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Parteitag: Kampfabstimmung in der CDU

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Die neue Führungsmannschaft der Wesselinger CDU will mit ihrem Vorsitzenden Olaf Krah (4.v.r.) stärkste Kraft in Wesseling bleiben. Foto: Joachim Roehrig
Beim Parteitag der Wesselinger CDU gab es einige Kampfabstimmungen, bis ein Vorstandsteam beisammen war. Überraschend kandidierte Rudolf Lahmann gegen Olaf Krah - der wegen eines Postens bei den Stadtwerken nicht unumstritten ist.  Von
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Am Ende seiner Abschiedsrede als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes warf Bürgermeister Hans-Peter Haupt ein Comic-Bild aus „Asterix und Obelix“ auf die Leinwand: „Die Gallier prügeln sich auch schon mal untereinander. Aber wenn es gegen die Römer geht, dann stehen sie alle wieder fest zusammen.“ Die Szene hatte durchaus Symbolkraft. Der Stadtparteitag der Christdemokraten im Pfarrsaal von St. Germanus ging am Freitag nicht ohne Zwist über die Bühne, doch zu guter Letzt hatte man nach einigen Kampfabstimmungen ein Vorstandsteam beisammen, das offenbar gewillt ist, fortan fest zusammenzustehen. An die Spitze der Wesselinger CDU wurde der bisherige stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Olaf Krah gewählt. Ihm blies allerdings auch Gegenwind ins Gesicht.

Hans-Peter Haupt, der den Vorsitz seit 2007 innegehabt hatte, verzichtete auf eine neuerliche Kandidatur und begründete dies vor allem damit, dass es ihm wegen seiner Bürgermeister-Pflichten zeitlich einfach nicht mehr möglich sei, „den Dienst an der Stadt und den Dienst an der Partei“ miteinander zu vereinbaren: „Wir brauchen einen Vorsitzenden, der sich mit ganzer Kraft der CDU widmen kann.“ Haupts Abschlussbilanz fiel rundum positiv aus: Die CDU habe unter seiner Führung alle Wahlen gewonnen und wider den Trend auch viele neue Parteigänger gewonnen: „Mit nun 358 Mitgliedern sind wir stärker als alle anderen politischen Parteien zusammen. Wir sind eine echte Volkspartei und mit Abstand die Nummer eins hier in Wesseling.“

Offenheit versprochen

Als Nachfolger für Haupt schlug der scheidende Vorstand Olaf Krah vor. Der 38-jährige Familienvater und Bankfachwirt ist seit 20 Jahren in der Wesselinger CDU und kann umfangreiche Erfahrungen in Sachen Vorstands- und Stadtratsarbeit vorweisen. In seiner Vorstellungsrede versprach er Offenheit gegenüber Mitgliedern und den Bürgern: „Eine Politik hinter verschlossenen Türen wird es mit mir nicht geben.“

Krah hat allerdings ein Problem: Der vormalige Mitarbeiter in den Büros des Landtagsabgeordneten Gregor Golland und des Bundestagsabgeordneten Willi Zylajew hat kürzlich einen leitenden Posten bei den Wesselinger Stadtwerken übernommen und damit in der Öffentlichkeit für einigen Wirbel gesorgt. Politische Gegner zogen Krahs Kompetenz in Zweifel und kritisierten, dass es dem Bürgermeister und der CDU wohl vor allem darum gegangen sei, einen Parteifreund mit einer gut dotierten Stelle zu versorgen.

Die leidige Angelegenheit bereitet offenbar auch einigen Leuten innerhalb der CDU erhebliche Kopfschmerzen – allen voran Rudolf Lahmann, der sich am Freitag im Kampf um den Parteivorsitz kurzerhand als Krahs Gegenkandidat nominieren lies. Einen Namen gemacht hat sich der 54-jährige Rechtsanwalt allerdings eher als Vorsitzender des Wesselinger Wirtschaftsvereins. Als CDU-Funktionsträger ist er bisher kaum in Erscheinung getreten. Das hielt ihn aber nicht davon ab, Krahs Nominierung scharf zu kritisieren. Auf dessen berufliche Position anspielend, meinte Lahmann, dass Krahs Nähe zum Bürgermeister „erhebliche Risiken“ mit sich bringe: „Ein Parteivorsitzender muss den Rücken frei haben, um dem Bürgermeister auch mal zu widersprechen. Das Amt setzt eine gewisse Unabhängigkeit voraus, die in diesem Fall nicht unbedingt gegeben ist.“

Mehrheitsfähig war diese Auffassung zwar nicht, doch Lahmann stand keineswegs allein da: Bei der Wahl des Vorsitzenden erhielt er immerhin 27 Stimmen. Mit 57 Stimmen gewählt wurde jedoch Olaf Krah.

Eine Kampfabstimmung gab es auch bei den Stellvertreter-Posten, wo sich letztendlich Paul Hambach und Martina Engels-Bremer durchsetzten, während der bisherige Vize Karl-Peter Nahlen den kürzeren zog. Nahlen hatte zuvor Kritik an der neuen Satzung des Stadtverbandes geübt, die unter anderem eine deutliche Verkleinerung des Vorstandes von 28 auf nur noch zehn Mitglieder vorsieht.

Fristen versäumt

Damit nicht genug: Nahlen äußerte zu Beginn der Versammlung auch Zweifel an der Beschlussfähigkeit des Stadtparteitages, da die Einladungen möglicherweise zu spät an die Mitglieder verschickt worden seien. Ob er die Wahlen deshalb anfechten wird, ließ Nahlen zunächst offen.

Reibungslos gingen die restlichen Wahlen vonstatten: Geschäftsführer ist Ralf Daniel, Schatzmeister Harald Zimmermann und Pressesprecher Dr. Jürgen Löffler. Als Beisitzer fungieren Andrea Weingarten, Kerstin Zimmermann, Ullrich Keilhau und Paul-Rainer Krapp.

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