Wirtschaft
Nachrichten zu Wirtschaft, Börse und Finanzen

Vorlesen
3 Kommentare

Die SMS wird 20 Jahre alt: „Kurzform fokussiert Gedanken“

Erstellt
SMS – seit 20 Jahren werden die Kurznachrichten genutzt. Foto: dpa
Der Mit-Erfinder der SMS, Friedhelm Hillebrand, spricht im Interview über die Vergangenheit und die Zukunft des „Short Message Service“, den alle Welt nur als SMS kennt. Die Smartphones werden seiner Meinung nach der SMS noch lange nicht den Rang ablaufen.  Von
Drucken per Mail

An seine erste SMS kann Friedhelm Hillebrand (72) sich kaum noch erinnern. „Wenn ich in meinem Gehirn krame“, sagt er, „dann fällt mir ein, dass es wohl eine Geburtstagsgratulation war.“ Es ist ja auch schon 20 Jahre her, dass die SMS erfunden wurde. Hillebrand gehört zu den Erfindern der Kurznachricht. Er verfasste den ursprünglichen Konzeptvorschlag für einen Short Message Service (SMS). Seit 2002 berät der Ingenieur in Bonn Anwälte, Netzbetreiber und Hersteller in Patentfragen.

Herr Hillebrand, Ihre Festnetznummer war leichter herauszufinden als Ihre Handy-Nummer. Eigentlich müssten wir das Interview ja per SMS führen.

Friedrich Hillebrand: Die Kollegin einer anderen Zeitung hat das mal gemacht, aber jetzt reden wir ja schon am Telefon miteinander, dann können wir das auch fortsetzen.

Sie benutzen SMS also nicht für alle Gelegenheiten?

Hillebrand: Nein, das überlasse ich den jungen Leuten. Ich habe neulich wieder Briefkarten drucken lassen. Die Texte schreibe ich per Hand, kann die Karten dann noch nett in einem Briefumschlag verpacken und per Post abschicken. Das hat Charme.

Da passt ungefähr so viel drauf, wie man in eine SMS schreibt. Gefällt Ihnen die kurze Form?

Hillebrand: Ja, und wenn Kulturkritiker behaupten, die Jugend verkomme, weil sie nur noch in verkürzter Form kommuniziert, dann schlagen sich diese Kritiker doch selbst. Die Verkürzung hat in der Geschichte der Sprache immer eine wichtige Rolle gespielt. Es gibt heute noch den Aphorismus, der eine hoch angesehene Kunstform ist, es gibt den humorvollen Limerick, die japanischen Kurzgedichte Haiku. Wenn man die kurze Form wählt, dann zwingt sie einen dazu, seine Gedanken zu fokussieren.

Die Kürze kann zu blöden Missverständnissen führen.

Hillebrand: Sie können auch ein Buch mit 300 Seiten schreiben, das dann völlig gegen sie losgeht. Bettina Wulff, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten, würde Ihnen wahrscheinlich zustimmen. Ein langer Text bietet eben keine Sicherheit. Und lange Texte haben noch einen Nachteil. Wenn jemand eine lange E-Mail schreibt, bleibt sie oft unbeantwortet, weil es so lange dauert, sie zu lesen. Das kennt doch auch jeder.

Stören Sie die Abkürzungen?

Hillebrand: Nein, das ist etwas, mit dem sich eine Gruppe eingrenzt. Jugendsprache hat es auch schon ohne SMS gegeben. Die Jungen sind stolz, dass die Alten das nicht verstehen. Das gehört auch zur Geschichte der SMS. Die Jungen haben die Technik damals zuerst kapiert, nicht die Alten.

Der SMS ging es auch schon besser. Es gibt Länder wie Großbritannien, aus denen erstmals rückläufige Zahlen gemeldet werden.

Hillebrand: Das wird überall eintreten, weil man mit dem Smartphone E-Mail und andere Dienste mobil und persönlich nutzen kann. Whatsapp, iMessage, das sind alles Entwicklungen, die der SMS zusetzen, weil sie persönlich und mobil und darüber hinaus kostenlos sind. Die Kommunikation über soziale Netzwerke kommt dazu. Es ist ein bisschen schade, dass man in die Weiterentwicklung der SMS nicht so viel reingesteckt hat. Twitter ist ja vom Grundgedanken ein SMS-Kind. Kommunikation mit Gruppen, das hätte man bei der SMS auch schaffen können.

Wie viel Jahre geben Sie der SMS noch?

Hillebrand: Weltweit gibt es zurzeit sechs Milliarden Geräte, die dem GSM-Standard entsprechen und SMS nutzen können, aber nur eine Milliarde Smartphones. Es wird also noch einige Zeit dauern. Außerdem gibt es bereits eine Weiterentwicklung. Die Kommunikation von Maschine zu Maschine per SMS. Das ist die Zukunft.

Wo kann man die nutzen?

Hillebrand: Die EU erwartet, dass ab 2016 jedes neue Auto bei einem Unfall einen automatischen Notruf sendet, der die Ortsangaben enthält. Die SMS wäre ein gutes Trägermedium dafür, weil es der einzige Funkdatendienst in Europa ist, der robust und flächendeckend funktioniert.

Wie schätzen Sie Ihre Erfindung für die Menschheitsgeschichte ein?

Hillebrand: Oh, das ist schwierig. Es ist ein neues Kommunikationsmedium, das weit verbreitet sicher genutzt werden kann. Aber die Bedeutung ist schon viel, viel größer, als wir damals bei der Entwicklung gedacht haben. Wir wären doch niemals auf die Vielzahl der Nutzungsmöglichkeiten gekommen.

Was meinen Sie konkret?

Hillebrand: Bildung in Afrika. Ein befreundeter Professor hat mir von E-Learning berichtet. Die Schüler bekommen die Aufgaben per Brief zugesandt und die Lösungen schicken sie per SMS zurück. Ihre Noten erhalten sie auch per SMS. Oder Notfallkommunikation: Vor ein paar Jahren geriet eine Jacht vor der Küste von Bali in Seenot, die Maschine ging nicht mehr, die Segel waren defekt, der Seefunk arbeitete nicht mehr, die Besatzung sah ihr letztes Stündlein schon kommen. Eine junge Frau an Bord hat dann, oh Wunder, Kontakt zum indonesischen Netz bekommen und schickte ihrem Freund in England die Koordinaten per SMS, weil der Akku ihres Handys fast leer war. Der Freund informierte die Seenot-Rettung in England, am Ende wurden alle gerettet.

Bleibt Reden wichtiger als Schreiben?

Hillebrand: Alles zu seiner Zeit und seinem Anlass.

Auch interessant
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. €) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Sonderveröffentlichung
Fortbildung
Mitarbeiter sollten in Ruhe darüber nachdenken, wie ernst es ihnen mit den guten Vorsätzen ist – so kann man vermeiden, unrealistischen Zielen nachzueifern.

Mehr Gehalt fordern oder sich für eine Fortbildung anmelden? So klappt´s im Job!

Stromvergleich
Tarife vergleichen, wechseln und sparen!
Stromverbrauch kWh/Jahr
Postleitzahl Berechnen
Sonderveröffentlichung
Mit Bus und Bahn
Das Phantasialand in Brühl zieht Jung und Alt an.

Pünktlich zum Start der Sommersaison ins Phantasialand Brühl fahren.

Börse
DAX
DAX
TecDAX
texDAX
FACEBOOK
Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Top-Links