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Kostenproblem: Rekord beim Bau von Solaranlagen

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Der Bau von Solaranlagen boomt. Foto: dpa
Des einen Freud, des anderen Leid: 2012 wurde mal wieder der Rekord beim Bau neuer Solaranlagen gebrochen. Während die einen sich über gute Renditen und selbstgemachten Strom freuen, müssen die anderen das bezahlen. Doch das wohl größte Kostenproblem kommt erst noch.
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Peter Altmaier lobt sich gerne selbst für ein angebliches Abbremsen des rasanten Zubaus neuer Solaranlagen. Denn ein zu hohes Tempo treibt die Förderkosten der Verbraucher, die dies über ihre Stromrechnung bezahlen müssen. Eines der bisher wenigen greifbaren Ergebnisse seiner seit Mai währenden Amtszeit: die Einigung des CDU-Bundesumweltministers Ende Juni mit den Ländern darauf, dass bei einer installierten Leistung von 52 000 Megawatt Schluss sein soll mit der Förderung von Solaranlagen. Doch auch der Solardeckel konnte nicht verhindern, dass 2012 schon wieder ein Rekordjahr war.

Die nackten Zahlen: 2010 wurden Anlagen mit rund 7000 Megawatt installiert, 2011 waren es 7500 Megawatt und 2012 nun 7630 Megawatt. Zwar geht der neuerliche Rekord auch auf das Konto eines monatelangen Gezerres von Amtsvorgänger Norbert Röttgen (CDU) mit den Ländern. Aus Sorge vor drastischen Kürzungen wurde dadurch im Frühjahr den Zubau neuer Anlagen beflügelt. Der anvisierte Korridor von 2500 bis 3500 Megawatt pro Jahr wurde letztlich um mehr als Doppelte übertroffen.

Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte schon Ende Juni den Kompromiss von Bund und Ländern als „Kompromiss zulasten Dritter“ bezeichnete. Er fürchtete, dass die Abmilderung der ursprünglich geplanten - vom Bundesrat aber gestoppten - Kürzungen zu einem massiven Zubau führen würde.

Sieht er sich nun bestätigt? „Tja, auf uns Verbraucherschützer hört die Politik ja selten“, sagt er. Allein in den letzten drei Jahren seien nun rund 22 000 Megawatt an neuer Solarleistung installiert worden. „Damit wird die schwarz-gelbe Bundesregierung als die erfolgreichste Solarregierung in die Geschichte eingehen, aber zugleich auch als diejenige mit den höchsten Strompreissteigerungen.“

Allerdings ist das Problem zu komplex, um Union und FDP allein dafür verantwortlich zu machen, gerade auch die von SPD und Grünen regierten Länder hatten drastischere Schritte - etwa einen jährlichen Deckel für die Förderung - abgelehnt. Die Grünen hatten Altmaiers Vorgänger Röttgen wegen seiner Kürzungen schon als Totengräber der Solarindustrie bezeichnet. In seiner Amtszeit wurden dennoch so viele neue Anlagen installiert wie unter keinem Umweltminister zuvor.
Dass dennoch mehrere große Solarunternehmen in die Insolvenz schlitterten, liegt schlicht am ruinösen Preiswettkampf der Konkurrenz aus China - und an fehlenden anderen großen Absatzmärkten. Zugleich ist das Kostensenkungspotenzial bei der Solarenergie enorm, noch vor wenigen Jahren wurden über 40 Cent Vergütung je Kilowattstunde für eine Dachanlage gezahlt. Nun sind es nur noch rund 17 Cent - und noch immer ist das höchst lukrativ. Es ist sicher ein Signal, wenn US-Investorenlegende Warren Buffett nun für rund 1,9 Milliarden Euro das weltgrößte Solarprojekt in Kalifornien übernimmt. Sein Riecher für die richtige Investition ist schließlich legendär.

Die deutsche Branche braucht dringend neue Absatzmärkte, damit die Überkapazitäten abgebaut werden können, denn der deutsche Boom neigt sich wegen des 52 000-Megawatt-Deckels dem Ende zu. Erreicht sind jetzt schon 32 400 Megawatt. Zum Vergleich: Die neun noch laufenden Atomkraftwerke haben eine Leistung von rund 12 600 Megawatt. Sie erzeugen aber mehr als drei Mal so viel Strom wie die inzwischen 1,3 Millionen Solaranlagen, weil die Sonne halt nicht immer scheint. Zugleich hat der Solarstrom merklich die Einkaufspreise für Strom gesenkt - aber es fehlen Speicheroptionen für überschüssigen Strom.

Bleibt das jetzige Tempo bestehen, dürfte schon Ende 2015 Schluss sein mit der Solarförderung. Je näher die Grenze von 52 000 Megawatt rückt, desto stärker dürfte sich das Tempo beschleunigen, da alle sich noch die auf 20 Jahre garantierte Förderung sichern wollen. In Deutschland hat die Solarenergie die Unterstützung der Bürger für die Energiewende gestärkt, weil viele Nutznießer sind. Allerdings zahlen gerade Mieter bisher die Vergütungen mit, ohne direkt davon zu profitieren. Wenn zudem immer mehr Bürger wegen steigender Preise den Sonnenstrom zum Eigenverbrauch nutzen, scheiden sie als Mitzahler der Ökostrom-Umlage aus. So droht, dass sich die Lasten auf weniger Schultern verteilen. Das kann die Stromkosten weiter belasten.

Verbraucherschützer Krawinkel betont, dass beim Solarbereich kaum noch etwas zu ändern sei. Als positiv an Altmaiers Kompromiss lobt er, dass es jeden Monat bei zu hohem Ausbautempo automatisch weitere Förderkürzungen gibt. „Es wird in den nächsten Jahren nicht sehr viel teurer“, schätzt er. 2013 werden wohl rund zehn Milliarden Euro nur an Vergütungen für Solarstrom verteilt. Das größte Kostenrisiko wird künftig von der Windkraft auf See ausgehen - denn hier werden höhere Anfangsvergütungen als bei der Solarenergie gezahlt, bei einem weit höheren Stromertrag und entsprechend hohen Ausschüttungen. „Daher muss dringend bei der Offshore-Windenergie das Tempo rausgenommen werden, sonst droht hier genau das gleiche“, betont Krawinkel. (dpa)

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