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Interview: Midge Ure spielt im Scala

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Ähnlich fein wird Midge Ure sicher auch ausgesehen haben, als er von der Queen mit einem Orden geehrt wurde.  Foto: dpa
Der Schotte Midge Ure spricht vor seinem Scala-Konzert am Sonntag im Interview über seine Band Ultravox, soziale Projekte wie Live-Aid und das Strammstehen vor der Queen.
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Leverkusen

Herr Ure, Leverkusen ist für Sie nicht neu - sie haben hier schon 2006 bei den Jazztagen gespielt. Erinnern Sie sich an die Stadt?


MIDGE URE: Wenn ich ehrlich bin: Nein. Das ist zu lange her. Aber vielleicht kehrt die Erinnerung ja zurück, wenn ich wieder da bin.


Ihre Lieder singen Sie in verständlichem Englisch. Sie kommen aber aus Schottland und sprechen abseits der Bühne mit diesem berühmt-berüchtigten Akzent. Ist es schwer, den beim Singen abzulegen?


URE: Nein. Ich lebe ja schon seit 1977 in England. Und in all diesen Jahren ist mein Akzent bereits stark verwässert worden. Da habe ich also keine Probleme mit - nur in Amerika. Die Menschen dort denken nämlich bei Konzerten jedes Mal, ich sei Australier oder Ire und sind dann verwirrt, wenn ich ihnen sage, dass ich Schotte bin.


Warum sind Sie als Schotte überhaupt nach England gezogen?


URE: Es war doch schon immer so: Wenn du in Großbritannien etwas mit Musik machen willst, musst du nach England, irgendwo in die Nähe von London. Das war schon immer eines der europäischen Zentren der Musikkultur.


Aber viele erfolgreiche Popstars schwören doch auf ihre Villa in Kalifornien oder Florida.


URE: Das sind ja auch ganz wunderbare Plätze - aber nur, um sie mal zu besuchen. Ich muss nicht in einer Metropole wie Los Angeles leben, um kreativ zu sein. Auch in London lebe ich ja außerhalb. Da ist es ruhiger. Und es sieht mehr nach Schottland aus, als es in Kalifornien je der Fall sein könnte.


In Leverkusen treten Sie solo mit einem rein akustischen Set auf.


URE: Richtig. Das habe ich jetzt für eine Weile nicht mehr gemacht, weil ich mit Ultravox auf Tour war. Und verglichen mit den Ultravox-Shows sind die Akustik-Auftritte immer der reinste Spaß.


Warum?


URE: Weil ich vorher nie genau weiß, was ich spielen werde. Da mache ich mir keine großen Gedanken und entscheide spontan. Außerdem muss ich nicht auf Bühnenbild, Lichteffekte und dergleichen schauen. Viele Probleme, die man hat, wenn man mit der Band auf Tour ist, fallen weg.


Das hört sich fast nach Entspannung auf der Bühne an. Ist sowas denn überhaupt möglich?


URE: Sagen wir so: Es ist zumindest einfacher, simpler. Wobei man natürlich beachten muss: Eineinhalb Stunden allein auf der Bühne zu stehen und zu singen, das kann schon sehr intensiv sein.

Sie sagen, Sie entscheiden spontan, was Sie machen. Aber Ihre Klassiker werden Sie doch spielen, oder nicht?


URE: Keine Sorge: "Vienna", "Hymn", "Dancing with tears in my eyes" oder "If I was" sind natürlich dabei.


Mit Ultravox haben Sie in den 80ern die elektronische Musik-Szene geprägt und waren international enorm erfolgreich. Wie fühlt es sich an, wenn Menschen Ihnen sagen: Ich wurde durch Midge Ure musikalisch sozialisiert.


URE: Das ist echt verrückt. Denn wenn du anfängst, Musik zu machen, dann tust du das doch nur für dich selbst. Und auf einmal schreiben dir die Leute und sagen dir, wie wichtig deine Musik für sie war und ist. Das macht mir Angst.


Angst?


URE: Natürlich. Ich meine: Die Menschen haben zu meinen Songs geheiratet. Sie spielen sie ihren Kindern vor. Sie spielen sie bei Beerdigungen. Da muss man doch Angst bekommen. Wobei: Als Musikfan habe ich das ja auch schon getan - aber ich habe immer die Musik von anderen genommen.

Sie haben nie mit Ihrer Frau zu "Dancing with tears in my eyes" getanzt?


URE: Nein. Das liegt aber auch daran, dass ich absolut nicht tanzen kann.


Stimmt es eigentlich, dass Malcom McLaren, der damalige Manager der Sex Pistols, sie als Sänger für seine Band gewinnen wollte?


URE: Er fragte mich, ob ich in einer Band mitmachen wollte, nannte aber keinen Namen. Und als ich mich eine halbe Stunde mit ihm unterhalten hatte und merkte, dass er gar keinen richtigen Musiker suchte, sondern nur jemanden, der ein Image aufrecht hielt, sagte ich ihm ab. Und ganz ehrlich: Johnny Rotten als Sänger war doch das Beste, was den Sex Pistols passieren konnte. Ich als Frontmann dieser Band? Das hätte bescheuert ausgesehen.


Letztlich waren Sie ja auch ohne die Sex Pistols ausgelastet - und haben gemeinsam mit Bob Geldof die Benefiz-Band namens Band Aid gegründet sowie die weltumspannenden Konzerte Live Aid und Live 8 als vielleicht größte Musikprojekte aller Zeiten organisiert. Woraus zogen Sie die Motivation, nebenbei auch solche Dinge in die Hand zu nehmen?


URE: Das muss man anders sehen. Solche Projekte sind ja keine, bei denen man sich hinsetzt und auf Jahre hinaus genau plant: Ok, erst machst Du mal eine Benefiz-Platte für die Afrika-Hilfe und nennst sie "Let them know it's Christmas", dann schiebst du sechs Monate später ein globales Konzert hinterher - und 20 Jahre später die Neuauflage. Es passierte einfach. Das war Schicksal.


Das klingt jetzt aber reichlich unspektakulär.


URE: Vielleicht. Aber trotzdem musste ich mich dafür nicht motivieren. Ich wurde von Bob Geldof ja nicht gefragt: Midge, willst du den Mount Everest besteigen? Es war eher: Hast du Lust für ein paar Stunden auf der Bühne zu stehen - und zwar für einen guten Zweck und mit den größten Musikern der Welt?


Auf jeden Fall haben Sie riesige Spuren hinterlassen in der Historie.


URE: Ja. Und das ist wunderbar! Ich meine: Jedes Mal, wenn "Let them know it's Christmas" im Radio gespielt wird, gibt es dafür Geld, das in die Afrika-Hilfe fließt. Immer noch! Nach 27 Jahren! Und weil es ein Weihnachtssong ist, wird er auch noch jedes Jahr stets aufs Neue gespielt! Man kann dem ja gar nicht entkommen.


Letzte Frage: Sie haben vor einigen Jahren von der englischen Queen den Titel "Officer Of The Order Of The British Empire" überreicht bekommen. Mussten Sie ihr dafür etwas vorspielen?


URE: Nein. Da stehst du in einer Reihe mit anderen Menschen. Die Queen kommt vorbei, steckt Dir den Orden ans Jackett - und das war's. Ich weiß ja eigentlich bis heute nicht genau, was dieser Titel bedeutet. Aber stolz bin ich schon. Das ist so ein bisschen wie in der Schule, wenn die anderen fragen: Wow, was hast Du denn da?

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