an Schiedsrichter-Einteilung

Haie-Trainer Uwe Krupp

Haie-Trainer Uwe Krupp.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Köln -

Uwe Krupp schimpft grundsätzlich nicht über die Leistungen der Schiedsrichter. Das sei so sinnlos, als würde man sich über schlechtes Wetter aufregen, sagte der 47-Jährige einmal. Als in Nordamerika geschulter Mann der Praxis will sich der Haie-Coach lieber mit Dingen befassen, die er beeinflussen kann; also etwa damit, was seine Spieler – und nicht die Referees – auf dem Eis leisten.

Vor der dritten Finalpartie der Haie gegen Berlin am Freitag (20.30 Uhr Lanxess-Arena, live bei Servus TV) gibt es im Zusammenhang mit den Männern an der Pfeife dennoch einen Punkt, der ihn wurmt. „Wir haben drei Profi-Schiedsrichter in Deutschland. Mir wäre am liebsten, wir hätten diese drei im Finale in der Rotation.“ Doch das ist nicht möglich.

In der Finalserie, in der es nach dem 3:1-Sieg der Kölner in Berlin vom Dienstag 1:1 steht, können nur zwei der drei Profi-Referees, die hauptberuflich bei der DEL angestellt sind, zum Einsatz kommen: Lars Brüggemann aus Iserlohn und Daniel Piechaczek aus Finning. Georg Jablukov darf dagegen kein Spiel leiten, da er aus Berlin stammt. Und da Piechaczek und Brüggemann Pausen brauchen, waren in der Final-Serie auch schon nicht hauptberufliche Referees auf dem Eis. Willi Schimm an der Seite Piechaczeks in Spiel eins und Stephan Bauer zusammen mit Brüggemann in der zweiten Partie. Erst in Spiel drei werden Brüggemann und Piechaczek am Freitag zusammen pfeifen. „Wir wählen die Schiedsrichter nach Leistung aus“, sagt Holger Gerstberger, Schiedsrichter-Beauftragter der DEL. „Wir haben auch sehr gute und absolut professionelle Leute, die nicht hauptberuflich tätig sind.“

Im europäischen Sportverständnis ist es selbstverständlich, dass Jablukov für das Finale nicht infrage kommt, denn natürlich würde ihm bei strittigen Entscheidungen gegen die Kölner Haie umgehend Befangenheit vorgeworfen. Man kann sich vorstellen, wie groß der Krawall ausgefallen wäre, hätte der Berliner Jablukov – und nicht Piechaczek – den Eisbären beim 2:4 der Haie im ersten Finalspiel am Sonntag das technische Tor zugesprochen.

Krupp, der 17 Jahre in der NHL spielte, hat jedoch eine andere Sichtweise: „Ich empfinde es als einen Fehler, dass Jablukov nicht pfeifen darf. Ich denke, dass die Schiedsrichter hundertprozentig seriös sind. Wenn wir wirklich glauben, dass die Schiedsrichter irgendwie in diese Richtung tendieren, dann kannst du dich nicht als Trainer hinter die Bande stellen, da würdest du ja verrückt werden.“ Der kanadische Haie-Stürmer Charlie Stephens stimmt zu: „Es sollte egal sein, wo ein Schiedsrichter herkommt.“

In diesen Worten spiegelt sich die Mentalität des nordamerikanischen Sports wider. Ein guter Referee im Profisport wird dort grundsätzlich als unparteiisch angesehen. Er lässt sich von etwas Profanem wie seiner Herkunft nicht beeinflussen, denn dann wäre er ja nicht gut. Das olympische Eishockey-Finale zwischen Kanada und den USA 2010 in Vancouver leiteten die Herren Bill McCreary und Dan O'Halloran. Dass beide Kanadier sind, störte auch in den USA niemanden. Kein Mensch kam auf die Idee, Gründe für die 2:3-Niederlage des US-Teams bei den Referees zu suchen.

Krupp ist so etwas ebenfalls fremd, seinen Spielern vermittelt er diese Haltung – sie sollen sich nicht auf Nebenkriegsplätzen aufreiben. Auch damit, dass in dieser Saison in den Duellen zwischen Köln und Berlin immer die Auswärtsmannschaft siegte, will er sich nicht weiter aufhalten, denn: „Ich sehe keinen besonderen Grund dafür. Die Mannschaft, die gewonnen hat, war an dem Tag etwas besser war als die andere.“