30.07.2016
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Bewertungen im Internet: So erkennt man Fälschungen

Beliebte Einkaufshilfe: Viele Onlineshopper verlassen sich auf die Bewertungen anderer Verbraucher.

Beliebte Einkaufshilfe: Viele Onlineshopper verlassen sich auf die Bewertungen anderer Verbraucher.

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dpa-tmn

Immer mehr Menschen kaufen immer öfter im Internet ein. Inzwischen landen sogar regelmäßig Lebensmittel im virtuellen Einkaufskorb. Zwar müssen Verbraucher beim Onlineshopping auf manchen Komfort verzichten, zum Beispiel auf das Anfassen und Ausprobieren von Produkten. Als Ersatz dafür bieten viele Händler im Netz die Möglichkeit, Produkte zu bewerten.

Internetnutzer in Deutschland machen von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch. Das hat das Meinungsforschungsinstitut Aris in einer Umfrage herausgefunden, Auftraggeber war der IT-Verband Bitkom. Jeder zweite Surfer (51 Prozent) hat demnach schon einmal im Netz seine Meinung gesagt. Besonders viele Bewertungen gibt es bei einem der größten Posten im Jahresbudget, dem Urlaub: Jeder vierte Befragte (26 Prozent) hat schon einmal ein Hotel oder eine Reise benotet. Seltener sind Meinungen zu Restaurants (16 Prozent), zu Dienstleistungen wie Mietwagen und Mobilfunkverträgen (9 Prozent) sowie zu Filmen, Büchern und Musik (8 Prozent).

Inzwischen gibt es jedoch viele Anbieter, die bei der Jagd nach guten Noten selbst ein wenig nachhelfen. Der Informatiker Bing Liu von der University of Illinois in Chicago schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Bewertungen im Internet gefälscht sind. Die Meinungen anderer beeinflussen unsere Kaufentscheidungen, erklärt der Forscher. Das sei ein sehr starker Anreiz, das System zu überlisten.

Testergebnisse von bewährten Anbietern lesen

„Man sollte nicht alles glauben, was auf Meinungs- und Bewertungsseiten steht, sondern sehr, sehr kritisch damit umgehen“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Selbst wenn die Bewertungen nicht gefälscht sind, könnten Laien manche Produkte nicht fachkundig beurteilen. Bei elektronischen Geräten beispielsweise sollte man besser auf Testergebnisse von bewährten Anbietern zurückgreifen, rät der Verbraucherschützer. Geht es um sehr spezielle Funktionen, etwa an einer Digitalkamera, die beim Test der Profis nicht berücksichtigt wurden, seien die Kundenbewertungen aber eine gute Hilfe.

Von Webseiten mit Medikamentenbewertungen sollte man dagegen die Finger lassen, sagt der Experte. Gesundheitsgefahren von Arzneien könnten Verbraucher oft nicht erkennen. Die Verbraucherzentrale NRW habe einmal den Test gemacht und an einem Hustenmittel gelobt, dass es auch eine hartnäckige Verstopfung gelöst und eine bessere Durchblutung der Füße bewirkt habe. „Wir hätten erwartet, dass die Betreiber der Seite so einen abenteuerlichen Kommentar löschen“, sagt Tryba. „Das ist aber nicht geschehen.“

Professionelle Fälscher lernen dazu

Gefälschte Bewertungen werden oft von professionellen Agenturen ins Netz gestellt, erklärt der Verbraucherschützer. Solche Profi-Fälschungen seien oft nur schwer zu erkennen. „Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn sich die Formulierungen wie aus einem Werbeprospekt lesen“, sagt der Verbraucherschützer. Allerdings haben die Fälscher dazugelernt, berichtet die Zeitschrift „Öko-Test“. Reine Jubelberichte seien seltener geworden. Stattdessen werde oft nur zum Schein eine Nebensache kritisiert, um die ansonsten positive Bewertung glaubwürdiger zu machen.

Hinweise auf gefälschte Bewertungen könnten ungewöhnliche Redewendungen liefern, erläutern die Redakteure. Findet der Nutzer die Formulierung auch auf anderen Portalen, sei die Bewertung vermutlich nicht echt. Auch bei sehr ausführlichen Berichten müsse man skeptisch sein. Und wenn ein Produkt nur selten verkauft wird, aber viele positive Beurteilungen bekommen hat, sei dies ebenfalls verdächtig, sagt US-Forscher Bing Liu. Bei einigen Portalen können Kunden auch Produkte bewerten, die sie gar nicht gekauft haben. Das macht den Missbrauch natürlich deutlich einfacher.

Ein paar Dinge beachten muss auch, wer selber eine Bewertung abgibt: Wichtig ist vor allem, zwischen berechtigter Kritik und persönlichen Beleidigungen zu unterscheiden. „Bei einem Arzt etwa darf man sagen, dass man mit der Behandlung nicht zufrieden war“, sagt Yvonne Kleinke von der Arbeitsgemeinschaft für Geistiges Eigentum und Medien im Deutschen Anwaltverein. „Seine Persönlichkeitsrechte aber wären verletzt, wenn man dann noch schreibt, dass er unmöglich angezogen war.“

Die Unwahrheit ist in einer Bewertung natürlich grundsätzlich tabu. „Das geht nie“, sagt die Anwältin. Außerdem können Lügen rechtliche Konsequenzen haben: Geschmähte dürfen einen Bewertenden zur Verantwortung ziehen, indem sie vom Betreiber der Website die Herausgabe der Kontaktdaten verlangen. Selbst bei einem anonymen Kommentar lässt sich so über die IP-Adresse möglicherweise der Urheber ermitteln. (dpa)

Wie sich Verbraucher gegen ungerechtfertigte Bewertungen wehren können, zeigt unsere Bildergalerie: