Einige Bahnreisende müssen sich am Montagmorgen auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn treten Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zwischen 6 und 8 Uhr bundesweit in einen Warnstreik. Die Gewerkschaft will Stellwerke und Werkstätten bestreiken und manche Züge nicht fahrbereit machen. Betroffen ist auch der Berufsverkehr im Ruhrgebiet und in der Kölner Region, wie ein Gewerkschaftssprecher dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte, ohne weitere Details zu nennen.
Hotline eingerichtet
Zudem soll am Montagmorgen eine Kundgebung der Beschäftigten vor dem Hauptbahnhof Frankfurt stattfinden. Der Geschäftsstellenleiter der EVG in Frankfurt, Andreas Schäfer, sagte: „Die Kolleginnen und Kollegen im Bahnkonzern müssen leider zum Mittel des Warnstreiks greifen um dem Arbeitgeber die Lage im Betrieb zu verdeutlichen und um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.“ Zu der Kundgebung vor dem Frankfurter Hauptbahnhof werden laut EVG bis zu 350 Teilnehmer erwartet, dazu sollen auch Beschäftigte des Bahnhofs gehören.
Die Deutsche Bahn reagierte mit Unverständnis. Es sei „absurd“, jetzt zu streiken, nachdem über das aktuelle Lohnangebot der DB noch gar nicht verhandelt worden sei, sagte eine DB-Sprecherin. Der Konzern werde versuchen, flexibel auf Arbeitsniederlegungen zu reagieren, „um die Auswirkungen für die Reisenden so weit möglich zu begrenzen“. Sobald Orte, Umfang und Ausmaß der Aktionen erkennbar seien, werde die Bahn unter der Kunden-Hotline 0180/5996633 und unter www.bahn.de/aktuell die Reisenden informieren.
Angebote unzureichend
Am Montag sollen die Tarifverhandlungen für die 130.000 Beschäftigten bei der Deutschen Bahn fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Arbeitgeber boten in einem ersten Schritt 2,4 Prozent mehr Geld in diesem und weitere zwei Prozent im nächsten Jahr sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro an. Die Gewerkschaft wies das als völlig unzureichend zurück.
Die Bahn und die EVG verhandeln über die Fortschreibung des Branchentarifvertrages für den Schienenpersonen-Nahverkehr, der nach zwei Jahren Ende Januar ausgelaufen ist. Parallel wird auch für 7000 Beschäftigte der Bahn-Konkurrenten Abellio, Benex, Hessische Landesbahn, Keolis, Netinera und Veolia verhandelt, die eine gemeinsame Verhandlungsführung haben.
Der Entgelt-Tarifvertrag der Bahn mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) läuft noch bis 30. Juni 2014. Die gut 20.000 Lokführer erhielten zum 1. Juli vorigen Jahres 3,8 Prozent mehr Geld. (fs, dpa, afp)
Zu spät zur Arbeit, weil die Lokführer streiken? Das lässt sich unter Umständen zwar nicht verhindern - doch die Rechtslage ist eindeutig: Arbeitnehmer müssen trotz Bahnstreik pünktlich im Büro sein. Um sich Ärger zu ersparen, sollten Sie reagieren, sobald absehbar ist, dass Sie zu spät kommen - also: den Arbeitgeber anrufen. Können Sie wegen eines Zugausfalls gar nicht im Betrieb sein, sollten Sie zur Not einen Tag Urlaub nehmen - oder nach Absprache mit Ihrem Chef vom Home Office aus arbeiten.
Foto: dpa

