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Sankt Maria Rosenkranzkönigin: Heilige Knochen für den Altar

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Staubgeschützt noch in der Keksdose lagern die Reliquien für den künftigen Altar der Quettinger Katholiken. Bernhard Geuß (links) und Pfarrer Ulrich Sander freuen sich darüber. Foto: Ralf Krieger
Seit einigen Jahren schon sammelt die Quettinger Gemeinde Sankt Maria Rosenkranzkönigin Geld für einen neuen Altar. In den Fuß des neuen Altars soll eine Metallkapsel mit zwei heiligen Knochensplittern eingelassen werden.  Von 
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Quettingen

Die Wege, die Reliquien christlicher Heiliger nehmen, sind oft verschlungen, und Versuche, die Herkunft dieser Überbleibsel zu ergründen, enden oft in nebulöser Vergangenheit. Auch von dem Weg, den eine streichholzschachtelgroße Metallkapsel mit zwei Knochensplittern nach Quettingen in die Kirche Sankt Maria Rosenkranzkönigin gefunden hat, sind nur die letzten paar Jahre wirklich belegbar.

Es ist gute katholische Tradition, dass in möglichst jeden Altar eine Reliquie eingemauert wird, am besten sogar ein Teilchen vom Körper oder der Kleidung des Namenspatrons der jeweiligen Kirche. Seit einigen Jahren schon sammelt die Quettinger Gemeinde Geld für einen neuen Altar. Nun ist es soweit: Ende kommender Woche bekommt der Ratinger Steinbildhauer Elmar Steinrücken drei große Quader aus irischem Limestone geliefert, die Arbeit an dem Stück kann beginnen.

Von den Kölner Jesuiten

Es stellte sich die Frage nach einer passenden Heiligenreliquie, die der Gemeinde mehr oder weniger durch Zufall in den Schoß gefallen ist. Bernhard Geuß, Mitglied im Quettinger Kirchenvorstand, besorgte zwei winzige Knochensplitterchen eines oder zweier Heiliger. So etwas kann man nicht kaufen: Die paar Gramm menschlicher Knochen dienten bis vor einigen Jahren in einem Hausaltar der Kölner Jesuitengemeinde an der Stolzestraße als heiliger Inhalt. Als der Jesuitenorden dieses Kölner Haus aufgab, wurde der Gebetsraum profaniert. Während dieser Zeremonie, bei der die Reliquie aus dem Altar entnommen wird, war auch ein Bekannter Bernhard Geuß' aus Bergisch Gladbach dabei, der die Splitterchen fortan in seinem Wohnzimmer lagerte.

Geuß, der offenbar die Chance witterte, machte ihn nachdenklich durch seine Einwände: Was würde im Falle des Todes des Besitzers mit den Reliquien geschehen? Könne der garantieren, dass die heiligen Knöchelchen nicht unter die Räder kämen, vielleicht sogar bei einer Entrümpelung verschütt gingen? Nicht auszudenken. Das überzeugte den Gladbacher Freund schließlich, er überließ der Gemeinde die Gebeine der Heiligen. Mit dabei ist ein Zettelchen, das erklärt, dass die Kapsel im Juli 1925 in den Jesuitenaltar eingesetzt wurde, und wessen verehrungswürdige Gebeine darin verwahrt sind: Es sollen die Reste von Gefährten eines römischen Soldaten Zenorius sein.

Nicht besonders groß: Die Kupferdose mit den in Papier eingewickelten Knochensplittern neben einer normalgroßen Büroklammer. Foto: Ralf Krieger

Diese ägyptischen Märtyrer sollen zur legendären Thebäischen Legion gehört haben. Sie sollen frühe Christen gewesen sein, die sich weigerten, Glaubensbrüder zu töten und die deshalb selbst nach und nach hingerichtet worden sein sollen. Die meisten wurden in einem Dorf in der Schweiz ermordet, einige aber auch hier im Rheinland. Diese Aufrechten – alle sind heilig – hinterließen eine Vielzahl an Reliquien erster Klasse, also keine Berühr-Reliquien, sondern die wertvolleren Körperteile. Wo die Knochen während der Jahrhunderte vor 1925 gelegen haben ist unbekannt. Der in unserer Gegend bekannteste Heilige aus der Thebäischen Legion dürfte der in Köln hoch verehrte Gereon sein, der in Colonia enthauptet wurde. Manche Quellen benennen ihn als Schutzheiligen bei Kopfschmerzen und für Soldaten. Gereon ist Namensgeber einer der schönsten romanischen Kirchen Kölns. Die Quettinger befinden sich mit ihrer neuen Altarreliquie also in guter Gesellschaft.

Existenz nicht nachgewiesen

Der neue Altar wird in diesem Jahr am 7. September vom Weihbischof geweiht. Der Bischof soll auch die Reliquie mit Schnellzement in den Fuß einpassen. Die streichholzschachtelgroße Kupferdose mit dem weit über 1000 Jahre alten Inhalt soll im dicken Fuß des Altars so eingelassen werden, dass sie für die Gemeinde sichtbar ist. Sicher hinter Metallstäben werden die Reliquien so für hoffentlich lange Zeit ihre Aura ausstrahlen. Dass die Existenz der Thebäischen Legion unter Historikern alles andere als sicher nachgewiesen gilt, spielt da eigentlich gar keine Rolle.

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