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Burger King: Drakonischer Führungsstil am Pranger

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In Deutschland gibt es 677 Burger-King-Filialen. Foto: AP/dpa
Die Geschäftspraktiken der Yi-Ko Holding GmbH, die in Deutschland neuerdings 91 Burger-King-Restaurants unterhält, stehen am Pranger: Die neuen Herren haben mit dem Betriebsverfassungsgesetz und Tarifverträgen  nichts im Sinn.  Von
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Berlin

Die Fastfood-Kette Burger King wirbt derzeit mit dem Slogan: Nur ein gegrillter Burger ist ein guter Burger. Im übertragenen Sinne gegrillt werden derzeit aber vor allem die Rechte von 3000 Mitarbeitern der Burger King GmbH, die Anfang des Monats von der Yi-Ko Holding GmbH übernommen wurde. Hinter dem fernöstlich anmutenden Firmennamen verbergen sich der türkischstämmige Ergün Yildiz aus Stade sowie der Russe Alexander Kobolov, der in seiner Heimat ein Netz von Burger-King-Filialen mit Hilfe russischer Investoren aufgebaut hat.

Die neuen Herren, nunmehr auch Franchisenehmer für 91 der bundesweit 677 Burger-King-Filialen, haben mit dem hiesigen Betriebsverfassungsgesetz, geltenden Tarifverträgen  und höchstrichterlicher Rechtsprechung nichts im Sinn, berichten Mitarbeiter. „Yildiz geht mit der Machete in der Hand durch die Stores und droht allem und jedem, der seinen Anweisungen nicht widerspruchslos folgt“, beschreibt ein hochrangiger Mitarbeiter des Unternehmens, der ungenannt bleiben möchte, den Führungsstil des Duos.

Wobei sich die  beiden offenbar auf eine Arbeitsteilung verständigt haben: Yildiz kümmert sich ums Alltagsgeschäft, Kobolov sorgt für die Finanzierung der Übernahme. Gleiches gilt für die dem Mutterkonzern fest zugesagte Renovierung von mehr als 50 Filialen binnen 18 Monaten und die – ebenfalls vereinbarte - Eröffnung zahlreicher neuer Burger-King-Restaurants  in Deutschland. Die hohen Investitionen möchten die Geldberger aus Russland offenkundig schnell verzinst wissen, ohne sich dabei von arbeitsrechtlichen Feinheiten bremsen zu lassen. 

Gewerkschaft alarmiert

Entsprechend alarmiert zeigt sich die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG).  „Herr Yildiz setzt sich gezielt über geltendes Recht hinweg“, klagt Guido Zeitler, NGG-Referatsleiter Gastronomie. Mitbestimmungsrechte würden zuhauf mit Füßen getreten, Tarifvereinbarungen missachtet. Die Geschäftsleitung setze auf Drohungen und Einschüchterung, um die Betriebsräte mundtot zu machen. Auch der Bundesverband der Systemgastronomie und die Burger-King-Zentrale Deutschland zeigen sich besorgt und kündigen Gespräche mit Yildiz an.

Arbeitsvertragsentwürfe und interne Anweisungen an die Manager, die dieser Zeitung vorliegen, bestätigen die Befürchtungen. Ab sofort, heißt es da, würden sämtliche Betriebsvereinbarungen gekündigt, Dienstpläne ohne Mitsprache des Betriebsrats erstellt, die Umkleidezeiten nicht mehr als Arbeitszeit entgolten, die Anzahl der Freigetränke begrenzt und Mitarbeiter an der Kasse für Fehlbeträge oberhalb von 49 Cent haftbar gemacht. Zudem hätten Betriebsräte ihre Aufgabe als Belegschaftsvertreter künftig außerhalb der gestempelten Arbeitszeiten – und damit unbezahlt – zu erledigen. „Bei Nichtbefolgen sind disziplinarische Maßnahmen (Abmahnung) zu ergreifen“, heißt es in dem Papier.

All das widerspreche geltendem Recht eklatant, sagt Zeitler: Einseitig gekündigte Betriebsvereinbarungen blieben bis auf weiteres in Kraft, Beginn und Ende von Arbeitszeiten seien mit dem Betriebsrat abzustimmen, das Umkleiden zähle nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Arbeitszeit.  Mitarbeitern, die für den Kassenbestand in Haftung genommen werden, stehe ein „Mankogeld“ genannter Zuschlag zu, den die Yi-Ko Holding nicht zahle. Als Verletzung grundlegender Arbeitnehmerrechte wertet die NGG auch den Umgang mit den Betriebsräten, die es in immerhin einem Drittel der 91 von Yi-Ko geführten Restaurants in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gibt. Im Betriebsverfassungsgesetz ist festgelegt, dass Betriebsratsmitgliedern ihre sonst übliche Arbeitsvergütung zusteht, wenn sie Aufgaben als Belegschaftsvertreter wahrnehmen. Die NGG werde gegen die Holding gerichtlich vorgehen, sofern sich die Geschäftsleitung nicht zu rechtskonformem Umgang mit dem Personal entschließe, sagt Zeitler.

