Tiernachrichten
Nachrichten, Berichte und Videos über Tiere auf der ganzen Welt

Vorlesen
0 Kommentare

Haustier-Geburtshilfe: Eine Hebamme für die Katz

Erstellt
Sandra Hofman-Schneider schallt eine Hündin. Foto: PP
Sandra Hofman-Schneider hat eine Marktlücke entdeckt: Sie ist Haustier-Hebamme. Bei der französischen Bulldogge Nelly stellt sie per Ultraschall fest, wieviel Welpen die Züchterin erwarten kann. Auch Schlangen sollen demnächst Hilfe bekommen.  Von
Drucken per Mail
Krefeld

Nelly atmet schnaufend durch die Nase. Ihr Bauch mit den feinen, hellbraunen Härchen ist gespannt, die rosa Zitzen treten deutlich hervor und sehen aus wie zwei Reihen kleiner Knöpfe. "Ganz ruhig, meine Süße", sagt Sandra Hofman-Schneider und streichelt Nellys Stirn. Krault ihr die Ohren, die zuckenden Vorderpfoten und den Hals mit den Speckröllchen.

"Alles wird gut", brummt Monika Feldbusch. Behutsam reibt sie den Bauch der trächtigen Hündin mit einem handwarmen Gel ein. Vor ihr, auf dem Wohnzimmertisch, steht mit flackerndem Bildschirm ein tragbares Ultraschallgerät. Unter dem Tisch nagt Kater Pancho an einem Kabel.

Es ist Feldbuschs zweiter Hausbesuch bei Sandra Hofman-Schneider, einer Hobbyzüchterin aus Duisburg. Seit zwei Monaten arbeitet die 48 Jahre alte Krefelderin als Deutschlands einzige freiberufliche Tierhebamme. "Mobil. Individuell. Kompetent" steht auf einem Schild mit aufgemaltem Klapperstorch im Heckfenster ihres Autos, mit dem sie bis zu sechs Tage in der Woche über Land fährt.

Mobiler Ultraschall

Die ehemalige Tierzüchterin betreut Hündinnen, Katzen und gelegentlich auch Stuten, die Nachwuchs erwarten oder Probleme haben, schwanger zu werden. Ihr Aktionsradius: rund 60 Kilometer rund um Krefeld. Ihre Ausstattung: ein mobiles Ultraschallgerät für mehrere 1000 Euro.

"Die wenigsten Tiere kommen gern in eine Tierarztpraxis", erläutert Feldbusch ihr Geschäftsmodell. "Wenn sie trächtig sind, beginnen sie, sich auch psychisch zu verändern, werden ängstlich und anhänglich. Je mehr Stress sie haben, desto größer ist die Gefahr für den Nachwuchs. Also gehe ich zu ihnen nach Hause. Da haben sie ihre Schlafdecke, ihr Knuddelsofa und fühlen sich wohl."

Den Tierarzt könne sie im Notfall nicht ersetzen. "Ich berate die Leute und stehe ihnen bei, wenn sie Hilfe brauchen", stellt sie klar. Für jede ihrer Patientinnen stellt Feldbusch einen Schwangerschaftspass aus, in dem die Zahl der Untersuchungen, Gewichtszunahme und Temperatur des Tieres verzeichnet wird. Und auf Wunsch erhalten die Besitzer eine Videoaufnahme der Ultraschalluntersuchung. 45 Euro kostet die Rundumversorgung pro Besuch.

Sechs Welpen für Nelly

Die dreijährige Nelly soll heute zum zweiten Mal "geschallt" werden, sprich: Ihre Gebärmutter wird per Ultraschall untersucht. Die französische Bulldogge ist seit 31 Tagen trächtig von Butch und soll in vier bis fünf Wochen Nachwuchs bekommen. Bei der ersten Ultraschalluntersuchung am 18. Tag der Schwangerschaft waren lediglich einige winzige Punkte auf dem Bildschirm des Gerätes zu sehen, für den Laien kaum erkennbar als Zeichen einer frühen Schwangerschaft.

Hebamme für Haustiere
Die Hebamme mit ihrem mobilen Ultraschall-Gerät
Foto: Imago

"Man muss schon ein sehr geübtes Auge haben, um zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas zu entdecken", sagt Feldbusch und lässt die Ultraschall-Sonde langsam über den Bauch der werdenden Mutter gleiten. Gespannt beugt sie sich vor und blickt konzentriert auf den Bildschirm. Heute sind auf Anhieb mehrere symmetrisch angeordnete dunkle Flecken zu erkennen; jeder von ihnen ist etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze. Die Tierhebamme nickt zufrieden. Sie hat es doch gewusst. "Sechs Welpen. Drei auf jeder Seite." Mindestens.

Rund 550 Hunde hat die ehemalige Züchterin von Briards - französischen Hütehunden - in ihrem Leben bereits geschallt. "Ich weiß genau, worauf ich achten muss und wühle so lange herum, bis ich etwas finde", sagt sie und macht sich auf die Suche nach möglichen weiteren Welpen. "Vielleicht hat sich noch einer hinter dem Rippenbogen versteckt." Die Sonde wandert noch einmal über den Hundebauch. Nelly schnauft. Die Pfoten zucken.

Für drei der ungeborenen Welpen haben sich bereits Interessenten gemeldet. "Man ist ja doch kribbelig und will wissen, wie viele es sind", sagt sie. Feldbusch zählt zum vierten Mal die schwarzen Flecken auf dem Bildschirm: "Eins, zwei drei . . . " Es bleibt dabei: Sechs Welpen wachsen heran im Bauch der französischen Bulldogge.

Auch Schlangen werden geschallt

Mehr als 15 Jahre hat Feldbusch Hunde gezüchtet; ist bei Wind und Wetter raus mit den Welpen, hat im Frühling das Grundstück im Oberbergischen fit gemacht für den Sommer. Dazu die viele Wäsche. "Irgendwann hatte ich genug davon und wollte mich nur noch mit den schönen Seiten des Züchtens beschäftigen", sagt sie.

Hinzu kam die Notwendigkeit, nach Aufgabe der Hundezucht einen neuen Job zu finden. "Ich war über 40. Ich bin flexibel, ich bin nicht dumm und ich habe einen Handelsschulabschluss." Ein akzeptabler Job fand sich dennoch nicht nach dem Umzug nach Krefeld vor drei Jahren. "Ich bin nur an Zeitarbeitsfirmen geraten und habe gemerkt, das ist nicht mein Ding."

Energisch wischt Monika Feldbusch das Gel von Nellys Bauch. Alles in Ordnung. "Demnächst will ich auf Reptilien erweitern", sagt sie. Bequemer als der Gang zum Tierarzt ist ein Anruf bei der Hebamme allemal. "Schleppen Sie mal eine drei Meter lange, 25 Kilo schwere Boa Constrictor in einem Käfig durch die Gegend."

Auch interessant
Videos
FACEBOOK
Service

Was bringt Ihnen der der heutige Tag? Was kommt in dieser Woche auf Sie zu? Lesen Sie Ihr aktuelles Horoskop.

Kleinanzeigen