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Woher kommt die Milch?: Vom Euter in die Flasche

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Ist die Kuh zufrieden - und bekommt sie viel Saftfutter (Gras) - gibt sie auch mehr und qualitativ bessere Milch. Das ist ein Fakt, der feststeht.  Foto: Christopher Arlinghaus Christoph
Ist Milch vom Biohof besser oder gesünder als die vom Discounter? Wo liegen die Unterschiede? Woher kommt unsere Milch? Im zweiten Teil unserer Serie „Das Leben der Tiere“ haben wir uns auf Spurensuche rund um die Milch begeben.  Von
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Köln/Region

Kuh melken, Milch trinken – so sieht die ursprünglichste Form des Kuhmilch-Trinkens aus. Die moderne Form ist um einiges komplizierter: Rund 4,2 Millionen Milchkühe in etwa 9600 Betrieben deutschlandweit werden von Maschinen gemolken. Ihre Milch wird zu einer Molkerei transportiert, die wiederum viele verschiedene Firmen damit beliefert. Jedes Unternehmen druckt anschließend sein eigenes Etikett auf die Packung. Welche Milch woher kommt und unter welchen Umständen produziert wurde, ist für den Verbraucher am Ende kaum nachvollziehbar.

Unterschiede bei der Bio-Milch

Obwohl 29 Milliarden Liter Milch jährlich in Deutschland produziert werden, gibt es nur noch wenige Molkereien, kleine Betriebe haben es in diesem System der Superlative schwer. Von 2000 bis 2012 ist die Zahl der Molkereien in Deutschland von 336 auf 163 zurückgegangen. Wer Bio-Milch kauft, hofft zwar, dass die Kühe artgerecht gehalten werden – wissen tut er es aber nicht. Und auch im Bio-Sektor gibt es Unterschiede, angefangen beim Preis: Der Verbraucher hat die Wahl zwischen der Bio-Milch vom Discounter für 95 Cent und der aus dem Bioladen für rund 50 Cent mehr.

Fakten zur Milch
Die Milch

In Deutschland werden 4,2 Millionen Milchkühe in rund 9600 Betrieben gehalten.

7200 Liter Milch produziert eine Kuh pro Jahr.

29 Milliarden Liter Milch werden in Deutschland jährlich produziert.

Von 2000 bis 2012 ist die Zahl der Molkereien in Deutschland von 336 aus 163 zurückgegangen.

Woher kommt die Milch?

Wir haben uns auf Spurensuche begeben und versucht nachzuvollziehen, wo die Unterschiede zwischen herkömmlicher Milch und Milch aus dem Bioladen beziehungsweise vom Discounter sind und woher die Milch tatsächlich kommt. Dafür ist in manchen Fällen tatsächlich eine Spurensuche nötig, denn auf der Packung steht nicht unbedingt, woher die Milch stammt. Beginnen wir mit der Söbekke-Milch in der Mehrweg-Flasche für 1,39 Euro aus dem Bioladen mit dem Siegel des Öko-Anbauverbandes Demeter, das nicht an Supermarktprodukte vergeben wird. Auf der Milchflasche ist die Söbbeke-Molkerei selbst als Hersteller angegeben. Auf deren Homepage werden die Milchhöfe aufgelistet, die Söbbeke beliefern. Von welchem Hof genau die Milch stammt, lässt sich zwar nicht nachvollziehen. Aber anhand des jeweiligen Siegels, das die Milchflasche trägt (Demeter, Bioland oder Naturland, siehe Kasten), lässt sich die Auswahl zumindest einschränken.

