28.07.2016
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Soliman startet Nervenkrieg: Psycho-Spiele mit Felix Sturm

Felix Sturm (r.) und sein australischer Gegner Sam Soliman.

Felix Sturm (r.) und sein australischer Gegner Sam Soliman.

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dpa

Düsseldorf -

Nichts essen, nichts trinken, viel schwitzen - die Stunden vor dem offiziellen Wiegen sind für Profiboxer der unteren Gewichtsklassen alles andere als angenehm. Sie fiebern dem Moment der Erlösung entgegen. Denn nach dem Gang auf die Waage wird gegessen und getrunken. Die leeren Speicher werden aufgefüllt, damit am nächsten Abend, dem Kampfabend, genug Energie für einen Sieg im Körper steckt.

Und so hatte Felix Sturm den Donnerstag, seinen 34. Geburtstag, geplant: Hungern und dursten bis 13 Uhr, auf der Waage beweisen, dass er das Mittelgewichtslimit von 72,574 Kilogramm erreicht hat, noch ein bisschen für die Fotografen posieren - und dann im engsten Kreis seines Teams futtern, was das Zeug hält. Der Australier Sam Soliman, Freitagnacht (23 Uhr, Sat 1) im Düsseldorfer ISS Dome Sturms Gegner im Kampf um das WM-Herausforderungsrecht im Weltverband IBF, vereitelte diesen Plan allerdings mit ausgeklügelten Psycho-Spielchen. Sturm brachte um 13 Uhr das Limit, Soliman hingegen war noch ein Kilogramm zu schwer. Er berief sich auf die exakte Einhaltung einer IBF-Regel, wonach das Wiegen 30 Stunden vor dem Kampf stattfinden muss. 13 Uhr sei demnach zu früh, der Australier verlangte ein weiteres Wiegen um 16.30 Uhr.

Für das ausgehungerte Geburtstagskind Sturm bedeutete das: Weitere Stunden ohne Nahrung und Wasser - eine Zusatzbelastung für Nerven und Körper. "Bei Felix ist alles minuziös geplant, nach dem Wiegen fängt er normalerweise an zu essen, ganz bestimmte Sachen, er muss langsam aufladen, sonst hätte er nicht so einen Body", schimpfte Sturm-Manager Roland Bebak. Am Nachmittag wog Sturm dann nur noch 72,4 Kilogramm. Und Soliman tauchte zunächst nicht auf. Erst als Verantwortliche der IBF dem Australier mit dem Verlust seiner Führungsposition in der Rangliste drohten, zeigte er sich wieder. Jetzt brachte auch er die geforderten 72,5 Kilogramm.

Der Australier setzt seine IBF-Spitzenposition und den damit verbundenen WM-Kampf freiwillig aufs Spiel. Der Sieger von Freitagabend darf innerhalb der nächsten 90 Tage den australischen Weltmeister Daniel Geale herausfordern. Dieser hatte seinen Gürtel am Mittwoch in Australien mit einem einstimmigen Punktsieg über seinen Landsmann Anthony Mundine verteidigt. Für den 39 Jahre alten Soliman wäre ein Duell mit Geale ein Traumkampf, und so gibt er sich alle Mühe, Sturm nervös zu machen.

Dieser sei jedoch gelassen geblieben, erzählt Bebak. "Felix ist der Coolste von uns allen, aber ich bin schweißgebadet." Zweiter Diskussionspunkt war am Donnerstag die Farbe der Handschuhe. Soliman besteht auf gleichfarbige Handschuhe für beide Kämpfer, Sturm trägt üblicherweise eine andere Farbe als sein Gegner. Zuvor hatte es bereits Unstimmigkeiten zum Thema Dopingkontrollen gegeben. Das Sturm-Lager wäre mit den obligatorischen Tests nach dem Kampf zufrieden gewesen. Sam Soliman aber wollte zusätzliche Blutproben schon im Vorfeld.

Am Ende des Tages war Bebak beruhigt. Er sagte: "Ich glaube, jetzt läuft alles." Für Sturm ist das Duell die große Chance auf ein Rematch gegen Geale, der ihn zuletzt im September als WBA-Superchampion entthront hatte.