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His Master’s Voice: Live-Blog von Massenentlassung

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„Wir tweeten live aus dem Personalbüro wo wir alle gefeuert werden! Aufregend!!“, lautete die erste Kurznachricht. Foto: AFP
Die britische Medienkette His Master´s Voice hat durch die Entlassung von 60 Mitarbeitern für Aufsehen gesorgt. Im Mittelpunkt stand jedoch nicht die Entlassung an sich, sondern eine Art Live-Blog via Twitter direkt aus dem Büro der Personalabteilung.  Von
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Berlin

Nach der Insolvenz der altehrwürdigen britischen Medienkette HMV blieb es auf dem offiziellen Twitter-Kanal, der 65000 Menschen erreicht, zwei Wochen lang still. Am Donnerstag trudelten dann wieder die ersten Nachrichten ein. Nicht mit Sonderangeboten und Aktionen wie üblich, sondern mit einer Art Live-Blog aus der Personalabteilung. „Wir tweeten live aus dem Personalbüro wo wir alle gefeuert werden! Aufregend!!“, lautete die erste Kurznachricht. Weitere folgten: 60 Mitarbeiter würden auf einen Schlag vom Insolvenzverwalter rausgeworden. „Eine Massenexekution loyaler Mitarbeiter die die Marke lieben.“

Lustig wurde es für die Beobachter, als die Guerilla-Twitterer schrieben, der Marketing-Direktor stehe nebenan und erkundige sich gerade danach, wie man Twitter abschalten könne. Während die ersten Nachrichten schon gelöscht wurden (die natürlich mit Screenshots von Beobachtern gesichert wurden und im Netz die Runde machen), kamen noch einige weitere nach. Behauptet wurde unter anderem, dass ein illegalerweise unbezahlter Praktikant den Firmen-Twitter-Kanal vor zwei Jahren eingerichtet habe. Die letzte Nachricht: „Also, was haben wir zu verlieren? Leute, es war uns ein Vergnügen. Beste Grüße an alle!“ Inzwischen ist von dem kleinen Marketing-Unfall der Twitter-Führung nur noch ein Eintrag übrig, in dem von einem „harten Tag“ und mit einem Augenzwinkern von „viel Aufmerksamkeit für unsere Tweeds“ gesprochen wird. (Link: https://twitter.com/hmvtweets)

Ob der Twitter-Account tatsächlich von Hackern geknackt wurde, wie viele britische Medien behaupten, ist indes eher zweifelhaft. Vermutlich ist die Erklärung banaler: Das Passwort war auch Mitarbeitern, denen gekündigt wurde, bekannt, die sich dann einfach über ein Smartphone während der Sitzung einloggten. Dafür spricht, dass gleichzeitig das Management und die aufsässigen Entlassenen auf den Account zugriffen, offensichtlich mit dem gleichen Passwort. Möglich wäre allerdings auch ein Hack. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, per Phishing an Twitter-Accounts zu kommen, indem Links verschickt werden, die zu einer Seite führen, die so aussieht wie der Bildschirm, wenn man sich bei Twitter neu einloggen muss.

Eines haben die HMV-Mitarbeiter tatsächlich geschafft: Ihr Schicksal hat es in Mediendienste auf der ganzen Welt geschafft. Insgesamt wurden 190 Mitarbeiter in Verwaltung und Vertrieb entlassen. Wie es mit der Kette, die sogar kurzzeitig nach Deutschland expandierte, weitergeht, ist unklar. Der Online-Shop ist geschlossen. Wie andere Medienketten auch kämpft HMV mit der Verlagerung des Geschäfts ins Internet. Musik und zunehmend auch Filme und Serien werden direkt online gekauft und heruntergeladen statt sie im Geschäft zu kaufen.

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