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Rewe-Bio-Milch

Die Packung Rewe-Bio-Milch für 1,09 Euro trägt zusätzlich zum EG-Biosiegel auch das Naturland-Siegel. Rewe ist als Hersteller angegeben, die Molkerei fehlt. Was in diesem Fall weiterhilft, ist die Zulassungsnummer auf der Packung, in diesem Fall ist es die DE-BY-117 EG. DE bedeutet, dass die Milch aus Deutschland stammt, BY steht für das Bundesland Bayern, EG heißt, dass es sich um einen Betrieb der Europäischen Gemeinschaft handelt. Gibt man die Nummer auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz oder in der App „Foodtracker“ fürs Smartphone ein, erfährt man, dass die Milch von der Andechser Molkerei stammt – Rewe bestätigt dies. Auf der Andechser-Homepage steht nicht, dass das Unternehmen auch Rewe beliefert. Der Verbraucher hat jedoch die Möglichkeit zu ermitteln, woher seine Milch stammt. Wir wählen unser Produkt, „fettarme Bio-Milch“, geben das Mindesthaltbarkeitsdatum an – und erhalten folgende Antwort: „Für das von Ihnen ausgewählte Andechser Natur Produkt wurde auch die wertvolle Bio-Milch vom Hof der Familie Maul verwendet“ – ein Hof mit 55 Kühen im Allgäu. Woher der Rest der in der Packung erhaltenen Milch stammt, erfahren wir nicht.

Die Zulassungsnummer steht auf jeder Milchflasche oder Tüte und verrät wo die Milch herkommt.
Die Zulassungsnummer steht auf jeder Milchflasche oder Tüte und verrät wo die Milch herkommt.

Aldi-Bio-Milch mit EG-Siegel

Das nächste Produkt: Eine Packung Aldi-Biomilch für 95 Cent, sie trägt nur das EG-Bio-Siegel. Die Hansa-Milch AG/Arla steht als Milchlieferant auf der Packung. Sie hat mehrere Abfüllorte, etwa in Mecklenburg-Vorpommern und in der Eifel. Unsere Milch wurde zwar in Köln gekauft, stammt aber aus Mecklenburg-Vorpommern, wie wir mit der Zulassungsnummer herausfinden. Im Gegensatz zur Andechser Molkerei ist die Hansa AG kein reiner Biobetrieb, sondern produziert vor allem konventionelle Milchprodukte. Die Bio-Milch für Aldi stamme von Bio-Höfen aus der Gegend um den Standort Upahl in Mecklenburg-Vorpommern, bestätigt man bei Arla. Welche Firmen außer Aldi er noch mit der Milch beliefert, will der Konzern nicht offenlegen.

Aldi-Milch "Milfina"

Als Hersteller der herkömmlichen Aldi-Milch mit dem Namen „Milfina“ ist auf der Packung die MBP GmbH in Heilbronn angegeben. Überprüft man die Zulassungsnummer, erfährt man, dass die Milch aus der Molkerei Campina in Köln stammt, die etwa auch Landliebe und Tuffi produziert.

Wie leben die Kühe?

Bis zum Hof zurückverfolgen lässt sich außer der Andechser- beziehungsweise Rewe-Milch – und auch hier nur mit Einschränkungen – also keine wirklich. Aber wie unterscheiden sich Milch aus konventioneller Landwirtschaft, Bio-Milch vom Discounter und Milch aus dem Bioladen in puncto Tierhaltung?

"Kuhkomfort" meistens gut

„Es gibt Unterschiede zwischen Biomilch und herkömmlicher Milch, allerdings weniger in der Haltung als in der Fütterung“, sagt Thomas Richter von der staatlichen Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, Experte für Tierhaltung und Tierschutz. „Wenn ich Biomilch nehme, geht es dem Durchschnitt der Kühe nicht besser als dem Durchschnitt der Kühe aus konventioneller Haltung.“ Das liege auch daran, dass man mittlerweile erkannt habe, dass die Qualität und Quantität der Milch auch vom „Kuhkomfort“ abhängt. Das sei im Falle der Milch so, sehe allerdings in der Fleischproduktion schon wieder anders aus. Das moderne Milchviehhaus sei ein halboffener Laufstall, in dem sich die Tiere frei bewegen dürfen. Weidehaltung sei auch bei der Biomilch nicht bindend, habe aber ohnehin nicht nur Vorteile. „Kühe haben ein Problem mit hohen Temperaturen, und das geht schon bei plus 20 Grad los“, erklärt Richter. „Die Kuh braucht Schatten auf der Weide, sonst hat sie ein Problem.“ Ob es Kühen gut geht, habe nichts mit Bio oder nicht zu tun, sondern vor allem mit der Qualität des Landwirtes, ist Richter überzeugt.

