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Landgericht: Räuber sammelt Sympathiepunkte

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Foto: Ralf Krieger
Ein 23 Jahre alter Mann aus Leverkusen muss sich derzeit vor dem Kölner Landgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Er hatte die Spielhalle an der Nobelstraße in Wiesdorf überfallen.  Von
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Schon das Opfer hatte Marco M. (Name geändert) der Polizei als ruhig und freundlich beschrieben. „Geben Sie mir bitte das Geld“, habe seine geradezu höfliche Forderung gelautet, wobei er allerdings ein Messer in der Hand gehalten habe.

Die Aufsichtskraft ist auch anderes gewohnt – das sei bereits ihr dritter Überfall in weniger als einem Jahr gewesen, „und es steht mir bis hier“, gab die 58-Jährige gestern Nachmittag vor der 1. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts zu Protokoll. Die Anklage gegen den 23-jährigen Wiesdorfer lautet auf schwere räuberische Erpressung – Mindeststrafe für Erwachsene: fünf Jahre.

So schlimm dürfte es für Marco M. aber kaum kommen. Die Tat selbst könnte von der Kammer als minderschwere Tat eingestuft werden, hinzu kommt, dass der junge Mann im Februar 2012 an einer akuten Psychose litt und gerade erst aus dem Landeskrankenhaus entlassen worden war. „Das war die schlimmste Zeit meines Lebens“, sagte der 23-Jährige nach Verlesen der Anklageschrift. In der Klinik habe er das Psychopharmaka Tavor bekommen und danach an schweren Entzugserscheinungen gelitten. Die habe er mit Valiumtabletten zu bekämpfen versucht, sich damit aber nur noch elender gefühlt.

In jener Nacht zum 7. Februar habe er wieder einmal keine Ruhe gefunden und sei ziellos durch Wiesdorf gelaufen, bis ihm gegen 3.15 Uhr vor der Spielhalle an der Nobelstraße urplötzlich der Gedanke gekommen sei, das Geld aus der Kasse zu rauben. Bei dem Messer, das er in dieser Zeit „zu meiner eigenen Beruhigung“ immer bei sich führte, habe es sich um ein Plastikmesser, also eine reine Attrappe gehandelt. Nach dem Überfall, bei dem Marco M. rund 350 Euro erbeutet hatte, habe ihn sofort die Reue gepackt und er habe erst recht nicht mehr schlafen können. Das schlechte Gewissen habe ihn mehr und mehr geplagt, bis er sich etwa drei Wochen später seinem Vater anvertraut habe.

Selbst gestellt

Sofort nach dem Gespräch gingen beide zusammen zur Polizeiwache, wo der 23-Jährige sich stellte. Er habe seinen Sohn damals fast nicht wiedererkannt, schilderte der Vater gestern im Zeugenstand. „Das war nicht mehr mein Marco“, sagte der 48-Jährige und beschrieb seinen Spross unter dem Einfluss der Psychose und von Medikamenten als „halben Zombie“. Inzwischen gehe es ihm viel besser, er sehe wieder manierlich aus, leide weder an Schlafstörungen noch an Teilnahmslosigkeit und habe auch nicht mehr „diesen starren Blick“.

Professor Tilman Elliger, der als psychiatrischer Gutachter an dem Verfahren teilnimmt, machte die Menge des von Marco M. damals täglich eingenommenen Valiums für die Kammer in einem Satz anschaulich: „Das ist genug, um das halbe Gericht 48 Stunden in Tiefschlaf zu versetzen.“ Der Prozess, in dem noch verschiedene Zeugen gehört werden sollen, wird am 2. Mai fortgesetzt.

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