28.07.2016
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Deutsche Bahn: Neue Wagen dürfen nicht fahren

Umsteigen in Euskirchen: Die Fahrt von Bonn nach Bad Münstereifel wird umständlich.

Umsteigen in Euskirchen: Die Fahrt von Bonn nach Bad Münstereifel wird umständlich.

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Johannes Bühl

Weil für die 56 neuen Dieseltriebwagen des Herstellers Alstom noch keine Zulassung des Eisenbahnbundesamts vorliegt, muss die Deutsche Bahn zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember auf den Strecken des Kölner Dieselnetzes improvisieren. 65 000 Pendler nutzen diese Strecken täglich.

„Es wird Verbesserungen zum Status Quo geben, auch wenn wir zunächst noch mit dem alten Zugmaterial fahren müssen“, sagte ein Bahnsprecher am Montag. Dazu zählen ein verdichteter Fahrplantakt, die Reaktivierung des Abschnitts zwischen Marienheide und Meinerzhagen bei der Oberbergischen Bahn und die Inbetriebnahme der neuen Haltestellen Bonn-Helmholzstraße und Rheinbach-Römerkanal auf der Voreifelbahn.

Auf allen Strecken des Dieselnetzes wird ab 15. Dezember nach 19 Uhr ein Zugbegleiter unterwegs sein, an den Wochenenden und vor Feiertagen zwei. „Dazu haben wir eigens 60 neue Mitarbeiter eingestellt.“ Beim Hersteller Alstom hat man sich zum Ziel gesetzt, dass spätestens zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni 2014 alle neue Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Die Bahn hat für rund 312 Millionen Euro 56 Züge bestellt: 18 zweiteilige mit 180 und 38 dreiteilige mit 300 Sitzplätzen. „Dass wir die Zulassung noch nicht haben, ist auch für uns keine einfache Situation“, sagt Martin Lange, Technikchef des Unternehmens. 52 Züge seien komplett fertig, bei den vier weiteren müsse nur noch der Innenausbau erfolgen.

Schulung der Lokführer erst nach Zulassung möglich

Die Probleme mit der Zulassung hätten sich ergeben, weil die Bahnindustrie seit 2012 an einem technischen Problem arbeite, das beim Anfahren von Lokomotiven aufgetreten sei. „Damals ist es zur Verdrehung von Rädern auf der Achse gekommen. Deshalb hat sich die Industrie lange mit der Frage befassen müssen, wie die Radsatzwellen ausgelegt sein müssen“, sagte Lange.

Seit vier Wochen habe das Eisenbahnbundesamt alle Unterlagen, die für die Zulassung der Triebwagen erforderlich seien. „Wir gehen fest davon aus, dass wir die Zulassungsbescheide im Dezember in den Händen halten werden.“ Erst danach könne man mit der Schulung von 200 Lokführern beginnen.

„Wir werden die neuen Triebwagen nach und nach zum Einsatz bringen“, sagte der Bahnsprecher. Man werde mit der Eifelstrecke beginnen, für die 30 Fahrzeuge benötigt werden. Die Oberbergische Bahn, die Voreifelbahn und die Ahrtalbahn sollen folgen.

Die Verspätung bei der Zulassung der neuen Züge kann die Bahn verschmerzen, weil zwei Drittel der Flotte, die jetzt auf dem Dieselnetz im Einsatz ist, erst Ende 2014 zum Verkauf stehen. Sonst hätte es zu Engpässen im Fahrzeugpark kommen können. Beim Nahverkehr Rheinland, der die neuen Verkehrsleistungen bestellt hat, ist man „heftig enttäuscht“ über die Verzögerungen. „Wir haben jetzt zwei Monate Zeit, den Alltag so zu organisieren, dass wir den Kunden dennoch möglichst viele Verbesserungen anbieten können“, sagte Geschäftsführer Norbert Reinkober.