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Deutscher Exportüberschuss: Wirtschaftsweise widersprechen US-Präsident Donald Trump

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Die Wirtschaftsweisen: Lars Feld, Isabel Schnabel, Peter Bofinger, Christoph Schmidt und Volker Wieland (l-r).

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dpa

Berlin -

Die deutschen Handelsüberschüsse beschäftigen die ganze Welt, wie die Finanzminister-Konferenz der führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) in Baden-Baden gezeigt hat. Auch der deutsche Sachverständigenrat diskutiert mit. Und dabei zeigt sich, dass die fünf so genannten Wirtschaftsweisen genauso uneinig sind wie die Regierungen von Deutschland und den USA.

Die Mehrheit des Quintetts stellt sich klar gegen US-Präsident Donald Trump, der eine Korrektur des deutschen Geschäftsmodells einfordert. „Der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss signalisiert aus Sicht des Sachverständigenrats kein makroökonomisches Ungleichgewicht“, betonen vier der fünf Professoren. Peter Bofinger widerspricht. Aus globaler Perspektive spare Deutschland übermäßig und belaste mit der schwachen Inlandsnachfrage die Weltwirtschaft.

IWF stuft deutschen Leistungsbilanzüberschuss für nicht mehr akzeptabel

Zur Erinnerung: Die Leistungsbilanz bildet die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Ausland ab. Sie erfasst die Exporte und Importe, aber auch den Dienstleistungsverkehr, wo Deutschland traditionell ein hohes Minus aufweist. Das liegt an den Ausgaben der deutschen Touristen für Restaurants in Frankreich, Skilifte in Österreich oder Hotels in den USA. Den dritten und letzten Posten bilden sonstige Transfers ins Ausland wie Entwicklungshilfe oder die Überweisungen der Gastarbeiter in ihre Heimatländer. Auch hier weist Deutschland ein Minus auf.

Insgesamt aber sorgen die massiven Erfolge der Industrie auf den Weltmärkten für ein enormes Plus. Der Leistungsbilanzüberschuss liegt bei über acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was auch die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) als nicht mehr akzeptabel einstufen.

Kapitalbilanz bildet den Gegenposten

Die unterschiedlichen Kritiker weisen auf zwei Probleme hin. Erstens holt sich Deutschland Nachfrage von den andern. Die Autos und Maschinen, die in Amerika gekauft werden, sichern Arbeitsplätze in Stuttgart und Bielefeld. In Michigan und Ohio fehlt diese Nachfrage. Zweitens bildet eine Leistungsbilanz nur die eine Seite des wirtschaftlichen Austausches ab.

Den Gegenposten bildet die Kapitalbilanz. Sie zeigt die Kapitalströme ins Ausland an. Wenn die Ausländer mehr bei uns einkaufen, müssen sie die Waren irgendwie bezahlen.

Unterm Strich muss die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes ihnen die Mittel dafür bereitstellen. Deutschland vergibt in Höhe des Leistungsbilanzüberschusses einen Kredit ans Ausland. Und die anderen müssen sich im Ausland (bei Deutschland) verschulden. Darin sehen EU-Kommission und IWF den deutschen Beitrag zum Defizitproblem der anderen.

Deutschland belaste keinesfalls die Weltwirtschaft

Keinesfalls belaste Deutschland die Weltwirtschaft, hält der Sachverständigenrat mehrheitlich dagegen. Vielmehr laufe die Konjunktur gut. Und die Kapazitäten seien ausgelastet. Eine Belebung der Nachfrage würde daher nur die Inflation antreiben und destabilisieren. Zudem werde bald das hohe Plus von allein zurückgehen, da es zum Teil auf vorübergehende Faktoren beruhe.

Dazu zählen die Volkswirte den niedrigen Ölpreis (der bereits wieder gestiegen ist) und die zeitweise geringen Lohnsteigerungen. Zudem könne die Politik die Leistungsbilanz kaum beeinflussen, da über die Nachfrage der Markt entscheide oder über die Löhne die Tarifparteien.

Wenigstens in einem Punkt gibt es Konsens: Mehr Investitionen am Standort D täten gut und würden helfen, die Binnennachfrage zu stärken.


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