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Wahner Heide: Hinweise auf Atomwaffen in den 60ern

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Das stillgelegte Sondermunitionslager der belgischen Armee in der Wahner Heide: Lagerten dort auch Atomwaffen?  Foto: Jens Höhner
Neuen Recherchen zufolge sollen in den belgischen Depots in der Wahner Heide auch nukleare Sprengköpfe gelagert worden sein. Die Stadt Troisdorf stellt nun eine Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium.  Von
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Troisdorf/Porz

Es ist die Zeit des Kalten Kriegs, des Eisernen Vorhangs und des atomaren Wettrüstens. Und es ist die Zeit, als ein Trupp amerikanischer Soldaten in Porz-Wahn stationiert ist. „Diese Soldaten fielen damals auf wie die bunten Hunde, denn Amerikaner waren weit und breit nicht stationiert“, schildert Wolfgang Hartung (78), einst Oberstleutnant der Bundeswehr und heute verantwortlicher Mitarbeiter der Militärgeschichtlichen Sammlung in der Kaserne von Porz-Wahn. „Jene Soldaten hatten eine Aufgabe, die strengster Geheimhaltung unterlag, das ist sicher“, sagt Hartung.

Neue Einträge in verschiedenen Internetnachschlagewerken könnten indes Hinweise darauf geben, warum die amerikanischen Soldaten ausgerechnet dort stationiert waren: So sollen in den Sondermunitionslagern der in Wahn ansässigen belgischen Streitkräfte auch Atomwaffen gelagert worden sein. Und jene Depots befinden sich in der Wahner Heide, in den Camps Spich und Altenrath.

Lothar Liebsch (68) aus Gießen ist einer der Historiker, die Unterlagen der belgischen Armee ausgewertet haben und für die sicher ist, dass in der Wahner Heide tatsächlich Sprengköpfe mit atomarer Ladung verwahrt wurden.

Unter amerikanischer Bewachung

„Diese Waffen waren im Besitz der USA und wurden von amerikanischen Soldaten bewacht“, berichtet Liebsch, der selbst als Kommandant des Atomwaffenlagers in Wesel am Niederrhein gearbeitet hat, auch in Köln war der frühere Berufsoffizier einige Jahre stationiert. „Bereitgestellt wurden diese Waffen durch die Verbündeten in der Nato, sie besaßen die Trägersysteme dafür“, erklärt Liebsch, der als Autor beim Internetportal „Atomwaffen A-Z“ tätig ist und sich seit vielen Jahren mit Atomwaffen in Deutschland beschäftigt. „Die Amerikaner aber hatten die Zünder und konnten die Waffen scharf machen.“

Jene Einheit soll das vierte US Army Missile Detachment gewesen sein, zu dem 30 bis 40 Soldaten gehörten.
Den Recherchen von Liebsch zufolge waren nukleare Gefechtsköpfe für Panzerhaubitzen und für die Kurzstreckenrakete „Lance“ auf dem heutigen Gebiet der Stadt Troisdorf stationiert. Jüngst aktualisierte Online-Quellen (darunter „Wikipedia“) nennen zudem die Feldrakete „Honest John“, deren Sprengkopf ebenfalls im Camp Spich gelagert worden sein soll, bevor er nach Köln-Dellbrück gebracht wurde. Aufgezählt werden überdies Artilleriesprengköpfe sowie Atomminen. Das Oberkommando soll der „Northern Army Group“, einem Zusammenschluss mehrerer westeuropäischer Heereskorps in der Zeit des Kalten Krieges, übertragen worden sein. Dieser Zusammenschluss hätte im Verteidigungsfall der Nato unterstanden. Stückzahlen zu den Atomwaffen fehlen indes, ebenso zeitliche Angaben. Es heißt, dass jene Waffen mit der ersten Verlegung belgischer Streitkräfte im Jahr 1962 abgezogen wurden.

Der frühere Oberstleutnant Hartung, selbst viele Jahre in Wahn stationiert, hält dies alles für sehr wahrscheinlich: „Damals war die Wahner Heide militärisches Sperrgebiet – niemand wusste, was dort wirklich geschah.“ Erst seit den 70er Jahren dürfen Wanderer und Spaziergänger in das heutige Naturschutzgebiet, damals allerdings nur an Sonn- und Feiertagen. Als Mitglied des Troisdorfer Heimat- und Geschichtsvereins erinnert sich der frühere Soldat etwa an eine Luftaufnahme von 1977: „Auf diesem Foto war das belgische Sondermunitionslager unkenntlich gemacht, weil es da noch der Geheimhaltung unterlag.“

Der Troisdorfer Stadtverwaltung ist die mögliche Lagerung atomarer Waffen in Spich und Altenrath nach Auskunft von Sprecherin Bettina Plugge bisher nicht bekannt. Messungen auf Radioaktivität oder Untersuchungen des Erdreichs auf eine mögliche Kontaminierung habe es daher nie gegeben. „Wir werden aber nun eine Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium richten“, kündigt Plugge an. Was mit den leerstehenden Munitionslagern im Grünen geschehen soll, sei übrigens ungewiss. Bettina Plugge: „Meines Wissens sollen alle baulichen Anlagen im Zuge von Ersatz- und Ausgleichsverpflichtungen des Bundes beseitigt werden.“

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