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Ermittlungen: Schmiergeld-Affäre bei Ford

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Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Ermittlungen gegen fünf Ford-Mitarbeiter eingeleitet. (Bild: dpa)
Köln

Von bandenmäßigem Betrug ist die Rede, von Geldwäsche, Untreue und Bestechung sowie Bestechlichkeit: Fünf Mitarbeiter einer Stabsstelle im Kölner Ford-Werk sollen ein „kriminelles System“ entwickelt haben, mit dessen Hilfe sie ihr Unternehmen jahrelang um Millionenbeträge geprellt haben. Die Beschuldigten, von denen einige bereits gestanden haben sollen, sind nicht mehr im Unternehmen tätig. Dies berichtet das Magazin „Focus“ in seiner Montagausgabe.

Die mutmaßlichen Drahtzieher in dem wohl größten Schmiergeld-Skandal beim Auto-Multi Ford, deren Büros vor einigen Wochen durchsucht wurden, arbeiteten nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in der Konzernzentrale im so genannten „Gruppenstab Plant Engineering“. Der ist für Um- oder Neubauten bei Modellwechseln an den Standorten Köln, Saarlouis, Genk, Valencia, Craiova, Southhampton und St. Petersburg zuständig. Die Projektleiter des Stabes schätzten die Kosten der Bauarbeiten und beantragten firmenintern die Gelder.

Mit der anschließenden Umsetzung der Planungen sollen dann Unternehmen beauftragt worden sein, die überhöhte Belege oder Scheinrechnungen für so genannte „Luftnummern“ erstellten, also für komplett erfundene Baumaßnahmen. Über ein Geflecht von Briefkastenfirmen und einem geheimen Konto soll das Geld dann an die kriminellen Ford-Leute in bar zurückgeflossen sein. Oder die abgezweigten Summen wurden von dem Unternehmen, das den Betrug mitmachte, als Sachleistung „ausgezahlt“. Beispielsweise in Form eines ausgesprochen preisgünstigen Autos oder durch hochwertige Eigenheim-Sanierungen zum Nullpreis.

Auch die im Kölner Süden liegende Villa eines Top-Managers der Fordwerke soll von einer Firma, die am Schmiergeld-Skandal beteiligt sein soll, nahezu unentgeltlich renoviert worden sein. Einen Hinweis darauf, dass der Mann von den Betrügereien seiner Kollegen gewusst hat, haben die Ermittler nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ aber nicht. Sein Mandant habe „keinerlei Kenntnis“ von „korruptiven Machenschaften“ gehabt, betont auch Benedikt Pauka, der Anwalt des Spitzen-Managers. Die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. Alle Rechnungen zum Umbau seien ordnungsgemäß bezahlt worden.

Wenngleich tatsächlich einiges dafür spricht, dass der Top-Manager ahnungslos gewesen sein könnte, sieht die Beweislage bei seinen Kollegen jedoch vollkommen anders aus. Aufgeflogen sind diese unter anderem durch die Aussage eines Unternehmers aus dem Saarland. Wenn er bei dem betrügerischen System nicht mitgemacht hätte, wären ihm alle Ford-Aufträge gekündigt worden, hat der Mann vor kurzem gestanden. Die Werksmitarbeiter, gegen die jetzt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt, hätten ihn zu den Betrügereien und den anschließenden Auszahlungen des ergaunerten Geldes regelrecht gezwungen.

Zwischen zwei und acht Millionen Euro sollen alleine im Falle dieses Unternehmers geflossen sein. Die Ermittler jedoch vermuten, dass die Masche auch an anderen Ford-Standorten angewendet wurde, der Schaden also wesentlich höher als bisher bekannt sein könnte. Zumindest im rumänischen Werk in Craiova und im spanischen Valencia soll ähnlich gemauschelt worden sein, berichten Zeugen.

Was den Betrug so einfach gemacht haben soll: Den Ermittlungen zufolge sind die angeblich ausgeführten Arbeiten nie kontrolliert worden, weil die Fordwerke an der Innenrevision für diesen Bereich gespart haben sollen. Dabei wäre es teilweise wohl relativ einfach gewesen, den Tätern auf die Schliche zu kommen. So stellte sich jetzt heraus, das beispielsweise eine 1,2 Millionen Euro teure Halle, die angeblich im Jahr 2007 im Zusammenhang mit den Umstellungen zur Produktion des Fiesta am Kölner Werk gebaut wurde, in Wahrheit nicht existiert. Wie zu erfahren war, wurden damals nur kleinere Änderungen an bereits bestehenden Hallen durchgeführt. Auch im Werk Saarlouis sollen zahlreiche gefälschte Rechnungen aus den vergangenen Jahren aufgetaucht sein. Unter anderem soll dies die Umbauarbeiten zur Produktionsumstellung für den Ford-Focus, C-Max und Kuga betreffen.

Zu Einzelheiten des noch laufenden Verfahrens wollte sich Ford-Sprecher Bernd Meier auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht äußern. Die „Vorgänge“ würden im Unternehmen „sehr ernst“ genommen. Man arbeite „eng mit den ermittelnden Behörden zusammen“. Unmittelbar nachdem „die Vorfälle dem Unternehmen bekannt wurden“, habe man eine „umfassende interne Untersuchung“ eingeleitet.

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