29.07.2016
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Doping-Gesetz: Experte will Telefonüberwachung

Übt Kritik: USADA-Chef Travis Tygart

Übt Kritik: USADA-Chef Travis Tygart

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AFP

Köln -

Nach anhaltender Kritik aus dem Inland wächst auch international das Unverständnis über die ablehnende Haltung von Sport und Politik zu einem Anti-Doping-Gesetz in Deutschland. „Wenn man in ganz Europa eine gemeinsame juristische Basis schaffen würde, dass auch die Anwendung von Dopingmitteln kriminalisiert wird, dann würde uns das enorm helfen im Kampf gegen Doping“, sagte Mathieu Holz, Doping-Beauftragter bei Interpol, dem WDR-Magazin Sport inside.

Holz verwies auf die Vorteile einer dann möglichen Telefonüberwachung. „Das zum Beispiel würde dazu führen, dass wir die Strukturen und das Milieu des Handels mit Dopingmitteln offenlegen können. Dann würden wir auch erfahren, wer von dieser Gesetzeslücke profitiert“, sagte Holz. Er hob hervor, dass er bereits die „Zuständigen aus Deutschland“ auf die Notwendigkeit eine Gesetzes hingewiesen habe, das auch den Besitz geringer Mengen Dopingmittel unter Strafe stellt und dadurch den dopenden Sportler ins Zentrum der Ermittlungen rückt. Bislang ist in Deutschland nur der Besitz „nicht geringer Mittel“ strafbar.

Widerstand in der Regierung

Änderungen scheiterten bislang vor allem am Widerstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der schwarz-gelben Regierung. Richard Young, Anwalt bei der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), die das Dopingsystem hinter dem gefallenen Radstar Lance Armstrong aufgedeckt hatte, wies auf die großen Vorteile der Ermittler in den USA hin. „Man geht zu einer Anhörung, nach monatelangen Vorbesprechungen. Die Anwälte geben Erklärungen ab, dann werden Zeugen angehört. Die Zeugen müssen unter Eid aussagen, schwören, dass sie die Wahrheit sagen. Es gibt Gelegenheit für Kreuzverhöre. Wenn du da nicht die Wahrheit sagst, kannst du ins Gefängnis kommen. Denn dann ist das Meineid - und das ist ein Verbrechen“, sagte Young.

Kein Sportler vor Gericht

In Deutschland ist seit Verschärfung des Arzneimittelgesetzes im Jahr 2007 kein einziger Spitzensportler vor Gericht gestellt worden. Auch die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) konnte in den zehn Jahren ihres Bestehens kaum Erfolge vermelden. USADA-Chef Travis Tygart wies bei Sport inside auf die problematische Zusammensetzung der NADA hin, in deren Aufsichtsrat zahlreiche Verantwortliche aus Sport und Politik sitzen. „Mitglieder unserer Gremien dürfen keine hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Funktionen in Sportverbänden bekleiden. Das trennen wir sehr genau“, sagte Tygart: „Das liegt in der Natur der Sache, dass es da zu Spannungen kommt, wenn man auf der einen Seite den Sport vermarkten will und gleichzeitig politisch handeln soll. Ich glaube, solche Konflikte führen dazu, dass Anti-Doping-Agenturen nicht effektiv arbeiten können.“ (sid)