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Schloss Morsbroich: Hausmeister geht in Pension

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Wolfgang Gierden, verheiratet, drei Kinder, geht in den Ruhestand. Er ist der Hausmeister des Museums und kann so kunstvoll erzählen, dass der bevorstehende Verlust bereits jetzt sehr schmerzt. Foto: Ralf Krieger
Wolfgang Gierden, Hausmeister auf Schloss Morsbroich, geht im Januar in den Ruhestand. Bereits jetzt räumt er seine 100-Quadratmeter-Dienstwohnung mit Blick auf das Schloss und den Park aus.  Von
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Alkenrath

Wolfgang Gierden, Hausmeister auf Schloss Morsbroich, sitzt in seiner Bude zwischen Taschenlampen, Schlüsselbrettern und Schraubenziehern und schaut auf ein Gemälde, das immer noch Rätsel aufgibt. Es ist mit „Pelle 1994“ signiert und hat den künstlerischen Impetus einer Berufsschulklasse für Kfz-Mechaniker. Gierden will es gar nicht an die große Glocke hängen, denn bis heute habe keiner darüber berichtet. Aber dem damaligen Kulturdezernenten Wolfgang Schulze-Olden hat „Pelle 1994“ die Zornesröte ins Gesicht getrieben.


Noch jetzt duckt der Hausmeister sich reflexartig weg, dort auf seinem Stuhl im Keller, vor dessen Oberlicht die Schneeflocken tanzen. Pelle hatte das Porträt offenbar in eine Ausstellung geschmuggelt, wo es niemand vom Personal bemerkte. Bis Schulze-Olden drauf stieß. Sofort solle das Machwerk abgenommen und im Müll entsorgt werden, ordnete er an. Wie im Märchen lief es aber anders. Pelle fand Asyl in der Hausmeisterbude des Schlosses. Dort hängt das Bild, eine Mischung aus Nageltechnik und Klebebandkollage, neben dem Schaltkasten mit dem Nichtraucheraufkleber.


Neben dem Spind wiederum hängt ein Pin-up-Kalender. „Der ist aber nicht von mir“, beteuert Gierden. Im Januar geht er in den Ruhestand, und es beschleicht einen das ungute Gefühl, dass dann das womöglich wertvollste Stück aus dem gesamten Museumsfundus fehlen dürfte. Ein solches Faktotum, Unikum, Muster der beruflichen Herzensliebe und Schlitzohrigkeit ist selten. Die Stationen bei der Stadtverwaltung führten seit 1965 von der Lehre über den Vorarbeiter für die Rasenmäher beim Grünflächenamt bis in die Kulturabteilung. Bereits jetzt räumt Gierden seine 100-Quadratmeter-Dienstwohnung mit Blick auf das Schloss und den Park aus. Dort wird dann sein 22-jähriger Nachfolger einziehen.


Bismarck rettet Potemkin


Zeitweise war Gierden Totengräber, auch Müll hat er entsorgt. Später sollte er einmal Kunstwerke aus Müll in einer Ausstellung mit HA Schult aufstellen. Aber Profi, der er ist, verkniff er sich einen Kommentar. Der Kunst gegenüber ist er aufgeschlossen und hat so manchen Blödsinn mitgemacht, der nachträglich wohl eher etwas von einem Dummejungenstreich an sich hat. „Die letzte Fahrt der Bismarck“ zum Beispiel hat Gierden aus einem Schlamassel gerettet. Den Kriegsfilm hatte er glücklicherweise in seiner Dienstwohnung auf Schloss Morsbroich, in dessen Gartensaal ihm gerade der Film „Panzerkreuzer Potemkin“ gerissen war.


Durch die Leinwand fraß sich ein greller Punkt, der in Flammen überging. Auf dem Boden lag ein Bandsalat des Films, und 20 Museumsbesucher warteten entnervt auf die Vorführung. Gierden improvisierte mit einem Alternativprogramm. Anschließend fragte ihn eine ältere Dame, warum der Panzerkreuzer denn nun doch mit Ton vorgeführt worden sei.


Das schöne an der Geschichte ist, dass ein Nachklapp folgt. Gema-Gebühren mussten nachträglich für das Alternativprogramm bezahlt werden und seine damalige Chefin, Susanne Anna, rauschte wutschnaubend davon – filmreif.
Das Geflügelte Wort, „ist das Kunst, oder kann das weg?“ wägt Gierden mit gemischten Gefühlen. Denn manchmal sei es tatsächlich nicht ganz einfach. Ein Holzstück mit zwei Nägeln habe zu einer Installation gehört, sei aber im Eifer des Gefechts auf dem Parkett hin und hergefegt worden.


Und eine Geschichte, die 1979 lange vor Gierdens Hausmeisterzeit passiert ist, hängt dem Schloss noch heute nach. Auf einer SPD-Feier geriet dort die mit Fett, Filz und Verbandspflaster versehene Badewanne von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Gierden, damals noch Gärtner, bekam die Wanne in einem Nebenraum zu Gesicht. Die sei ja ganz schön dreckig, lautete sein Kommentar zu dem Kunstwerk. „Nein, die ist jetzt sauber“, wurde er korrigiert.


Ein Kontrastprogramm sei der Wechsel in die Kulturabteilung 1990 gewesen. Mitunter denkt Gierden noch heute, „dass wir allesamt in Wolkenkuckucksheim leben.“ Mit sozial Auffälligen, Straffälligen und Wohnungslosen hat er von 1982 bis 1990 gearbeitet. Und die Begeisterung schafft sich noch heute in fast tänzerischer Körpersprache Ausdruck. Er habe sich abseits gestellt, die Leute machen lassen und in sie vertraut. „Das hat funktioniert.“

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