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Prozess: Verteidigung kündigt Geständnisse an

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Foto: Ralf Krieger Ralf Krieger
Der ehemaligen Mazda-Manager Franz Danner soll seinen Arbeitgeber gemeinsam mit einem Veranstalter um mehrere Millionen Euro geprellt haben. Kurz vor Prozessbeginn kündigte die Verteidigung jetzt umfassende Geständnisse an.  Von
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Sieben bis acht Jahre Haft drohen dem ehemaligen Mazda-Manager Franz Danner, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, fünf Jahre wollen seine drei Verteidiger erreichen.

Das ist das Ergebnis eines Vorgesprächs mit allen Beteiligten, über das Amr Sarhan, Vorsitzender der 6. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts, gestern Morgen zum Auftakt des auf 35 Verhandlungstage angesetzten Verfahrens berichtete.

Untreue und Steuerhinterziehung

Voraussetzung im einen wie im anderen Fall sind umfassende Geständnisse Danners und des mit ihm angeklagten Rolf H.
Vorgeworfen werden ihnen gewerbs- und bandenmäßige Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

Drahtzieher dieser Taten soll der 63-jährige Danner sein, der bis zu seiner Verhaftung vor einem Jahr als PR-Chef im Rang eines Vizepräsidenten für Mazda Motors Europa mit Sitz in Hitdorf gearbeitet hat. In dieser Position war Danner unter anderem auch für die Organisation von Händlertreffen und Pressepräsentationen neuer Fahrzeugmodelle zuständig.

Über 41 Millionen Euro Schaden

Unmittelbar nach seinen Antritt soll Danner, der zuvor für Alfa-Romeo und Kia tätig war, Kontakt zu der ihm bereits bekannten Veranstaltungsagentur PST GmbH in Tübingen aufgenommen haben. Mit deren Inhaber Rolf H. (59) soll Danner laut Anklageschrift vereinbart haben, dass dessen „Promotion Service Team“ künftig alle Mazda-Veranstaltungen ausrichtet und dafür weit überhöhte Rechnungen erstellt. Mit im Boot, so die Anklageschrift, seien dabei mehrere Strohmänner und -frauen der „ADG Dialog GmbH“ aus Danners österreichischer Heimat gewesen.

Der Gewinn sei dann zu 30 Prozent an Rolf H. und zu je 35 Prozent an Danner und die Österreicher geflossen. Insgesamt betrage der Schaden allein für Mazda über 41 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Millionen hinterzogener Einkommen- und Umsatzsteuern, weil die Beteiligten ihre illegalen Einnahmen – selbstredend – nicht versteuert hatten.

Einladungen nach Monte Carlo

Die Anklageschrift listet 53 einzelne Fälle, hauptsächlich Pressepräsentationen, in den Jahren 2007 bis 2012 auf. Dafür wurden die Fachjournalisten von Mazda an illustre Orte in ganz Europa eingeladen. Genannt werden unter anderem Veranstaltungen in Monte Carlo, Paris, Barcelona, Stockholm, Moskau und Kitzbühel, auf Mallorca und Island.

Hofft auf Strafmilderung: der ehemaligen Mazda-Manager Franz Danner Foto: Privat

Für Flüge und Hotels rechnete die Agentur meist zwischen ein und zwei Millionen Euro überhöhte Kosten ab, in Einzelfällen waren es auch schon mal „nur“ mehrere hunderttausend Euro. In dem Vorgespräch bei Richter Sarhan, an dem neben den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft auch Vertreter der Finanzverwaltung teilnahmen, hatten die Rechtsanwälte angekündigt, dass sich ihre beiden Mandanten umfassend und geständig zu der Anklage äußern werden.

In diesem Fall will Oberstaatsanwalt Norbert Reifferscheidt nicht mehr als sieben bis acht Jahre Freiheitsstrafe für Franz Danner beantragen. Bei Rolf H., der sich hauptsächlich der Beihilfe schuldig gemacht habe, könne das Strafmaß noch darunter liegen.

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Höchstens fünf Jahre wollen die Verteidiger dagegen für die seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten erreichen, damit sie ihre Strafen im offenen Vollzug verbringen können. In diesem Fall könnten Franz Danner und Rolf H. tagsüber einem Broterwerb nachgehen und müssten im Gefängnis nur übernachten.

Sollten die Angeklagten tatsächlich Geständnisse ablegen, dürfte der Prozess schon nach wenigen Verhandlungstagen beendet sein.

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