Demeter erlaubt Anbindehaltung

Der eigentlich strenge Demeter-Anbauverband erlaubt sogar die Anbindehaltung von Kühen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Verband kleine Betriebe mit Anbindeställen schützen will. „Für das Sozialverhalten und die Bewegungsfreiheit ist diese Art der Haltung nicht gut“, sagt Richter. Sie verringert allerdings die Gefahr, dass die Tiere sich gegenseitig verletzen, da Demeter das Enthornen der Kälber verbietet. „Ein regelmäßiger Auslauf der Kühe ist aber auch bei Anbindehaltung gewährleistet“, versichert Marion Rhein von Demeter.

Wie gesund ist die Milch?

Aber was ist mit der Frage, ob Biomilch gesünder ist als herkömmliche Milch? Fakt ist, dass konventionelle Bauern neben Gras und Mais auch gentechnisch verändertes Soja und Silage, also durch Milchsäure haltbar gemachtes Grünfutter, verfüttern dürfen – und das oft auch tun, denn Kraftfutter fördert die Milchleistung. Gesünder ist die Milch jedoch, wenn die Kühe viel frisches Grünfutter bekommen. Das sagt jedenfalls Gerhard Jahreis, Ernährungsphysiologe der Uni Jena: „Solche Produkte sind immer besser, da die wertvollen Fettsäuren besonders in Gräsern und Kräutern vorkommen. Durch die Zubereitung von Silage wird viel davon zerstört.“ Omega-3-Fettsäuren beispielsweise sollen das Risiko von Herzinfarkten senken. Die Zeitschrift Öko-Test testete Milchprodukte auf ihren Gehalt an Fettsäuren und schloss daraus auf das Futter, das die Kühe erhielten. Mit dem Ergebnis, dass Bio-Kühe im Schnitt mehr Grünfutter bekamen als herkömmlich gehaltene Kühe, ihre Milch war reicher an Fettsäuren. Das Produkt mit dem höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren stammt jedoch aus konventioneller Produktion.

Auf das Futter kommt es an

Bei Bio-Milch mit dem EG-Bio-Siegel dürfen jedoch immer noch 40 Prozent im Futtermix Kraftfutter sein – bei Demeter sind es nur zehn Prozent, in der Schweiz gilt diese Richtlinie für Milch generell. „Einen Kraftfutteranteil von 40 Prozent bei Wiederkäuern finde ich nicht akzeptabel – auch wegen der Nahrungskonkurrenz mit dem Menschen“, sagt Ton Baars, Experte für Milchqualität am Forschungsinstitut für biologischen Landbau im schweizerischen Frick. „Im Durchschnitt ist Biomilch gesünder“, ist er sicher, sagt aber auch: „Es gibt extensiv bewirtschaftete konventionelle und intensiv bewirtschaftete Bio-Höfe, bei denen die Unterschiede in der Fettqualität gering sind.“ Baars glaubt an ein „Revival des Milchfettes“. Im Handel erhältlich ist Milch mit bis zu 0,1 Prozent reduziertem Fettgehalt. „Dabei ist es nicht das Milchfett, das uns dick macht, sondern der Zucker in anderen Produkten.“ Das Milchfett fördere im Gegenteil die Gesundheit und könne helfen, vor Allergien und Asthma zu schützen.

Ob Biomilch nun besser und gesünder ist oder nicht – für Ton Baars ist eine Frage der Ehre, seine Milch im Bioladen zu kaufen. „Wer nur auf billig schaut, steigert den Preisdruck in der Milchwirtschaft“, sagt er. Und der gehe am Ende immer auf Kosten der Qualität.

www.bvl.bund.de/bltu

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