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Kleingeld: Den Deutschen ist ihr Kleingeld teuer

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Die Deutschen wollen ihre Ein- und Zwei-Cent-Münzen behalten.  Foto: dpa
Die Deutschen möchten ihre Cent-Münzen laut Umfragen behalten. Auch das Bundesfinanzministerium gab dies bekannt. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen.
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Brüssel

Wäre Dagobert Duck Europäer, käme er sicherlich aus Deutschland. Nirgendwo sonst in der Euro-Zone beherzigen die Menschen so sehr das Motto der schwerreichen Comic-Ente: „Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist den Taler nicht wert“. Die EU-Kommission schlug Mitte Mai vor, Ein- und Zwei-Cent-Münzen gänzlich abzuschaffen, doch Berlin stellt sich quer: „Deutschland ist für die Beibehaltung der Kleinmünzen unter unveränderten Bedingungen“, erklärte das Bundesfinanzministerium am Freitag auf Nachfrage von AFP. Begründung: „die positive Einstellung der Deutschen zu ihren Kleinmünzen“.
Die Regierung kann sich bei ihrer Einschätzung auf mehrere Umfragen stützen: So stellte das Eurobarometer im Juli fest, dass in allen Euro-Ländern die meisten Menschen Ein- und Zwei-Cent-Münzen unnötig kompliziert finden - außer in Deutschland. In einer Umfrage der Bundesbank sprach sich im Jahr 2011 eine leichte Mehrheit der Deutschen für die Beibehaltung des Kleinstgeldes aus. Deutschland ist das Mekka der kleinen Kupfermünzen: 175 Ein- und Zwei-Cent-Münzen sind demnach pro Deutschem im Umlauf, in den übrigen Euro-Staaten sind es nur 119 Kleinmünzen pro Einwohner.
Die Argumente der Kleinstgeld-Gegner wiegen schwer, 125.000 Tonnen schwer. So viel wiegen die 47 Milliarden Ein- und Zwei-Cent-Münzen, die derzeit im Umlauf sind, zusammengenommen. Der damit verbundene Aufwand ist enorm: 1,4 Milliarden Euro haben die Euro-Staaten nach Schätzung der Kommission seit der Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 2002 für das Kleinstgeld draufgezahlt.
Das hat zwei Ursachen: Erstens bestehen die Münzen aus Stahl mit einem Kupferüberzug. Der Materialwert der Münzen übersteigt je nach Stand der Rohstoffmärkte leicht den Nennwert des Geldstücks. In ihrem Januar-Bericht warnte die Bundesbank gar vor einer Zweckentfremdung, sollten die Rohstoffpreise weiter steigen. Findige Unternehmer könnten die Cents einschmelzen.
Zweitens ist die Ausgabe des Geldes sehr aufwendig, weil von dem Kleinstgeld mehr nachproduziert werden muss. Zu hoch ist die Verlustrate. Viele Münzen enden in vergessenen Spardosen oder gehen zwischen Sofakissen und in Rinnsteinen verloren. Die entstehenden Kosten zahlen die Bürger.
„Im Supermarkt kostet den Kunden ein Produkt für 0,99 Euro in Wahrheit 1,04 Euro. Man spart nicht einen Cent, sondern zahlt wegen dessen teurer Herstellung indirekt mit Steuergeldern drauf“, sagt der österreichische Europaabgeordnete Hans-Peter Martin, der den Kommissionsbericht angeregt hatte. Den EU-Finanzministern liegen nun vier Optionen zur Diskussion vor. Zwei schlagen Kostensenkungen vor, etwa durch einen günstigeren Materialmix. Die zwei anderen laufen auf das Ende der Ein- und Zwei-Cent-Münzen hinaus.
Die Kommission warnt, eine Abschaffung könnte vom Verbraucher unabhängig von den tatsächlichen Auswirkungen als Verteuerung empfunden werden. Eine von der Bundesbank in Auftrag gegebene Studie deutet daraufhin, dass der Inflationseffekt „sehr gering“ ausfallen würde. Auf- und Abrundungen würden sich demnach ausgleichen. Selbst wenn der Einzelhandel tatsächlich sämtliche Preise auf fünf Cent aufrunden würde, läge der Teuerungseffekt demnach einmalig bei maximal einem Prozent.
Doch der Einzelhandel will angesichts des in Deutschland besonders hart geführten Preiskampfes ohnehin nicht auf Ein-Cent-Beträge verzichten. „Der Vorteil der betragsgenauen Preiswiedergabe überwiegt die entstehenden Kosten“, sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland. Dabei zahlen auch die Händler für die Kleinmünzen drauf, weil sie mehr Kleinstgeld rausgeben müssen, als sie reinbekommen. Für die zusätzlich benötigten Ein- und Zwei-Cent-Münzrollen müssen die Händler wiederum mehr bezahlen, als diese Wert sind. Die Bundesbank holt auf diese Weise zumindest einen Teil ihrer Kosten wieder rein. (afp)

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