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Zweck-WG mit Oma: Günstige Zimmer für Studenten

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Gemeinsam den WG-Alltag bestreiten. Foto: dpa

Wohngemeinschaften gibt es heute in jeder Altersgruppe - und in vielen Hochschulstädten inzwischen auch mit mehreren Generationen. Ein Zimmer gegen Unterstützung im Haushalt: So funktioniert das Projekt Wohnen für Hilfe.

Eine Wohnung in einer Uni-Stadt zu finden, ist für viele Studenten ein echtes Problem

Die üppigen Preise auf dem freien Markt sind mit schmalem Budget kaum zu bezahlen, Wohnheimplätze sind rar - und ein günstiges WG-Zimmer oft Glückssache. Daher haben sich in rund 20 deutschen Städten Zweck-Wohngemeinschaften etabliert: Studenten leben bei Senioren und helfen im Gegenzug im Haushalt.

Einkaufen, Hol- und Bringdienste, wischen oder staubsaugen

Das sind die gängigsten Wünsche von Senioren, die Wohnraum zur Verfügung stellen, sagt Henning Knapheide. Er arbeitet beim Bürgerinstitut in Frankfurt und betreut das Projekt. Die Studenten bewerben sich bei ihm zunächst mit einem Formular, das sie im Netz oder vor Ort bekommen. Neben den persönlichen Daten geben sie darin beispielsweise an, zu welchen Hilfeleistungen sie bereit sind und ob sie schon Erfahrungen im Zusammenleben mit alten Menschen haben.

Anschließend führt er mit geeigneten Kandidaten ein Gespräch und versucht, den passenden Senior für sie zu finden. Mit ihnen hat er bereits zuvor über ihre Wünsche gesprochen und sich die Wohnungen angeschaut. Viele Ältere seien alleinstehend und suchten Kontakt, sagt er über die Teilnehmer.

Bei der Vermietung gilt die Faustformel

Pro Quadratmeter eine Stunde Hilfe pro Monat. Dazu müssen sich die Studenten an den Nebenkosten wie Heizung, Strom und Wasser beteiligen. Doch manche Zweck-WG weicht von diesen Grundsätzen ab. Für viele Senioren sei vor allem entscheidend, dass sie nicht allein in einer Wohnung sind. „Das kann man schwer mit Zeit aufwiegen“, erklärt Knapheide.

Auch in der Studentenstadt Marburg gibt es Wohnen für Hilfe. Vor zwei Jahren belebte das Studentenwerk das Projekt wieder. Einige Jahre gab es seitens der Studenten kaum Nachfrage. Nun läuft es nicht schlecht. „Auch bei uns wird der Wohnraum knapp, wir haben so viele Studenten wie nie“, sagt Franziska Busch vom Marburger Studentenwerk. Doch die Vermittlung der Mehrgenerationen-WGs sei nicht leicht: „Es ist nicht so einfach, die Senioren davon zu überzeugen“, sagt Busch. Viele hätten Bedenken, sich fremde junge Leute in ihre Häuser zu holen. Wer sich dafür entscheidet, hätte oft genaue Vorstellungen davon, wie die Studenten sich verhalten und ihnen zur Hand gehen sollen.

„Die jungen Leute hingegen ziehen zu Hause aus und wollen erstmal ihre Freiheit genießen“, skizziert Busch das Problem. Hinzu komme, dass viele Studenten gern in der Nähe der Uni wohnen wollen. Nicht alle Senioren lebten aber in der Innenstadt. Viele hätten eine Wohnung in den umliegenden Gemeinden.

Auch Georg Schlanzke, Referatsleiter für den Bereich Wohnen beim Deutschen Studentenwerk, warnt vor zuviel Euphorie. Angesichts der Knappheit von Zimmern für Studenten sei diese Art der Vermietung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach seiner Erfahrung bewerben sich vor allem Studierende aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich. „Das sind Leute mit einer Mentalität, die das gerne machen, die sich gern kümmern und sich sozial engagieren“, sagt er.

Diesem Eindruck widerspricht allerdings Knapheide. „Wir haben Studierende aus allen Fachbereichen.“ Wichtig sei dabei nicht, dass ein Student sich den ganzen Tag um seinen Vermieter kümmert oder ein perfekter Handwerker ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die Studenten aufgeschlossen und tolerant sind.

In seinem Projekt gibt es die unterschiedlichsten Mehrgenerationen-WGs

„Die älteste Vermieterin ist 98 Jahre alt und kommt mit ihrer Untermieterin bestens aus“, erzählt er. Die jüngsten Vermieter hingegen haben gerade erst den 60. Geburtstag gefeiert. Auch beim Wohnraum sei alles dabei: „Wir haben Senioren in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung und wir haben Senioren, die eine Einliegerwohnung zur Verfügung stellen.“

Wie genau das Zusammenleben mit den Senioren schließlich aussieht, ist Sache von Student und Vermieter. „Das wird individuell ausgehandelt, wir können nur beraten“, sagt Knapheide. Er empfiehlt beiden Parteien, im Detail zu klären, was sie erwarten und leisten können - und das schriftlich niederzulegen. Sollten nach ein paar Monaten des Zusammenlebens Probleme auftauchen, sind die Träger Ansprechpartner und manchmal auch Schlichter. „Das gibt beiden Seiten eine gewisse Sicherheit.“

Außerdem sollten Studenten bereit sein, sich für längere Zeit zu binden. „Den Senioren ist daran gelegen, dass sie sich nicht dauernd auf jemand neuen einstellen müssen“, erklärt Kapheide. In der Vergangenheit hätten die funktionierenden Wohngemeinschaften meist zwischen drei und vier Jahren gedauert. Sie endeten meist dann, wenn die Studenten mit dem Abschluss fertig waren und anfingen, Geld zu verdienen.

Ausgeschlossen sind in allen Projekten pflegerische oder medizinische Dienste. Das könne niemand ohne die entsprechende Ausbildung leisten, betonen alle Experten. Allerdings denkt man in Frankfurt bereits über andere Arten von Zweck-WGs nach: Hilfe für alleinerziehende Mütter oder Väter, für behinderte Menschen oder auch eine Art Housesitting bei Geschäftsleuten, die viel unterwegs sind. Knapheide ist sich sicher: Wohnen für Hilfe ist zwar nicht die Lösung für alle Probleme, die es beim Thema Wohnen für Studenten gibt. Aber es sei ein wichtiges Puzzleteil.

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