30.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Olympia-Schlussfeier: Danke und Goodbye, London!
12. August 2012
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Olympia-Schlussfeier: Danke und Goodbye, London!

Großes Feuerwerk zum Finale: Die Abschlussfeier im Olympiastadion von London war ein imposantes Spektakel.

Großes Feuerwerk zum Finale: Die Abschlussfeier im Olympiastadion von London war ein imposantes Spektakel.

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dpa

London -

Goodbye London! Ola Rio de Janeiro! Mit einer rauschenden Party der Superlative hat sich die britische Hauptstadt von den Olympischen Spielen verabschiedet und den Staffelstab an die brasilianische Metropole übergeben. „London war ein großartiger Gastgeber, die Spiele werden fraglos ein Vermächtnis für die Stadt, für das Land und die olympische Bewegung bleiben“, sagte der im kommende Jahr scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge, bevor er um 23.49 Uhr Ortszeit (00.49 Uhr MESZ) die Spiele der XXX Olympiade offiziell für beendet erklärte.

Als um Mitternacht das Olympische Feuer erlosch, ging ein wehmütiges Raunen durch das mit 80.000 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion. „Zwar wird heute die Flamme erlöschen, nicht aber die ganz besonderen Momente und Erinnerungen, die in London geschaffen wurden“, sagte Rogge. Organisations-Chef Sebastian Coe stellte fest, dass „uns die Spiele die Welt ein wenig näher zusammengebracht und uns daran erinnert haben, dass wir eine einzige Menschheit sind.“ Londons Bürgermeister Boris Johnson überreichte die olympische Flagge an seinen Amtskollegen Eduardo Paes aus Rio, wo am 5. August 2016 das Feuer wieder entzündet wird.

Kunterbunt und spektakulär hatte sich zuvor auch London noch einmal präsentiert und eine Show-Feuerwerk abgebrannt. Um Punkt 21.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) eröffnete die schottische Sängerin Emeli Sande den Reigen der Musikgrößen, gefolgt von Madness mit ihrem Gassenhauer „Our House“. Um 21.28 Uhr strömten Tausende Sportler ins Stadion, darunter rund 300 Deutsche. Deren Flagge trug Ruderer Kristof Wilke, Steuermann des siegreichen Deutschland-Achters. Unter großem Jubel erhielt Stephen Kiprotich aus Uganda, der sensationell am Mittag den Marathon gewonnen hatte, als letzter Olympiasieger seine Goldmedaille und tanzte dann ausgelassen mit der Masse in die Nacht.

Britische Leistungsshow

Die passende Musik kam unter dem Motto „A Symphony of British Music“ von einigen der größten Stars des Königreiches. George Michael sang „Freedom“, die Spice Girls stimmten bei ihrem letzten gemeinsamen Auftritt „Wannabe“ an. Oasis-Rüpel Liam Gallagher röhrte Wonderwall, Fat Boy Slim heizte mit „Right Here, Right Now“ ein. Monty-Python-Ikone Eric Idle sorgte mit „Always Look on the Bright Side of Life“ für ein riesiges Pfeifkonzert - im positivsten Sinne freilich. Auf einem der vielen Höhepunkte feuerten die Queen-Heroen Brian May und Roger Taylor ihr „We Will Rock You“ in den Londoner Nachthimmel, auf der Tribüne klatschte Prinz Harry mit. Take That - ohne Robbie Williams - zelebrierten „Rule the world“. Den Schlusspunkt setzten die unverwüstlichen Rock-Ikonen The Who. „This is my Generation, Baby“, schmetterte Roger Daltrey - und die Jugend der Welt stimmte tausendfach ein.

Die deutschen Sportler - wohl mindestens 200 von 391 gestarteten Athleten - hinter Fahnentrainer Kristof Wilke, Schlagmann des Gold-Achters, verteilten sich auf verschiedene Blöcke im Innenraum des Stadions und machten trotz der Diskussionen über ihre Leistungsbilanz einen recht vergnügten Eindruck. Oliver Korn, Besitzer einer Goldmedaille mit den Hockey-Herren, sagte: „Es war großartig, fantastische Fans, ich liebe London.“.

Schon vor Beginn der Show waren Athleten, Offizielle und Zuschauer ins Schwärmen geraten. „Wir haben fantastische Spiele abgeliefert. Die Athleten haben eine ganze Generation inspiriert“, bilanzierte OK-Chef Sebastian Coe. Im deutschen Team lief einiges schief. Die Affäre um Ruderin Drygalla war der größte Aufreger. Selbst Gewichtheber Matthias Steiner, in Peking noch Deutschlands außergewöhnlichster Olympiasieger, produzierte dieses Mal Schreckensbilder. Dem sympathischen Riesen fiel nach einem verunglückten Versuch im Reißen die 196-Kilo-Hantel ins Genick. Steiner hatte Glück und nur Prellungen und Zerrungen. Sohn Felix kommentierte: „Papa aua, Papa gut.“

Mit 44 Medaillen (11 Gold, 19 Silber, 14 Bronze) sammelte die 391-köpfige Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sogar drei mehr als in Peking und beendete die London-Mission auf Platz sechs des Länder-Klassements. In den Zielvereinbarungen zwischen DOSB und Fachverbänden waren bei optimalem Verlauf aller Projekte 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, festgehalten worden. „Wir sind stolz auf diese Mannschaft“, sagte Bach. Die magischen Gold-Momente von Diskuswerfer Robert Harting, Kanute Sebastian Brendel, Vielseitigkeitsreiter Michael Jung, der Hockey-Herren, des Ruder-Achters und Beachvolleyball-Duos Brink/Reckermann überstrahlten die Enttäuschungen.

Bei den Briten lief wenig schief, weder organisatorisch noch sportlich. Großbritannien wollte seine Zukunftsfähigkeit beweisen, nach innen und nach außen. 15 Milliarden Dollar hat das Land in die olympische Infrastruktur investiert und den Großauftrag für die Runderneuerung von East London genutzt. Sebastian Coe, Sir und Lord in Personalunion, hielt, wann immer es ging, ein flammendes Plädoyer für die Nachhaltigkeit. Der 55-Jährige darf sich für seine Langfrist-Vision zurecht bejubeln lassen. Ein ganzer Stadtteil wurde transformiert, die junge Generation wird davon profitieren. Eine Milliarde Pfund (1,27 Milliarden Euro) soll in den kommenden fünf Jahren in den britischen Schul- und Breitensport fließen, kündigte Cameron am Sonntag an. Coe darf das Ganze als Regierungsbeauftragter organisieren.

Die Sport-Asse haben im Auftrag Großbritanniens gesiegt und die Insel mit 65 Medaillen (29/17/19) zur neuen Nummer drei in der Medaillenwertung gemacht. China verpasste als Zweiter (38/27/22) die geplante Machtübernahme knapp und konnte den USA zum Olympiasieg der Nationen mit 104 Medaillen (46/29/29) nur demütig gratulieren.

In vier Jahren macht die globale Leistungsschau nun also erstmals in Südamerika Station. Die Acht-Millionen-Metropole an der Themse hat die Latte sehr hoch gelegt für den nächsten Ausrichter Rio de Janeiro. Genau acht Minuten lang durfte Rio andeuten, was die Welt in vier Jahren erwartet. 225 Sambatänzerinnen und Schauspieler, Popstar Marisa Monte und Topmodel Alessandra Ambrosio zeigten, was die Spiele 2016 werden sollen: bunt, aufregend, sexy. (sid/dpa/dapd)