28.08.2016
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Skispringen: Freund holt das Gelbe Trikot

Springt nun in Gelb: Überflieger Severin Freund.

Springt nun in Gelb: Überflieger Severin Freund.

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REUTERS

Kuusamo -

Das Thermometer zeigte 15 Grad unter Null, der Wind blies eiskalt, doch Severin Freund (24) hüpfte unbekümmert durch die Polarnacht. „Das ist ein geiles Gefühl. Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich nach Kuusamo in Gelb bin, hätte ich das nicht geglaubt“, sagte der Waldkirchener nach dem vierten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Freund als Weltcup-Spitzenreiter, dazu der Team-Sieg über Olympiasieger Österreich: Das Wintermärchen der DSV-Skispringer nahm auch in Nordfinnland kein Ende.

„Das ist ein Traum-Start für uns“, sagte Bundestrainer Werner Schuster und lobte besonders seinen Überflieger: „Ich habe immer an Severin geglaubt, er war in der Vorbereitung unser bester Springer. Er hat es verdient, hier zu gewinnen.“ Zwei Triumphe bei den ersten drei Springen – das war seit Martin Schmitt (2002) keinem Deutschen mehr gelungen.

Ob Freund will oder nicht: Spätestens seit Kuusamo ist aus dem Niederbayern einer der Top-Favoriten für die Vierschanzentournee geworden. Am 30. Dezember beginnt das Spektakel, das seit Sven Hannawalds historischem Vierfach-Triumph 2001/2002 kein Deutscher mehr gewonnen hat. Freund, die Frohnatur mit der rosa-orangen Wollmütze, könnte in seine Fußstapfen treten, das glaubt auch Hannawald: „Mit ihm hat der DSV endlich wieder einen Siegspringer im Team, bei dem man weiß, wohin die Reise gehen muss“.

Auch der erst 17 Jahre alte Andreas Wellinger, in Kuusamo bei seinem dritten Weltcup zum zweiten Mal auf Platz fünf, verblüfft die Fachwelt. „Das ist einfach nur grandios. Allen so um die Ohren zu fliegen, das ist fast schon frech, was der Andi macht“, sagt Michael Neumayer, mit 33 der Älteste im deutschen Team. Wellinger fühlt sich seit Tagen wie in einem Film, „der immer mehr Realität wird“, sagt Ruhpoldinger.

Die Konkurrenz ist bereits gewarnt. Denn in Richard Freitag und Andreas Wank hat das DSV-Team zwei weitere Asse im Ärmel, in Kuusamo lagen nach dem ersten Durchgang vier deutsche Springer in den Top zehn. „Das deutsche Team hat sich überragend präsentiert“, sagte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner. In der Nationenwertung belegt das erfolgsverwöhnte Team mit Stars wie Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern den ungewohnten zweiten Platz – hinter Deutschland. Bundestrainer Schuster erlaubte sich sogar den Luxus, den Sommer-Grand-Prix-Sieger Wank nicht für den Teamwettbewerb zu nominieren. „Ich habe die Wahl, nicht die Qual“, sagt der Österreicher.

Die Wahl hat Martin Schmitt (34) derzeit nicht mehr. Der Ex-Superstar will sich für den Fall, dass er bei seiner Rückkehr ins vergrößerte Weltcup-Team „weit weg von der Spitze“ sein sollte, überlegen, „ob es noch Sinn macht“. (sid)