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Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitslose im November

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Nach Experteneinschätzung hat es im November, im Vergleich zu den Vorjahren, mehr Arbeitslose gegeben. Foto: dapd
Der Boom ist zu Ende - die Abkühlung des jahrelangen Jobaufschwungs hat sich zum Jahresende fortgesetzt. Auch im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit gibt es wenig Grund zum Jubeln, wie Analysen des Deutschen Gewerkschaftsbunds zeigen.
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Berlin/Nürnberg

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich nach Experteneinschätzung zum Jahresende weiter abgekühlt. Insgesamt seien im Dezember 2,841 Millionen Männer und Frauen arbeitslos gewesen; das seien rund 90 000 mehr als im November, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage. Die Zunahme lag damit deutlich höher als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vorjahr hatte die Arbeitslosigkeit zum Jahresende noch um 60 0000 niedriger gelegen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Donnerstag (3. Januar 2013) bekanntgeben.

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Selbst nach Abzug jahreszeitlicher Sondereffekte waren den Experten zufolge im Dezember 15 000 mehr Männer und Frauen ohne Arbeit als im November. Die Fachleute führen dies vor allem auf die schwächere Konjunktur zurück. „In den Zahlen spiegelt sich wider, dass die Unternehmen im Moment mit der Einstellung neuer Mitarbeiter erst einmal abwarten“, meint etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Ebenso wie Deutsche Bank-Volkswirt Heiko Peters rechnen die meisten seiner Kollegen mit einem schwachen Winterhalbjahr auf dem Arbeitsmarkt.

Arbeitszeitkonten federn Lücken ab

Für Allianz-Volkswirt Rolf Schneider hat im Dezember auch der früh einsetzende Winter in weiten Teilen Deutschlands den Dezember-Arbeitsmarkt belastet. Frost und Schnee lähmten vor allem die Arbeit in Gärtnereien, im Landschaftsbau und anderen Außenberufen. Manche Betriebe verringern deswegen in dieser Zeit ihre Belegschaften oder verschieben Einstellungen in den Frühjahr.

Die meisten Experten halten den Arbeitsmarkt aber dennoch für robust. Nach Beobachtung von Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut zögerten viele Unternehmer mit einem Arbeitsplatzabbau und versuchten Auftragslücken mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten abzufedern.

„Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist zwar stark gesunken, auf die Arbeitslosenzahlen hat das aber noch nicht richtig durchgeschlagen“, gibt Henzel zu bedenken. Der aktuell leichte Anstieg der Arbeitslosenzahlen hänge auch damit zusammen, dass weniger Jobsucher Aus- und Fortbildungen absolvierten. Wer sich auf BA-Kosten weiterbildet, gilt in dieser Zeit nicht als erwerbslos.

München Job, Berlin Hartz IV

Der Anteil junger Menschen an den Hartz-IV-Empfängern ist in Berlin am höchsten und in München am niedrigsten. Das ergab eine am Donnerstag bekannt gewordene Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) von 14 Städteregionen. Demnach bezogen in Berlin mit 19,2 Prozent fast ein Fünftel der 15- bis 24-Jährigen Hartz IV, in München waren es nur 5,1 Prozent. Hohe Hartz-IV-Quoten in dieser Altersgruppe gab es auch in Duisburg mit 17,4 Prozent sowie Dortmund mit 15,7 und Bremen mit 14,7 Prozent.

Relativ gut sah es demnach außer in München auch in Dresden mit einer Hilfequote von 9,6 Prozent sowie in Aachen mit 10,0 und Nürnberg mit 10,2 Prozent aus. Bundesweit waren Mitte des Jahres 8,8 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen auf Hartz IV angewiesen. Die Hilfebedürftigkeit lag damit um 0,5 Prozentpunkte höher als für alle Menschen im erwerbsfähigen Alter. Ein relativ großer Anteil dieser hilfebedürftigen jungen Menschen lebt laut DGB eher in großstädtischen Regionen.

Armut durch schlechte Bildungschancen

„Die Erfolge beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit haben bisher nichts daran ändern können, dass Jugendliche ein überdurchschnittliches Verarmungsrisiko haben“, heißt es in der Studie, die AFP vorlag. Im September 2012 lebten demnach 534.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren von Hartz IV, allerdings war weniger als die Hälfte von ihnen arbeitslos. „Das Verarmungsrisiko dieser Jugendlichen ist hier offensichtlich längst nicht immer Ausdruck nur eigener beruflicher Integrationsprobleme, sondern relativ oft auf das Fehlen Existenz sichernder Arbeitsplätze der Eltern zurückzuführen“, heißt es in der Studie.

Bei Kindern unter 15 Jahren lag die Hilfequote im Juli 2012 bundesweit sogar bei 15,3 Prozent. Armut gehe einher mit schlechten Bildungschancen, so die Analyse. An Hauptschulen gebe es dreimal öfter arme Schüler. „Eltern armer Kinder entscheiden sich häufiger gegen weiterführende Schulen, weil ihre Kinder früher Geld verdienen sollen“, so die DGB-Analyse. Relativ geringe berufliche Perspektiven förderten wiederum Resignation und Mutlosigkeit. „Es verwundert nicht, wenn jugendliche Hartz-IV-Empfänger die Schule ohne Schulabschluss verlassen.“ (dpa/afp)

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