Neue Anordnungen

Ende dieser Woche kamen neue Anordnungen hinzu, die vor allem die Entlohnung betreffen. Danache sollen Minijobber 6,50 Euro pro Stunde erhalten, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte pauschal  7,50 Euro. Das tarifliche Eingruppierungssystem, das mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit steigende Entgelte vorsieht, soll außer Kraft gesetzt werden. Folgerichtig wird auch die zum 1. Juni laut Tarifvertrag fällige Lohnerhöhung entfallen, die in der untersten Tarifgruppe 1a einen Stundenlohn von 7,71 Euro vorsieht. Außerdem will Yildiz manteltarifvertraglich zugesicherte  Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit streichen.

Der Urlaubsanspruch - laut Tarifvertrag je nach Betriebszugehörigkeit  fünf bis sechs Wochen - soll pauschal auf 24 Werktage einschließlich Samstag, also vier Wochen, gekürzt werden. Unklar ist, ob diese Änderungen sämtliche Mitarbeiter betreffen oder einige Anordnungen nur für Neueinstellungen gelten. Fest steht: neue Mitarbeiter sollen nur noch befristet als Teilzeitkräfte eingestellt werden.

Das Geschäftsgebaren der Yi-Ko hat andere Restaurantbetreiber der Burger-Kette mittlerweile in Alarmstimmung versetzt.  Man fürchtet Umsatzeinbußen und einen nachhaltigen Imageschaden für die Marke.  Ein Franchise-Nehmer aus dem ostdeutschen Raum sagte dieser Zeitung,  „die miese Behandlung der Beschäftigten bei Yi-Ko fällt auf uns alle zurück“.  Der Restaurantbetreiber, der namentlich nicht erwähnt werden wollte,  äußerte die Hoffnung, dass die „Zentrale sich den Herrn Yildiz mal richtig zur Brust nimmt“. Matthias Hartwig, der im Raum Nürnberg zwölf Burger King Restaurants mit mehr als 350 Beschäftigten betreibt, will sich zwar nicht direkt zu Yildiz äußern, betont aber: „Unsere Philosophie lautet: Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir motivierte und zufriedene Mitarbeiter haben.“ Das Einhalten von Tarifverträgen sei selbstverständlich. Hartwig: „Man wird leider schnell in Sippenhaft genommen. Das bereitet mir manch schlaflose Nacht.“

Der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), der die Burger King GmbH auch nach der Übernahme durch Yi-Ko angehört, ist ebenfalls beunruhigt. „Wir haben lange Zeit daran gearbeitet, wieder eine Tarifkultur und ein respektvolles Miteinander mit den Beschäftigten zu etablieren, und werden uns das nicht kaputt machen lassen“, sagt BdS-Hauptgeschäftsführerin Valerie Holsboer. Alle Unternehmen im BdS seien verpflichtet, sich an Tarifverträge zu halten. Der Verband werde die Yi-Ko Holding daher „sehr genau im Auge behalten und in Kürze ein Gespräch mit Herrn Yildiz suchen“. Selbst der Mutterkonzern, der sich normalerweise mit Äußerungen zu Franchise-Partnern zurückhält, hat seine anfangs eher desinteressierte Haltung aufgegeben: Es sei Burger King selbstverständlich nicht gleichgültig, wenn das Ansehen der Marke Schaden nehme, heißt es in der Münchner Zentrale. Man werde Herrn Yildiz nahe legen, sich an Tarifverpflichtungen sowie an den Kodex des BdS zu halten und diesbezüglich Gespräche führen.

Brutale Einschüchterung

An den Erfolg solcher Kommunikation glaubt der Informant dieser Zeitung nicht: „Yildiz benimmt sich wie amerikanische Konzernbosse im 19. Jahrhundert. Die haben mit brutaler Einschüchterung versucht, die Gewerkschaften zu zerschlagen.“ So weit ist es, dankenswerter Weise, im Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht.

NGG-Vize Michaela Rosenberger kündigt an, Herr Yildiz werde sich „demnächst um viele Arbeitsgerichtsverfahren kümmern müssen, die auf sein Unternehmen zukommen“. Auch Zeitler geht von einer harten Konfrontation aus.  Lenke die Yi-Ko-Holding nicht ein, werde man unabhängig von juristischen Schritten vor den Filialen stehen und die Bevölkerung über die Praktiken der Geschäftsleitung informieren. „Das werden die wirtschaftlich spüren, vielleicht kehrt dann Vernunft ein.“

Eine Stellungnahme der Yi-Ko Holding GmbH zu den Vorwürfen war trotz mündlicher und schriftlicher Anfragen nicht zu erhalten.

 

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