Troisdorf
Nachrichten und Bilder aus Troisdorf

Vorlesen
0 Kommentare

Slotcars: Carrera-Rennen auf der „Dicken Berta“

Erstellt
Weil die Autos von einer Schiene geführt werden, heißen sie „Slotcars“ (etwa „Schlitz-Autos“). Die Nebenstrecke in Troisdorf ist aus Plastik. Foto: Jens Höhner
In Troisdorf sausen elektrische Rennwagen über die zweitlängste Piste Deutschlands, doch abseits der „Dicken Berta“ basteln Enthusiasten an einem zweiten Suzuka, der größten deutschen Rennstrecke nach japanischem Vorbild.  Von
Drucken per Mail
Troisdorf

Auf der „Dicken Berta“ herrscht Hochbetrieb, denn gleich wird es ernst. Mit sonorem Summen sausen kleine Rennwagen über die Piste, drehen letzte Runden vor dem Start des ersten Rennlaufs. Vor genau einem Jahr hat der „Raceway Park“ in Troisdorf eröffnet, eingezogen ist der Verein in die frühere Badmintonhalle und hat dort zwei Strecken für elektrische Rennwagen aufgebaut. „Slotcars“ heißen die – „Schlitz-Autos“, weil sie an einer Schiene fahren. Und die „Dicke Berta“ ist die längere Piste – 52 Schienen-Meter und sechs Spuren für den Rennsport. „Die zweitgrößte Strecke in Deutschland“, frohlockt Vereinschef Gerd Westerhausen (50). Nur die Bahn in Hamburg sei länger. Der Strom fließt übrigens durch 600 Meter handverlegter Litze.

Raue Reifen

An Renntagen liegt nicht nur Spannung in der Luft, sondern auch der Geruch heißen Gummis. Ringsherum haben die großen Piloten kleine Werkstätten eingerichtet, jeder schraubt an seinem Fahrzeug, das mit handelsüblicher Ware nichts mehr zu tun hat: Die Karosserien stammen aus Bausätzen, die Chassis und Fahrwerke sind Marke Eigenbau, meist aus Messing, manchmal aus Carbon. Die Reifen sind aus Moosgummi, mit Klebeband werden sie aufgeraut. So sorgen die Experten für den richtigen „Grip“, die Haftung auf der Rennstrecke, das ist genauso wie im wirklichen Rennsport.

Christine Schmitz, eine 32 Jahre alte Angestellte aus Bonn, ist die einzige Frau im Pilotenpool. Vater Toni (53) hat die Tochter mit dem Slotcar-Virus infiziert: „Die Geschwindigkeit und die Hochleistungstechnik dahinter, die machen den Reiz aus“, erklärt Christine Schmitz, die den männlichen Vereinskollegen oft genug den Heckspoiler zeigt.

Vor dem Start des Rennens muss auch sie ihren Wagen bei der Rennleitung abliefern: Dort kommt jedes Detail auf den Prüfstand, jeder Millimeter wird nachgemessen. Und wer frisiert, der darf nicht starten. „Heute fahren wir NSR GT3“, kündigt Gerd Westerhausen an. Auf die Strecke kommen diesmal nur Porsche-Modelle, die allesamt mit demselben Motortyp ausgerüstet sein müssen. Zudem ziehen die Fahrer die gleichen Reifen auf – so fährt man Rennserien, so messen sich eben die Vereine bundesweit.

Abseits der „Dicken Berta“ tut sich derweil Großes: Dort bauen die Enthusiasten ein zweites Suzuka: Die neue Rennstrecke nach japanischem Vorbild und einer Länge von 57 Metern wird dann die längste der ganzen Republik sein. Bis dahin dient allein die „Dicke Berta“ für Europameisterschaften, die bis Ende diesen Jahres im „Raceway Park“ ausgetragen werden. Und nicht nur das: Zwischen dem 22. und 24. November ist die Anlage Schauplatz der Slotcar-Weltmeisterschaft. 100 Rennfahrer aus aller Herren Länder wollen dann in Troisdorf die Regler in die Hand nehmen und um Trophäen fahren.

„Alle Rennen übertragen wir live im Internet“, verspricht Westerhausen, im Alltag ist er Logistiker von Beruf. „Ich habe lange in den USA gearbeitet und bin dort auf diesen Sport gestoßen“, erinnert sich der Vorsitzende. Nach seiner Rückkehr suchte Westerhausen einen Verein und Gleichgesinnte, die er beim Slot-Racing Club in Köln-Weidenpesch fand.

Eigener Parcours

Mit Kameraden aus dem Rhein-Sieg-Kreis gründete er 2008 in einer Lagerhalle bei Sankt Augustin einen eigenen Parcours. „Wer einmal den Drücker in der Hand gehalten hat, den lässt das Rennfieber nie mehr los“, betont Westerhausen. Ziel sei es, irgendwann Teil einer europaweiten Rennserie zu sein. Die Kombination aus Geschick und technischem Verständnis mache den Kick aus, philosophiert auch Christof Wulfken (45), Einzelhandelskaufmann aus Köln. Zehn Auto hat er im Fuhrpark. „Sie für ein Rennen fertig zu machen, das macht riesigen Spaß.“

Nächstes Großereignis ist indes am Samstag, 11. Mai, die „Hölle von Kölle“: Der tourende Rennzirkus kommt in die Aggerstadt, von 9 bis 19 Uhr schnurren dann die Motoren der Miniboliden im Maßstab 1:32.

Auch interessant
Veranstaltungskalender Troisdorf
Obacht, Autofahrer:
Verkehrsbehinderungen

An dieser Stelle informiert der "Rhein-Sieg-Anzeiger" über Baustellen auf den Autobahnen im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn.

Schulen im Rhein-Sieg-Kreis
Wegweiser

Hier finden Sie alle weiterführenden Schulen im Rhein-Sieg-Kreis mit vielen Extra-Informationen.

Tierheim Troisdorf
Tierheim
Tierheim Troisdorf

In loser Folge stellen wir in unserer Serie die Bewohner des Tierheims in Troisdorf vor, die ein neues Zuhause suchen.

Serie
Die Waldohreule (Asio otus)

Der „Rhein-Sieg-Anzeiger“ stellt in der Serie „Was zwitschert denn da?“ die im Kreisgebiet lebenden Vögel und deren Rufe vor.

Redaktionsteam
Glosse

Mit spitzer Feder und Zunge kommentieren die Mitarbeiter des "Rhein-Sieg-Anzeiger" Situationen und Begebenheiten.

FACEBOOK
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Troisdorf Links
Kleinanzeigen
Toplinks