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Wohnungsmarkt: Hoffnungsschimmer für Studenten

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Studentin Margerita wohnt in der höchsten Studentenbude Kölns, im Uni-Center. Foto: Christoph Hennes
Peter Schink, Geschäftsführer des Kölner Studentenwerks, äußert sich über die Wohnungsnot unter Studierenden. Das Studentenwerk ist auf günstige Wohnfläche angewiesen, aber die Grundstückspreise in Köln sind einfach zu teuer.  Von
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Der doppelte Abiturjahrgang kommt auf Hochschulen und Studentenwerke zu. Mit welchem Andrang auf Ihre Wohnheime rechnen Sie?

Peter Schink: Das ist schwierig einzuschätzen. Von 2011 auf 2012 hatten wir eine Steigerung von fünf Prozent. Im Jahr zuvor stieg die Bewerberquote um 23 Prozent, von 8000 auf 9800 Bewerber. Wir hoffen, dass es in diesem Jahr nicht allzu heftig wird. Ich vermute einen Zuwachs um 25 Prozent.

Bundesweit versorgen die Studentenwerke durchschnittlich zehn Prozent der Studenten mit Wohnraum, in Köln sind es nur sieben Prozent. Warum?

Schink: Die Studentenwerke sind auf preisgünstige Grundstücke angewiesen, die sie von den Hochschulen oder der Stadt bekommen. Die Grundstücke in Köln sind aber mittlerweile teuer. Außerdem kann die Stadt Boden nicht mehr einfach zuweisen, sondern muss europaweit ausschreiben. Ein weiteres Problem ist, dass die finanzielle Unterstützung aus den Bundesbauprogrammen seit Mitte der 80er Jahre ausgelaufen ist. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Das Land und die Studentenwerke sind in Gesprächen über ein Programm für den studentischen Wohnungsbau, das 50 Millionen Euro umfasst und aus Mitteln der Wohnungsbauförderung bezahlt wird. Das würde für uns preiswerte Kreditmöglichkeiten bedeuten.

Peter Schink ist Geschäftsführer des Kölner Studentenwerks.
Peter Schink ist Geschäftsführer des Kölner Studentenwerks.
Foto: Privat

Wie viele Wohnungen für Studenten könnten damit in Köln entstehen?

Schink: Ich rechne mit 200 bis 250 Plätzen.

Sie bezifferten den Bedarf kürzlich auf 1000 Wohnungen. Es fehlen also 750 Wohnungen.

Schink: Das Problem war zunächst nicht so leicht zu erkennen. Der doppelte Abiturjahrgang war zwar seit einiger Zeit im Gespräch. Lehre und Forschung in den Hochschulen mussten sich aber erst einmal darauf einstellen. Wie beim Bologna-Prozess hat die Politik die Infrastruktur nicht wirklich mitbedacht.

Die SPD-Landtagsfraktion fordert, leer stehende Polizeistationen zu Studentenwohnheimen umzubauen. Unterstützen Sie den Vorschlag?

Schink: In Köln käme nur eine leer stehende Polizeistation in Betracht, nämlich die in Kalk. Diese Station, die dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb, dem BLB, gehört, haben wir uns angeschaut. Beim Besichtigungstermin wurde uns aber gesagt, dass das Projekt ausgeschrieben werden muss, möglicherweise europaweit. Im Vergleich zu privaten Investoren haben wir da kaum eine Chance auf den Erwerb. Mit dem neuen Kreditprogramm im Rücken klappt es aber vielleicht doch noch.

Bundesbauminister Peter Ramsauer will Bundeswehrkasernen umnutzen lassen.

Schink: Wir waren mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im Gespräch. Dabei kam heraus, dass sich eigentlich keine Kaserne in der Umgebung für studentisches Wohnen anbieten würde. Allenfalls das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Brühler Straße, kurz vor dem Militärring. Das wird aber nicht vor 2018 frei.

Müssen Sie dann Notcontainer für Studenten aufstellen?

Schink: Container brauchen auch Grundstücke und sind teuer. Sie müssen gemietet oder gekauft werden und die Preise unterscheiden sich kaum von denen für reguläre Studentenwohnungen. Dazu kommen noch Erschließungskosten.

Welche Alternativen haben Sie?

Schink: An der Stolzestraße gibt es eine ehemalige Schule, die derzeit als Wohnhaus für obdachlose Männer genutzt wird. Wenn für die Menschen ein Ersatz gefunden wird, könnte es sein, dass die GAG als Investor das Grundstück erwirbt und mit uns gemeinsam ein Studentenhaus baut. Es könnten 60 bis 70 Plätze entstehen. Und am Uni-Center könnten wir mit Hilfe einer Investorengruppe auf einen Schlag 100, vielleicht sogar 150 Plätze schaffen.

Wie steht es um das Studentenwohnheim an der Deutz-Kalker Straße?

Schink: Das Hochhaus mit 165 Wohnplätzen ist viele Jahre alt. Es wird derzeit wegen des schlechten Brandschutzes saniert. Im Zuge der Arbeiten kam heraus, dass nicht das Studentenwerk, sondern der BLB der Eigentümer ist. Wir werden also das Haus für 200 000 Euro kaufen, haben aber Sanierungskosten von 6,4 Millionen Euro an den Hacken. Zum Beginn des Wintersemesters wollen wir mit dem Umbau fertig werden.

Welche Projekte sind noch geplant?

Schink: Wir bauen derzeit in Opladen ein Wohnhaus für Studierende für 4,5 Millionen Euro mit 60 Plätzen. In Gummersbach wird es bald direkt am Campus ein weiteres Wohnhaus mit 50 Plätzen geben – für drei Millionen Euro. Schließlich könnte im ehemaligen Billardcafé am Kölner Uni-Center ein Boarding-House mit 30 Plätzen entstehen. Das Boarding-House wäre für Kurzzeitmieter interessant, die sich für sechs Monate oder ein Jahr in der Stadt aufhalten. So etwas fehlt in Köln.

Sie planen außerdem eine Online-Aktion.

Schink: Gemeinsam mit der Stadt und den Hochschulen bereiten wir einen Bürgeraufruf sowie ein Online-Portal vor. Damit sollen Privatleute aufgefordert werden, Studierenden Zimmer zur Verfügung zu stellen. Diese Aktion wird direkt nach dem Karneval gestartet.

Das Gespräch führte Dirk Riße

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