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Opladener Familiendrama: Das Extreme im Menschen

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Nachbarn haben Blumen und Kerzen vor dem Haus niedergelegt. Foto: Ralf Krieger
Die Kriminologin Theresia Höynck forscht zu Tötungsdelikten an Kindern. Oft seien die Täter in Fällen wie dem Opladener Famliendrama vorher unbescholtene Familienmenschen, erklärt sie. Solche Taten seien kaum voraussehbar.
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Leverkusen-Opladen

Professor Höynck, in Leverkusen hat ein Vater seine zwei Töchter umgebracht. Sie forschen zu Tötungsdelikten an Kindern. Was bringt jemanden dazu, sein Kind zu töten?

Theresia Höynck: Das lässt sich so allgemein schwer beantworten. Es gibt ganz unterschiedliche Fallgruppen: Eine große sind die Neugeborenen-Tötungen. Anders gelagert ist die Tötung von älteren Kindern. Manche dieser Taten werden im Zustand einer gravierenden psychischen Erkrankung begangen - also etwa einer akuten Psychose. Da ist die Frage nach der Motivlage schief gestellt: Die Täter erklären zum Beispiel, dass Stimmen ihnen die Tat befohlen haben. In anderen Fällen will sich der Täter selbst töten und dabei seine Kinder "mitnehmen". Die Forschung spricht hier von erweitertem Suizid. Auch da ist es schwierig, im konkreten Fall ein Motiv zu finden.

Zur Person
Theresia Höynck
Foto: Privat

Theresia Höynck

Theresia Höynck ist Rechtswissenschaftlerin an der Universität Kassel und war bis 2010 stellvertretende wissenschaftliche Direktorin des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Weisen Fälle von Kindstötungen überhaupt Gemeinsamkeiten auf?

Höynck: Beim überwiegenden Teil der erweiterten Suizide, die zu Recht oft als Familiendrama bezeichnet werden, stehen krisenhaft verlaufende Trennungen im Hintergrund. Oft auch Sorgerechtskonflikte oder Rache am Partner. Aber man macht es sich zu leicht, solche Taten mit scheinbar einfachen Motiven wie Rache zu erklären. Die Motivlage der Täter ist oft sehr gemischt.

Familiendrama in Opladen

Überraschend oft stecken hinter diesen erschreckenden Taten unauffällige, scheinbar "normale" Bürger. Ist es ein schmaler Grat vom liebevollen Vater zum Mörder?

Höynck: So schockierend das klingt: Ich glaube, dass theoretisch jeder Mensch fähig wäre, in psychische und emotionale Extremsituationen zu kommen, in denen er über Dinge nachdenkt, die er sonst nie ins Kalkül ziehen würde. Da fühlen sich Menschen bis ins Mark verletzt und verengt in ihrer Wahrnehmung und ihrem Handlungsspielraum.

Sind Kindstötungen häufiger geworden in den vergangenen Jahren?

Höynck: Die polizeiliche Kriminalstatistik und alles, was wir sonst an Daten haben, spricht dagegen. Solche Taten sind sogar eher seltener geworden.

Wie ließe sich ein solches Familiendrama verhindern?

Höynck: Das ist extrem schwierig, selbst wenn man weiß, dass oft krisenhafte Trennungskonflikte den Hintergrund für solche Taten bilden. Generell gilt schon, dass hoch konflikthafte Trennungen der Eltern für Kinder nicht selten eine schwere Belastung und - im Extremfall - eine Gefahr darstellen. Aber die Konsequenz, bei allen solchen Konflikten immer ein mögliches Familiendrama im Hinterkopf zu haben, wäre reichlich realitätsfern und inadäquat. Vor allem, wenn man betrachtet, wie absolut selten solche Fälle sind im Vergleich zur Zahl der Trennungen. Die allermeisten Täter waren vorher unbescholtene Familienmenschen. So eine Tat lässt sich kaum voraussehen.

Das Gespräch führte Michael Aust.

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