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Schmittmann-Kolleg: Das Wohnheim selbst verwalten

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Im Mondrian-Stil sind die Fächer im Kolleg gestaltet. Foto: Hennes
Von wegen Betonbunker: Das Schmittmann-Kolleg auf dem Sachsenring beweist, dass Studentenwohnheime auch eine gemütliche Atmosphäre haben können. Das Besondere: Die Studenten verwalten ihr Haus selbst - gehören aber keiner Verbindung an.  Von
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Köln

Wer kennt es nicht, das Stereotyp des deutschen Studentenwohnheims: Einförmig und charakterlos reihen sich kleine Zimmer in dunklen Fluren aneinander. Die Einrichtung ist spärlich. Gemütlichkeit ist anderswo. Ein bunter Flyer mit der Aufschrift „Zimmer frei in der Südstadt!“ verspricht das Gegenteil. Er zeigt eine schöne Villa mit rundem Erker, Balkon und Garten und wendet sich an Studenten, die Lust auf „gemeinschaftliche Atmosphäre“ haben: Das Schmittmann-Kolleg am Sachsenring ist tatsächlich alles andere als ein karger Betonklotz mit Minimalausstattung und Großstadtanonymität.

Hell und freundlich leuchtet die pfirsichfarbene Fassade in der Nachmittagssonne, hohe Fenster lassen viel Licht in die großzügig geschnittenen Räumlichkeiten. Die Villa ist das ehemalige Wohnhaus des Namensgebers und Universitätsprofessors Benedikt Schmittmann und seiner Frau Helene: Seit 1953 ist sie ein Studentenwohnheim.

Hell und freundlich sieht das Kolleg aus.
Hell und freundlich sieht das Kolleg aus.
Foto: Christoph Hennes

Junge und alte Schmitties

Im Hof hinter dem Eingangstor herrscht reger Betrieb. Ältere und junge Leute gehen ein und aus, sprechen angeregt miteinander, begrüßen sich herzlich. Mehr als 50 Ehemalige des Kollegs sind übers Wochenende zu Besuch in Köln, um sich auszutauschen und gemeinsam an die Studienzeit zu erinnern. Darunter auch: die jungen Schmitties. So nennen sich die Bewohner des Schmittmann-Kollegs, 24 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, die alle eines verbindet: Spaß an der Gemeinschaft und Lust auf Eigeninitiative. Denn im Unterschied zu anderen Wohnheimen wird das Kolleg von den Studierenden selbst verwaltet.

„Jeder von uns ist abwechselnd für einen Bereich des Zusammenlebens zuständig“, erläutert Florian Forbriger. „Ich habe in diesem Jahr das Computer-Yogi-Amt inne.“ IT-Pflege also. „Andere kümmern sich um die Küche, die Bibliothek, die Waschmaschine oder die Finanzen.“ Der 19-jährige Student der Medienwissenschaften wohnt erst seit kurzer Zeit im Kolleg. Dass sich hier alle für ein respektvolles Miteinander einsetzen und viel gemeinsam unternehmen, macht für ihn die familiäre Atmosphäre aus. Außer den 24 Studentenzimmern, die auf drei Etagen verteilt sind, gibt es im Haus eine große Bibliothek sowie eine Gemeinschaftsküche mit angeschlossenem Aufenthaltsraum, „in dem immer jemand sitzt, mit dem man sich unterhalten kann“, so der Mathematik- und Spanisch-Student Niklas Schachtsiek. Über das Studium, das Leben, andere Sprachen und Kulturen.

Der Haussprecher

Schwörer studiert Physik und Philosophie. In diesem Halbjahr hat er das Amt des Haussprechers inne und ist deshalb für das Veranstaltungsprogramm des Kollegs zuständig, das jedes Semester zu einem anderen Thema organisiert wird. Bei der Themenfindung sind der Kreativität der Studierenden keine Grenzen gesetzt: Von Frauen im Islam und Entwicklungspolitik über Musik und Fußball bis hin zu Demokratieförderung reicht das Spektrum.

Diesmal geht es unter Schwörers Leitung um „Philosophie und ihre Rolle in der heutigen Lebenswirklichkeit“. Vier Vorträge von Experten, ein Workshop und eine Studienfahrt nach Weimar beinhaltet das Programm. Das mache viel Arbeit, aber auch Spaß. Zeit fürs Studium bliebe trotzdem, sagt Schwörer. „Das Schöne an den Semesterprogrammen ist, dass man über seinen eigenen fachlichen Tellerrand hinausschaut und sich mit Themen beschäftigt, für die man sich sonst keine Zeit genommen hätte.“

Auch an diesem Ehemaligen-Wochenende ist er als Haussprecher in die Organisation eingespannt. Seine Rede zur Begrüßung der Gäste ist gut angekommen, und er hat überzeugend erklärt, dass das Schmittmann-Kolleg nach fast 60 Jahren immer noch lebendig ist. „Die Mitgestaltung und Mitbestimmung des Einzelnen in der Gemeinschaft zählte zu den wichtigsten Anliegen Benedikt Schmittmanns“, sagt Daniel Pieper, ehemaliger Schmittie und heute Vorsitzender des Trägervereins Kreuz-Kolleg Benedikt-Schmittmann-Haus. „Aus diesem Grund organisieren und verwalten die Studierenden ihr Zusammenwohnen selbst. Das ist einzigartig und klappt gut.“ Unterstützt wird der Verein von der Stiftung Benedikt und Helene Schmittmann-Wahlen, die zur Hälfte Eigentümer des Hauses ist. Die Bewohner zahlen für ihre Unterkunft durchschnittliche Mietpreise.


Foto: Hennes

Keine Studentenverbindung

Das Kolleg ist keine studentische Verbindung und nicht ideologisch gebunden. Zwar war Benedikt Schmittmann gläubiger Katholik, die Aufnahme in das Kolleg hängt jedoch nicht von einer konfessionellen Zugehörigkeit ab. Wichtiger, so sagen die Schmitties, seien das Interesse an der Hausgemeinschaft und der Wunsch, sich für sie zu engagieren. Wie groß das ist, das erkunden die Bewohner in den Bewerbungsgesprächen mit Interessenten.

Über die Jahre habe die Idee des Kollegs viele Menschen auf ihrem Weg ins Leben und in ihr Berufslaufbahn geprägt, berichtet die Hausmeisterin Maria Hiertz, deren Familie schon seit den 1950er Jahren in der Villa lebt. „Seitdem Anfang der 1980er auch Frauen ins Kolleg aufgenommen werden, haben sich mehr als 20 Paare hier gefunden.“

Mittlerweile wohnen auch die ersten Schmittie-Kinder im Studentenwohnheim. Auch sie werden die Idee des Hauses weitergeben – und die Erinnerung an Benedikt Schmittmann, dessen Werte ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsprojekt geschaffen haben.

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