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Renaturierung in Troisdorf: Interessen kollidieren in der Siegaue

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Die Sieg sucht sich bald ein neues Bett. In welchen Grenzen dies geschieht, will die Bezirksregierung gemeinsam mit den Bürgern entscheiden.  Foto: Andreas Helfer
In der Siegaue soll der Fluss mehr Raum bekommen. Dadurch gehen Nutzflächen verloren, die Landwirte und Freizeitreiter beanspruchen. Die Bezirksregierung setzt auf Konsens, beantwortet aber nicht alle Fragen der Kommunalpolitiker.  Von
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Die Sieg verliert ihre Fesseln. Dort, wo der Fluss heute in ein enges Bett gezwängt ist, werden schwere Steine ausgebaggert, so dass sich das Wasser neue Wege suchen kann – allerdings in einen festgelegten Korridor. Doch wie der Flusslauf mit neuen Mäandern und kleine Inseln eines Tages genau aussehen wird, lässt sich nicht exakt vorhersagen.

Da die Pläne nicht wenige Bürger beunruhigen, spricht die Regierungspräsidentin Gisela Walsken in einer Informationsbroschüre davon, „eine möglichst breite Akzeptanz in der Region“ erzielen. „Machen wir gemeinsame Sache in bestem Sinne und helfen Sie mit, zum Gelingen des Projekt beizutragen.“ Bei der Kompromissvariante, die jetzt in das Planfeststellungsverfahren eingebracht werde, sollten alle Anwohner Gelegenheit haben, „ihre Anregungen und Bedenken in den Prozess einzubringen“.

Der Troisdorfer Ratsherr und Fraktionsgeschäftsführer Christian Siegberg (CDU) nahm die Bezirksregierung beim Wort und schickte einen Katalog mit 25 detaillierten Fragen nach Düsseldorf. Unter anderem wollte er wissen, wie sich die Renaturierung auf das Hochwasser auswirkt, ob durch neu entstehende Mulden eine Zunahme von Bakterien, Ungeziefer und Mücken zu befürchten sei, wer für die Entfernung von Neophyten wie des Drüsigen Springkrauts zuständig ist, ob Badestellen für Jugendliche und Kinder wegfallen und vieles mehr.

Einige Wege entlang der Sieg müssen verlegt werden, wenn der Fluss durch die Renaturierung seine Fesseln verliert.  Foto: Andreas Helfer

Als Antwort ging ein Schreiben mit zehn eher allgemein gehaltenen Punkten ein. So wird hervorgehoben, dass die Zugeständnisse, die man nach Protesten den Meindorfern bei er Breite des Korridors gemacht habe, nicht zulasten der Troisdorfer gehen sollen.

Zudem nahm jetzt Martin Nußbaum, Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung, im Stadtentwicklungsausschuss Stellung zu dem Vorhaben. Die Renaturierung werde keine Auswirkungen auf Hochwasserstände haben, mit den Jahren könne sich bestenfalls ein Absinken der Pegel um zwei bis drei Zentimeter einstellen. In der Broschüre weist die Bezirksregierung ausdrücklich daraufhin, dass Deiche und andere Schutzeinrichtungen nicht angetastet werden. Befestigte und auch unbefestigte Wirtschaftswege sollen ersetzt werden, nicht aber Trampelpfade. Nussbaum ging auch auf Eigentumsverhältnisse im Korridor ein. Wo Flächen gekauft werden müssten, werde es keine „schleichende Enteignung“ geben, sondern „faire Marktpreise“. Denkbar seien auch spätere Rückverpachtungen.

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Freizeit-Reiter in Troisdorf und Sankt Augustin sorgen sich unterdessen um die Zukunft von Weiden und Trampelpfaden. Dem Troisdorfer Thomas Sebesta zufolge hätten sich einzelne Bürger nicht mit Fragen an die Behörde wenden können, weshalb die Betroffenen, zu denen auch Landwirte zählen, den Verein „Pferdefreunde Siegauen“ mit bislang 46 Mitgliedern gründeten. „Wir wollen unsere Nutzungsrechte behalten“, so der Vorsitzende Sebesta. Das Schreiben ist allerdings eindeutig: Die Sieg solle sich künftig in einem zwischen 400 und 600 Meter breiten Korridor entfalten und ihr Bett suchen können. Und dieser Korridor könne nur reduziert werden, „wo eine existenzielle Bedrohung landwirtschaftlicher Nutzer, naturräumliche Zwangspunkte oder städtebauliche Restriktionen anzutreffen sind“. Die Belange der Pferdefreunde und anderer „Freizeitnutzungsgruppen“ sollen aber „im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gehört“ werden. Das Flächenangebot werde später neu geregelt.

Christian Siegberg zeigte sich nach der Sitzung zufrieden, vor allem nach dem nichtöffentlichen Teil, in dem es auch um Besitzverhältnisse ging. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er, auch wenn einige seiner Fragen offen geblieben seien. „Mit dem, was gesagt wurde, kann ich gut leben.“

Eine Bürgerversammlung zum Thema gibt es am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr im Sportheim Zur Siegaue in Müllekoven.

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