27.07.2016
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Stimme: Arbeit an einem einmaligen Instrument

Thomas Grube

Der Musiker Thomas Grube. (Bild: Roland U. Neumann)

Overath -

Thomas Grube, Vocalcoach, Gesangslehrer, Berufsmusiker, Komponist und Produzent, ist ein sehr ruhiger, freundlicher Mensch. Dörte Klomp, die in unserer Oldie-Band (siehe „Munteres Mikrofon-Mikado“) singt und Keyboard spielt, nimmt begeistert bei ihm Unterricht und hat hörbar viel gelernt. Es gibt allerdings einen Punkt, an dem Grube sehr nachdrücklich und auch ein wenig ärgerlich wird: „Mal eben hopp-hopp singen lernen, weil eine Woche später ein Auftritt ist, das funktioniert schlicht und einfach nicht.“ Grube, der seit 20 Jahren als Lehrer und Vocalcoach speziell für Rock, Pop und Jazz arbeitet, bekommt öfter derartige Anfragen von Managern oder Plattenfirmen. Und da stellt er sich gelegentlich stur und lehnt die Anfragen auch mal ab, obwohl sie meist lukrativ sind. Grube: „Da werden Menschen schnell hochgejubelt und sind ebenso schnell verschwunden - das ist nicht die Art, wie ich

arbeite.“

Wer singen will, soll singen, lautet zwar Grubes Credo, dennoch plädiert er für eine Gesangsausbildung auch für Sängerinnen und Sänger in der Popularmusik. Und diese Grundausbildung, die sich technisch nicht von der in der klassischen Sparte unterscheidet, dauere in aller Regel mehrere Jahre. „Die menschliche Stimme ist ein sehr komplexes Instrument“, so Grube, „und wenn man das eigene Potenzial erkennen und ausnutzen möchte, sind sehr viele Dinge zu beachten.“

Atmung und Appoggio, das „Anlehnen“, oft auch als Stütztechnik bezeichnet, seien wichtige Säulen, erläutert der Sänger und Musiker. „Artikulation, Intonation, Ausdruck sind weitere Aspekte, aber - und das wissen viele Sänger nicht - auch Ernährung, Medikamente, Hormone und die Lebenssituation haben großen Einfluss auf die Stimme.“ Rückwärtige Weite, Vordersitz, „in die Maske singen“ - all dies technische Begriffe für Sängerinnen und Sänger, obwohl beim 39-jährigen Grube auch Schauspieler, Models oder Moderatoren ihre Stimmen schulen lassen.

Grubes Konzept ist dabei scheinbar simpel: „Je besser ich all diese Dinge kenne, desto weiter kann ich davon weggehen“, formuliert der Gesangslehrer. Je besser und souveräner man also mit seiner Stimme arbeiten kann, desto mehr kann man diesen Bereich verlassen und am individuellen Ausdruck feilen. Grube lehrt seine Klienten deshalb auch: „Wenn ihr in eine Probe geht oder in einen Auftritt, vergesst alles, was ihr gelernt und geübt habt.“ Technik sollte seiner Meinung nach beinahe „automatisch“ eingesetzt werden, damit sich der Sänger ganz auf seine Songs und den eigenen Stil konzentrieren kann. „Das ist ja das Besondere beim Gesang: Die eigene Stimme gibt es so nie wieder, die ist weltweit einmalig“, erklärt der Berufsmusiker.

Ein guter Gesangslehrer helfe seinen Schülern dabei, die eigene Stimmfarbe zu finden und zu entwickeln, und sichere den Sänger oder die Sängerin zugleich dagegen ab, sich durch falsche oder ganz fehlende Technik den sensiblen Stimmapparat zu ruinieren. Natürlich, so Grube, gebe es gerade in Rock und Pop Stars, die 30 oder mehr Jahre lang „schreien“, ohne dass dies Konsequenzen hätte. „Joe Cocker wäre für jeden Logopäden dringend behandlungsbedürftig, aber er hat anscheinend kein Problem damit.“ Bei anderen Profis aber zeige sich nach Auftritten, dass sie heiser seien oder noch schlimmere Schäden an Stimmlippen oder Kehlkopf entwickelten. Oder einfach mitten in einer Phrase „aus der Puste“ kämen, weil ihnen die Atemtechnik fehle. Ein Lehrsatz Grubes: „Je mehr schiebende Luft, desto weniger Ton.“

Thomas Grube erwartet von seinen Schülern keine Vorkenntnisse, bringt ihnen allerdings zügig bei, Songs in ihre Tonlage zu transponieren. „Ich ziehe ja auch nicht die Jeans meiner Frau an“, spöttelt Grube, „folglich sollte ich als Tenor auch nicht versuchen, im Bariton zu singen. Und Freddy Mercury eine Oktave tiefer zu singen, ist auch nicht befriedigend.“ Also lernen Grubes Schüler, in die passende Lage zu transponieren. „Oder man singt diesen Song eben nicht“, so der Profi, „auch das passiert einfach mal.“

Thomas Grube hat für die Internetseite „96 kHz“ eine umfassende Artikelserie zum Thema „Vocalcoaching“ geschrieben, die zwölf Teile umfasst. Außerdem hat der Musiker eine eigene Homepage.


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