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Tierleben: Die neue Liebe des Schwanenwitwers

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Foto: Ralf Krieger
Vor einem Jahr wurde seine Frau von einem Jagdhund totgebissen. Jetzt hat sich der Hitdorfer Schwan Andy wieder neu verliebt - eine Seltenheit. Tierkenner Oswald Odendahl erzählt eine rührende Geschichte vom Hitdorfer Ufer des Rheins.  Von 
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Hitdorf

Diese Geschichte ist eine Hitdorfer Liebesgeschichte. Der Erzähler ist Oswald Odendahl, der alte Hitdorfer Hafenmeister und Bootsstegbesitzer, denn er kennt die Schwäne am Rhein wie kein zweiter, von denen die Geschichte handelt. Odendahl sitzt in seinem schwankenden Bootshaus und erinnert sich an das letzte Frühjahr, als ein großer Jagdhund die ansonsten wehrhafte Frau seines geliebten Schwanenmanns Andy mit wenigen, aber dafür umso tödlicheren Bissen ins Jenseits beförderte. Das Vogelpaar, das seit 15 Jahren zusammen war, bebrütete gerade ein Gelege mit fünf Eiern. Nach dem Angriff verließ auch Andy das Nest. Die Eier kühlten aus.

Der Schwanenmann verbrachte einen einsamen und schlimmen Sommer, sagt Odendahl: „Der war total durcheinander, hat stundenlang am Nest gestanden und ist noch monatelang mit gerecktem Hals durch den Hafen gepaddelt“, so als suche er seine Vertraute. Es habe bis in den Herbst gedauert, da habe sich Andy ganz vorsichtig an eine neue Schwanenfrau herangemacht. „Eine von der Fähre“, sagt Odendahl. Das Annähern habe gedauert, einen Monat, aber, als die beiden sich endlich gemocht hätten, da sei es aber los gegangen. Oswald Odendahl freut sich an seiner eigenen Erzählung. Draußen auf dem Strom pflügt ein Schiff durch den Rhein, das Bootshaus schaukelt stark in den Wellen. Es ist Hochwasser und die Wellen überspülen die Hafenmole. Der Ponton schwankt stark.

Dass der Schwan Andy sich überhaupt eine neue Liebe gesucht hat, ist alles andere, als eine Selbstverständlichkeit; sind die großen weißen Entenvögel doch ein wahrhaftiges Vorbild an Treue. Manchmal bis über den Tod hinaus, sie fühlen sich dem Lebenspartner so eng verbunden, dass der Hinterbliebene nach dem Verlust der oder des Geliebten oft den Rest des langen Lebens alleine bleibt. Nicht so in Hitdorf. Das Ergebnis der Liebeshochzeit: Ein neues Nest, sieben Eier, aus denen gerade sechs kleine flauschig graue Schwanenküken mit Stummelflügelchen geschlüpft sind.

Rege Anteilnahme

Die Hitdorfer nehmen regen Anteil. Kein Wunder, gibt es was interessanteres, als neue Liebesgeschichten? Bei gutem Wetter, sagte Odendahl, stünden die Leute in Reihe auf der Rheinpromenade und betrachteten die Tierfamilie. Viele passen auf, dass sich kein Hund an den Vögeln vergreift. Vor einer Woche wurde es plötzlich wieder Ernst für die Tiere. Das Wasser stieg so schnell, dass das Gelege fast überspült worden wäre. Es fehlten nur noch Zentimeter. Aber vielleicht hatten die Schwäne das Nest nicht zufällig direkt am Ufer unterhalb des Odendahlschen Bootshauses gebaut. Oswald Odendahl: „Wir haben fünf 3,50 Meter lange Bretter und eine Europalette unter das Schwanennest geschoben. Dann mit sechs Mann den ganzen Brutplatz einige Meter nach oben geschleppt. Dabei hat die Schwanenfrau uns mit Flügelschlägen erwischt“, einer der Freiwilligen habe einen blauen Fleck am Arm gehabt, der sei groß wie ein Fußball gewesen.

Nicht so aggressiv ist der alte Schwanenmann. Er tut seinem Wohltäter und Versorger nichts, auch wenn er nahe ans Nest herangeht. Die jahrelange Beziehung zwischen Mensch und Vogel ist eng: Inzwischen kann Odendahl, der die Tiere mehrere Male am Tag besucht, seinen Schützling mit Hilfe eines Megaphons vom anderen Rheinufer an die Hitdorfer Seite locken. Zumindest die Hochwassergefahr scheint überstanden; inzwischen können die kleinen grauen Schwänchen schwimmen. Alles, was Odendahl in seiner Hafenbude erzählt, lässt hoffen: Das Hochwasser stagniert, die Küken leben, ganz Hitdorf scheint von einem Happy End zu träumen.

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