26.08.2016
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Sieg gegen Djokovic: Murray bricht den Wimbledon-Fluch

Andy Murry küsst die lang ersehnte Trophäe.

Andy Murry küsst die lang ersehnte Trophäe.

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REUTERS

London -

Als Andy Murray den Wimbledonfluch nach 77 Jahren gebrochen hatte, brach ein nie zuvor gehörter Sturm der Begeisterung über den Londoner Südwesten herein. Der Jubel bahnte sich seinen Weg vom Centre Court über den „Henman Hill“, wo sich Tausende Menschen vor der großen Leinwand in die Arme fielen. Andy Murray kniete derweil auf dem Heiligen Rasen und vergrub sein Gesicht in den Handflächen. Mutter Judy weinte auf der Tribüne hemmungslos. Mit 6:4, 7:5, 6:4 hatte der Schotte den Weltranglistenersten Novak Djokovic bezwungen und britische Sportgeschichte geschrieben.

Mit Murrays Triumph hat das Königreich endlich den ersehnten Nachfolger für Nationalheld Fred Perry gefunden, der 1936 den letzten seiner drei Titel beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt gewonnen hatte. Das Finale zwischen den beiden besten Spielern der Welt, die drei der vergangenen vier Grand-Slam-Endspiele bestritten haben, hielt nicht das, was es versprach. Das war Murray und den britischen Tennisfans allerdings völlig egal. In der Royal Box feierte Premierminister David Cameron gemeinsam mit Oppositionsführer Ed Miliband und dem ersten Minister Schottlands Alex Salmond. Fußballstar Wayne Rooney strahlte mit Victoria Beckham um die Wette.

Die Champions Rod Laver, Roy Emerson erhoben sich ebenso für Murray wie IOC-Präsident Jacques Rogge. Tatsächlich musste jeder der 15.000 Fans auf dem Centre Court den Hut vor Murrays Leistung bei sommerlichen Temperaturen von 26 Grad ziehen. Nach den bitteren Tränen im vergangenen Jahr, als er sein erstes Finale im Allerheiligsten des Tennis gegen Rekord-Champion Roger Federer verloren hatte, hielt er diesmal dem Druck stand, den ihm die ganze Nation von London bis Glasgow, von Cardiff bis Belfast, aufgebürdet hatte. Schon einmal hatte Murray in Wimbledon. Im vergangenen Jahr bezwang er bei den Olympischen Spielen erst Novak Djokovic im Halbfinale und holte sich die Goldmedaille im Endspiel gegen Federer. „Das war der emotionalste Moment in meinem Leben“, hatte Murray dieser Tage erzählt, allerdings nicht im Wissen, welche Kraft sein Erfolg im wahren Wimbledon freizusetzen vermochte.

Bereits nach dem ersten Punkt um 14.15 Uhr Ortszeit brandete tosender Applaus unter dem Dach des Centre Courts auf. Djokovic musste sich mit dem freundlichen Beifall der sportlichen fairen Briten zufrieden geben, seine Anhänger im Stadion waren beinahe an zwei Händen abzuzählen. Neben seinem Team, der Familie und Freundin Jelena fieberten Serbiens Präsident Tomislav Nikolic und Botschafter Dejan Popovic in der königlichen Loge mit. Dafür hatten sich in der Heimat Belgrad Tausende Fans vor Bildschirmen und Leinwänden versammelt, um dem Wimbledonsieger von 2011 die Daumen zu drücken. Die sahen jedoch einen müden Krieger, der sichtlich gezeichnet war vom längsten Halbfinale der Wimbledon-Geschichte. 4:43 Stunden hatte Djokovic in einem begeisternden Match gebraucht, um Juan Martin del Potro zu bezwingen, nun fehlte die letzte Energie, um Murray und dessen Mission etwas entgegenzusetzen.

Zwar führte Djokovic mit 4:1 im zweiten Satz, doch peitschte das Publikum Murray unentwegt nach vorne. Acht der folgenden neun Spiele gelangen ihm. Auch im dritten Satz holte Murray wieder ein Break auf, Djokovic kämpfte, ließ aber die gewohnte Entschlossenheit vermissen. Nach 3:08 Stunden verwandelte Murray seinen vierten Matchball und gewann unter „Andy, Andy“-Sprechchören sein zweites Grand-Slam-Turnier nach den US Open 2012. (sid)