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Umweltschaden: Kerosinsee schreckt Investoren ab

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Ein Shell-Mitarbeiter hält in Wesseling eine Flasche mit Kerosin und Wasser in der Hand. Vor einem Jahr liefen aus einem Leck der Shell Rheinland Raffinerie eine Million Liter Kerosin in die Erde. Foto: dpa
Grundstücksbesitzer im Wesselinger Gewerbegebiet Rheinbogen bangen um ihre berufliche und private Zukunft. Das Kerosin, das vor rund einem Jahr aus einer Leitung der Firma Shell in den Boden floss, hat sich unterirdisch ausgebreitet.  Von
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Grundstücksbesitzer im Wesselinger Gewerbegebiet Rheinbogen bangen um ihre berufliche und private Zukunft. Das Kerosin, das vor rund einem Jahr aus einer Leitung der Firma Shell in den Boden floss, hat sich unterirdisch auf einer Fläche von 42 000 Quadratmetern ausgebreitet und ist bis in das angrenzende Gewerbegebiet geflossen. Drei Grundstücke schwimmen vollständig auf dem Kerosinsee, angrenzende Gebiete sind teilweise betroffen. „Diese voll unterspülten Grundstücke sind jetzt völlig wertlos und deshalb unverkäuflich“, sagt Rudolf Lahmann, Anwalt und Vorsitzender des Wesselinger Wirtschafts- und Handelsvereins.

Damit geht einigen Besitzern nicht nur eine kostspielige Investition verloren, sondern zum Teil auch die Altersvorsorge und die Beleihungsgrundlage für Kredite.

Erst, wenn der Besitzer die Altlastenfreiheit garantieren könne, habe das Grundstück wieder einen Wert, so Lahmann. Dies sei in den nächsten Jahrzehnten auf keinen Fall zu erwarten. Betroffene finden klare Worte. „Ich kann meinen Betrieb jetzt vielleicht nicht umbauen, weil keine Sparkasse mir einen Kredit auf mein wertloses Grundstück geben wird“, sagte Rolf Mauss, der in Köln-Godorf eine Motorinstandsetzungsfirma betreibt und im Rheinbogen sein Geld angelegt hat. Sein Grundstück liegt mitten auf dem Kerosinsee.

Auf 6900 Quadratmetern hat er drei Hallen an Betriebe vermietet. „In zwei Jahren läuft der Mietvertrag aus, dann beginnen die Verhandlungen für einen neuen. Ich bezweifle, dass ich dann die gleichen Mietpreise fordern kann wie bisher“, sagte Mauss. Deshalb hat er Klage beim Kölner Landgericht eingereicht. Er verlangt, dass die Firma Shell sein Grundstück im Wert von rund 900 000 Euro kauft.

Auch Karl-Josef Blumberg bangt um seine Immobilie. Er investierte 2,2 Millionen Euro in das Grundstück, auf dem der Netto-Markt steht, finanzierte Gebäude und Fläche mit seiner Lebensversicherung. „Ich wollte das Grundstück verkaufen, wenn ich in Rente gehe, um davon leben zu können, das kann ich mir vielleicht abschminken“, sagt der selbstständige Metzgermeister, der im Rheinbogen seine Altersvorsorge sah.

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Während die Eigentümer sich über das Desaster ärgern, stoppen andere Geschäftsleute ihre geplante Ansiedelung. Die Köln-Sürth Kanal- und Straßenbaufirma Tamco hatte vor, sich in Wesseling niederzulassen. Auf 8000 Quadratmetern sollte eigentlich eine Halle entstehen und rund 50 Mitarbeitern Platz bieten. Nun der Rückzieher. „Das krieg ich ja nie wieder verkauft, deshalb lasse ich es lieber gleich bleiben“, sagt Tamco-Geschäftsführer, Hans-Peter Tambach.

Dort, wo sich eine Wasserleitung (lila) und die Kerosinleitung kreuzen, trat das Kerosin aus. Foto: Arton Krasniqi, KSTA

Nicht einmal mit einem großen Rabatt hätte er sich dort niedergelassen. „Das würde ich nicht geschenkt haben wollen.“ Jetzt sucht Tambach nach einem neuen Grundstück. „Es wird schwer sein, ein Gewebegebiet zu finden, das so nah an Köln und Bonn liegt und eine so gute Verkehrsanbindung hat wie in Wesseling“, sagt Tambach.

Die Firma Shell gibt sich indes zugeknöpft: „Wir besprechen mit den betroffenen Eigentümern das weitere Vorgehen, wir diskutieren das nicht öffentlich“, sagte ein Shell-Sprecher.

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