26.07.2016
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Terrororganisation in Kalk?

BIld: Peter Rakoczy

Aus dem Mittagsgebet in den Polizeibully: Beamte führen ein Gemeindemitglied der „Al Tauhid Moschee” zur Feststellung der Personalien in den Polizeiwagen.

Die Verdächtigen sollen Anhänger einer rigorosen islamischen Strömung sein, die auch die Attentäter des 11. September faszinierte.

Die muslimischen Glaubensbrüder waren im Gebet, als Polizisten in Kampfuniformen gestern Mittag die „Al Tauhid Moschee“ in Kalk betraten, nur einen Steinwurf vom Polizeipräsidium entfernt. Der Verdacht: Die Gemeindemitglieder sollen „ein geheimes Netzwerk arabischer Mujaheddin“ aufgebaut haben. Die Durchsuchung der Moschee in der Breuerstraße und der Privatwohnung eines Gemeindemitglieds in der Nähe seien „Maßnahmen zur Gefahrenabwehr“, betonte Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge oder andere Straftaten lägen den Ermittlern nicht vor.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen zehn Männer und eine Frau im Alter zwischen 22 und 35 Jahren. Sie sollen in den vergangenen Monaten mehrfach ihren Wohnsitz in der Stadt gewechselt haben. Gleich mehrere hatten dem Ausländeramt zuletzt das kleine Appartement eines 28-jährigen Marokkaners als Wohnsitz gemeldet. Einige belegen zudem einen technischen Studiengang. Als weiteres Verdachtsmoment wertete das Ausländeramt ihre Nähe zum eingetragenen Verein „Islamische Kulturgemeinde Köln“, der in der Moschee in der Breuerstraße seinen Sitz hat. „Alles zusammen genommen hatten die Mitarbeiter des Ausländeramts die Indikatoren »11. September« im Hinterkopf“, sagte Polizeisprecher Baldes. Das Amt wandte sich an die Polizei, die einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss erwirkte. Ob sich der Verdacht gegen die elf Personen und den Kulturverein erhärtet, wird die Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen ergeben.

Nach Einschätzung der Polizei vertritt der Moscheeverein „einen streng sunnitischen Islam arabischer Prägung“. Es handele sich um eine „rigorose islamische Strömung des so genannten Salafismus“, einer Ideologie, die dem reinen, ursprünglichen Islam huldigt. Mohammed Atta, der Anführer der Flugzeugentführer vom 11. September, soll nach einem Bericht der britischen „Times“ salafitische Bücher gelesen haben.

Überrascht reagierten die Gemeindemitglieder gestern auf die Polizeirazzia. „Ich sehe ein, dass die Polizei das machen muss, die Lage ist nun mal im Moment sehr unsicher“, sagte Mohammed el Mogarbi, der den Beamten seine Personalien angeben musste. „Aber wir haben mit Terroristen absolut nichts zu tun. Wir bekämpfen diese Leute doch selbst.“ Wie el Mogarbi finden sich mehrmals täglich etwa 15 Glaubensbrüder in der „Al Tauhid Moschee“ zum Gebet ein. Der 33-Jährige fürchtet nun um das bislang gute Verhältnis zu den deutschen Nachbarn. „Die bekommen es doch jetzt mit der Angst zu tun, weil die Polizei bei uns war.“


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