28.09.2016
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Aktuelle Studie: Köln bleibt eine Tankbetrug-Hochburg

Benzinpreis

Tanken, ohne zu bezahlen: So viele Betrugsfälle wie 2013 gab es noch nie.

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dpa

Köln -

Das Auto betanken und wieder fahren, ohne zu bezahlen: Der „Benzinklau“ wird in Deutschland immer beliebter. Das ergibt eine aktuelle Studie des Produkt-, Energie- und Finanzdienstleistungsportals preisvergleich.de, die auf Angaben der Polizei, der Landeskriminalämter und des Bundeskriminalamtes (BKA) basiert und sich nach der Anzahl der Tankstellen richtet. 120 Städte verschiedenster Größen wurden unter die Lupe genommen. Auch Tankstellen an Autohäusern oder Supermärkten waren dabei.

Das Ergebnis wirft kein gutes Licht auf die Tankstellenkunden in der Domstadt. Denn Köln steht weit oben in der Liste, auf Platz fünf nach Berlin, Solingen, Frankfurt am Main und Bottrop, und zählt somit zu den 33 „Betrugshochburgen“. 2219 angezeigte Fälle verzeichnete die Polizei in Köln im Jahr 2013, jede Tankstelle in der Stadt wurde im Schnitt 17 Mal bestohlen. Köln liegt dadurch 136 Prozent über dem Durchschnitt aller betrachteten Städte. Zum Vergleich: Spitzenreiter Berlin verzeichnete im vergangenen Jahr 25 Betrugsfälle je Tankstelle, liegt damit 253 Prozent über dem Durchschnitt.

So viele Fälle wie noch nie

Schon 2011 stand Köln in der Statistik des BKA beim Tankbetrug in Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern ganz oben und rangierte auch 2012 weit vorne.

Studien der vergangenen Jahre, etwa des Portals auto.de, zeigen generell einen kontinuierlichen Anstieg der Betrugsfälle an deutschen Tankstellen. Aber so viel Benzin wie 2013 ist laut Polizei noch nie gestohlen worden. Rund 91 600 Delikte wurden angezeigt, das entspricht einem Anstieg um 17,3 Prozent seit 2010. Mit den erhöhten Benzinpreisen lassen sich die vermehrten Diebstähle nur bis einschließlich 2012 erklären - denn im vergangenen Jahr fielen die Preise wieder leicht. Dennoch wurde weiterhin zunehmend Kraftstoff gestohlen.

Im Ländervergleich steht Nordrhein-Westfalen zumindest im Mittelfeld. Die meisten Betrugsfälle gab es in den Bundesländern Hamburg und Berlin. Unter den „Betrugshochburgen“ in NRW, also in Städten, die 20 Prozent und mehr über dem Durchschnitt aller 120 betrachteten Kommunen liegen, finden sich auch Bonn und Aachen mit im Schnitt zehn Diebstählen im Jahr je Tankstelle sowie Düsseldorf (9).

Nun gibt es aber bei weitem nicht nur Betrüger an der Tankstelle, sondern auch viele ehrliche Kunden. Das ist laut Studie in 51 der untersuchten Städte der Fall - die übrigen liegen im Mittelfeld. Die meisten ehrlichen Autofahrer tanken in Aalen und Heide, wo an jeder Tankstelle statistisch gesehen nur einmal im Jahr an der Zapfsäule geklaut wird. In der Region leben die ehrlichsten Kunden offenbar in Leverkusen (fünf Fälle im Jahr), Bergisch Gladbach und Siegen (jeweils vier Fälle).

Aufklärung schwierig

Obwohl zahlreiche Tankstellen von Kameras überwacht werden, ist die Aufklärungsquote mit 43,1 Prozent nicht gerade gut, in NRW sind es nur 35,9 Prozent. Auch hier rangiert Köln (28,7) weiter unten, während die Betrugsfälle in Bergisch Gladbach (57,7) eher aufgeklärt werden. Erschwerend wirkt, dass sich die Täter oft mit Sonnenbrille tarnen oder die Kappe tief ins Gesicht gezogen haben. Besonders schwierig wird es, wenn das Autokennzeichen gefälscht oder gar gestohlen ist.

Aber welches Geschlecht ist eigentlich ehrlicher beim Tanken? Auch darauf hat die Studie eine Antwort. Die meisten Tatverdächtigen in 2013 waren mit rund 78 Prozent Männer. Auch über das Alter der Betrüger gibt die Untersuchung Aufschluss: Meistens waren sie zwischen 30 und 50 Jahre alt (46 Prozent), aber auch Jüngere neigten zum Benzinklau (22,3 Prozent). Fahranfänger trauen sich jedoch offenbar nicht, zu tanken und dann einfach zu fahren: Nur vier Prozent der 18- bis 21-Jährigen erfasst die Statistik als verdächtig.