28.07.2016
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Urteil: Freispruch für den „Ausbrecherkönig“

Gerichtshammer

(Symbolbild: dpa)

Köln -

Der Haftbefehl war schon am Freitag aufgehoben worden. Jetzt folgte der Freispruch für Helmut Pflüger (61), gegen den die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses sogar Sicherungsverwahrung beantragt hatte. Am Ende war selbst der Ankläger der Auffassung, dass „sich die Vorwürfe nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachweisen lassen“.

Zuvor waren zwei von drei Verfahren abgetrennt worden, so dass es nur noch um den mutmaßlichen Betrug an einem 81-jährigen Rentner ging. Am Aschermittwoch hatte sich Pflüger, der als Privatdetektiv arbeitet und häufig „Ausbrecherkönig“ genannt wird, der Justiz gestellt. Er hat bereits mehrere Haftstrafen verbüßt. Sein Beiname rührt von spektakulären Fluchten her. So schlug er 1974 im Gerichtsgebäude am Reichenspergerplatz mit einem Komplizen zwei Wachmänner nieder und entkam, und bei einer Urteilsverkündung im Jahr 1993 sprang er durch eine Fensterscheibe des Landgerichts.

In der neuen Anklageschrift heißt es, Pflüger habe sich das Vertrauen des alten Mannes erschlichen, ihn um insgesamt 21 000 Euro gebracht und diese „Darlehen“ nie zurückgezahlt. Außerdem habe er den Mann beim Verkauf eines Elektrorollstuhls hintergangen und eine gezahlte Summe noch einmal gefordert. Mit Unterstützung durch seine Verteidiger Bernd Neunzig und Reinhard Birkenstock wies Pflüger die Anschuldigungen zurück. In seinem Plädoyer kritisierte Neunzig, die Ermittlungsbehörden seien voreingenommen gegen seinen justizbekannten Mandanten vorgegangen. Birkenstock sprach von einer „Lex Pflüger“ und bemängelte, lange Zeit sei versäumt worden, das vermeintliche Opfer auf seine Aussagetüchtigkeit zu untersuchen.

Der 81-Jährige leidet nämlich an Demenz, er konnte in der Verhandlung nicht vernommen werden. Auch seine Aussagen bei der Polizei und beim Ermittlungsrichter seien „aus psychiatrischer Sicht“ nicht verwertbar, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zudem hätten Zeugen, darunter der Sohn des alten Mannes, nachweislich gelogen. Die hohen Beträge, die der Rentner tatsächlich abgehoben hat, könnten auch an eine seiner Pflegekräfte gegangen sein. Und im Fall des Rollstuhls sei nicht nachgewiesen, dass Pflüger jemals Geld erhalten habe.

Geld bekommt er nun vom Staat: eine Entschädigung für zweimalige Untersuchungshaft.


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