26.09.2016
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Theater-Schliessung: 24-Stunden-Kulturkampf in Wuppertal

Theater Wuppertal

Theaterensembles aus ganz NRW protestieren in Wuppertal gegen die geplante Schauspielhaus-Schließung. (Bild: ddp)

WUPPERTAL/KÖLN - Mit einer zweitägigen Aktion und einem24-Stunden-Theatermarathon wollen am Freitag und Samstag Schauspielersowie Opern- und Theatermitarbeiter aus ganz NRW in Wuppertal gegen die geplanteSchließung des unter Denkmalschutz stehenden Schauspielhausesprotestieren. Auch das Aktionsbündnis "Wuppertal wehrt sich" nimmt anden Aktionen teil, die am Freitagvormittag mit dem Aufhängen des"Pleitegeier-Wanderpokals" am Rathaus der bergischen Metropolebeginnen.

An beiden Tagen soll über die Kürzungspläne der Stadt im Kultur- und Sozialressort informiert werden. Neben dem Theater werden auchweitere Vereine und Initiativen vorstellen, was die angekündigtenKürzungen in Wuppertal für sie bedeuten werden.

Bühnenverein: Schließung „nicht hinnehmbar“

Für den Deutsche Bühnenverein ist einemögliche Schließung des Schauspielhauses Wuppertal "nichthinnehmbar". Auch die dramatische finanzielle Situation der Städtedürfe nicht zur "Abwicklung" solch bedeutender und wichtigerKultureinrichtungen führen, erklärte der Theater-Dachverband amFreitag in Köln. Eine Theater-Schließung sei "nicht mehr rückgängigzu machen" und bedeute den Beginn des kulturellen Niedergangs einerStadt.

"Wir brauchen dringend ein finanzielles Hilfsprogramm für dieKommunen, wollen wir die finanzielle Auszehrung und einen solchenNiedergang einzelner Städte aufhalten", forderte der Direktor desBühnenvereins, Rolf Bolwin, in Köln. Der soeben veröffentlichte,durch die globale Wirtschaftskrise eingetretene Rückgang derSteuereinnahmen in Deutschland von insgesamt 5,9 Prozent führe zueiner besonderen Belastung der Kommunen.

Auch die Kosten für das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, die beiden Kommunen insgesamt bis zu 1,6 Milliarden Euro im Jahr ausmachen,tragen laut Bolwin erheblich zu den Problemen bei: "Es kann dochnicht sein, dass Wuppertal sein Schauspielhaus schließt, um dieKosten für das Wachstumsbeschleunigungsgesetz finanzieren zu können."

Haushaltssicherungskonzept

Hintergrund der Kürzungspläne ist die enorme Verschuldung der 353.000-Einwohner-Stadt, die nach Angaben von Stadtkämmerer Johannes Slawig bei derzeit1,8 Milliarden Euro liegt - Wuppertal hat damit eine mehr als doppelt so hohe Pro-Kopf-Verschuldung wie Köln (eine Million Einwohner, 2,5 Milliarden Euro Schulden). Zwar habe die Stadt Hilfe von Bund undLand angemahnt, müsse aber auch selbst ihren strikten Sparwillenbezeugen. Das dafür entwickelte Haushaltssicherungskonzept siehtEinsparungen von rund 80 Millionen Euro pro Jahr vor, so Slawig. Ernannte die Vorschläge "realistisch, notwendig und verantwortbar",räumte allerdings ein, dass sie "natürlich auch außerordentlichschmerzlich für das Leben in unserer Stadt" seien.

Zu den Kürzungsplänen gehört laut Kämmerer auch der Vorschlag, dasSchauspielhaus im Stadtteil Elberfeld als Spielstätte aufzugeben, um die Sanierungskostenvon sechs Millionen Euro einzusparen. In diesem Theater begann einst die Karriere der im letzten Jahr verstorbenen, zu Weltruhm gelangten Choreografin Pina Bausch. Zudem will die Stadt denZuschuss für die Bühnen um zwei Millionen Euro kürzen. Während beiKultur und Sport eine Kürzung der städtischen Zuschüsse um 30 Prozenterfolgen soll, werden Jugend- und Sozialarbeit Einbußen von zehnProzent hinzunehmen haben.

Am Samstag ist neben einer Kundgebung vor dem Schauspielhaus unteranderem auch eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Theater machtreich" geplant. Hier sollen Fragen zur aktuellen Situation und zumErhalt der städtisch geförderten Kultur diskutiert werden. (epd, ddp, dpa, ksta)


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