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Bayer: Vom Bayerwerk zum Chempark

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Typische Bayer-Kolonie im Stil einer Gartenstadt. Foto: Ralf Krieger
Die Geschichten von Bayer und Leverkusen sind untrennbar miteinander verwoben. In der Villa Römer konnten Besucher der Ausstellung "Vom Bayerwerk zum Chempark" eine historische Zeitreise zurück zu den gemeinsamen Anfängen machen.  Von 
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Leverkusen

Wie hätte sich die Stadt Leverkusen wohl ohne die Firma Bayer entwickelt? Anders, ganz anders. Davon ist Walter Zimmermann überzeugt. "Die Werkskarriere hat die Stadtkarriere ganz klar beeinflusst." Und daher sei die Geschichte von Bayer und Leverkusen immer gemeinsam zu betrachten. Die Stationen dieser Parallel-Entwicklung zeichnete der Diplom-Geograf und wissenschaftliche Kartograph im Bayer-Kommunikationszentrum nach. Rund 30 Besucher waren erschienen, um begleitend zur Ausstellung "Vom Bayerwerk zum Chempark" in der Villa Römer eine historische Zeitreise zurück zu den gemeinsamen Anfängen von Stadt und Firma zu unternehmen. Die Verlagerung des Firmenhauptsitzes nach Leverkusen im Jahr 1912 und die dadurch bedingte Wandlung des bäuerlichen Wiesdorf zu einem wichtigen Industriestandort am Rhein seien durchaus als Musterbeispiel der Industrialisierung in Deutschland zu betrachten, so Zimmermann. Seit 1985 selbst bei Bayer, hat sich der Diplom-Geograf intensiv mit der Parallel-Entwicklung befasst.

Nach Leverkusen kam die Firma mehr durch Zufall, wusste er zu erzählen: Nach dem Tod des Apothekers und Fabrikanten Carl Leverkus, Namensgeber der Stadt, boten dessen Söhne der 1863 in Wuppertal-Barmen gegründeten und 1881 in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Firma "Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co." 1891 das Gelände der väterlichen Farbenfabrik in Wiesdorf am Rhein zum Verkauf an. Zu der Zeit habe Bayer einen neuen Produktionsstandort gesucht - das Werksgelände in Wuppertal-Elberfeld sei bereits 1887 zu 90 Prozent bebaut gewesen. "Es muss chaotisch gewesen sein", so Zimmermann. "Eine rationelle Produktion war dort nicht mehr möglich." Der neue Standort in Wiesdorf versprach Abhilfe. Doch in Leverkusen angekommen, stellten sich der Firma viele Aufgaben. Wiesdorf sei ein erbärmliches Fischer- und Bauerndorf, soll der Chemiker Carl Duisberg gesagt haben.

Die Industrialisierung erreichte Leverkusen spät, erst um 1860 herum siedelten sich erste chemische Fabriken in Wiesdorf und Bürrig an. Vom technischen Fortschritt zeugten zuvor lediglich vereinzelt Schmiedehäuser und Maschinenspinnereien. Mit Ankunft der Firma Bayer in Leverkusen sollte sich das ändern: "Bayer hatte enormen Arbeitskräftebedarf für Werksaufbau und Produktion", erklärte Zimmermann. Agenten wurden beauftragt, Arbeiter anzuwerben. Gleichzeitig entwickelte Carl Duisberg, später Bayer-Generaldirektor, einen Masterplan für die Gestaltung des Werksgeländes. "Er schuf nicht nur einen chemischen Musterbetrieb, sondern setzte auch wesentliche architektonische und städtebauliche Akzente." Dabei sei es Bayer zugutegekommen, dass andere Unternehmen im Rahmen des Industrialisierungsprozesses vorgelegt hätten: Sowohl bei Krupp in Essen als auch bei Firmen in England hätten sich Bayer-Ingenieure und -Architekten Anregungen geholt. Und so entstanden die Arbeiter- und Beamtenkolonien um das Werksgelände, zunächst im Kasernenstil, später nach englischem Vorbild im Stil einer Gartenstadt mit Fachwerk in parkartiger Umgebung.

Um die Arbeiter an ihr neues Zuhause und das Unternehmen zu binden, baute Bayer Spielplätze, schuf den Erholungshaus-Park und eröffnete einen eigenen Supermarkt. Damit Arbeiter von außerhalb problemfrei anreisen konnten, setzte die Firma werksnahe Haltestellen der zwischen Köln-Deutz, Opladen und Düsseldorf verkehrenden Straßenbahn "O" durch. Später brachten Fähren die Arbeiter über den Rhein. "Kritiker haben Duisberg Humbug und aufdringliche Reklame zum Zweck des Arbeiterfanges vorgeworfen", so Zimmermann. Aber Tatsache sei auch, dass Bayer vieles in der Stadt geschaffen habe. "Allein hätte die Kommune das nicht schultern können."

AUTOR
Christina Michaelis
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