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Krise bei Photovoltaik: Solarworld am Tropf der Gläubiger

Modulkontrolle der Solarworld AG in Freiberg (Sachsen). Foto: dpa
Nur noch seine Gläubiger können das einstige Bonner Vorzeige-Unternehmen vor dem Untergang retten. Nach massiven Stellenstreichungen stehen die schweren Zeiten erst noch bevor, fürchten Branchenexperten. Hoffnung gibt es trotzdem.
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Bonn. 

Die Pleitewelle in der Solarindustrie droht nun auch den einstigen Vorzeigekonzern Solarworld mitzureißen. Firmenchef Frank Asbeck knüpft dabei das Schicksal seines mit über einer Milliarde Euro verschuldeten Unternehmens an das Wohlwollen der Gläubiger. Sie sollen „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten“ tragen, wie Solarworld mitteilte. Demnach kamen externe Prüfer zu dem Schluss, dass nur so das einzig verbliebene Flaggschiff der deutschen Solarbranche vor dem Untergang gerettet werden kann. Die Nachricht sorgte am Freitag an der Börse für einen Kurssturz. Die Solarworld-Aktie verlor mehr als ein Viertel ihres Wertes und notierte noch bei 1,15 Euro.
Solarworld-Chef Asbeck erwartet nach eigenen Worten keine schnelle Einigung mit den Banken und Anleihegläubigern über die Restrukturierung der Schulden. „Die Gespräche können Wochen und Monate dauern“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Derweil gehe Solarworld aber nicht die Puste aus. Asbeck verwies auf die liquiden Mittel, die mit 220 bis 230 Millionen Euro gegenüber September kaum geschrumpft seien. Im Bericht über das dritte Quartal wurde offensichtlich, dass Solarworld sein Kapital verbrennt: Die flüssigen Mittel waren im Zuge der Branchenkrise innerhalb eines Jahres per Ende September um mehr als die Hälfte auf 232 Millionen Euro zusammengeschmolzen.
Experten äußerten sich über die Entwicklung besorgt. „Dass Solarworld nun seine Schulden umstrukturieren will, hört sich alles andere als gut an und schürt Ängste, dass dem Unternehmen eine schwierige Zeit bevorsteht“, sagte ein Händler. LBBW-Analyst Erkan Aycicek macht die Gefahr einer Insolvenz aus, sollte sich Asbeck mit den Gläubigern nicht einigen können. „Andererseits könnte mit einer erfolgreichen Finanzrestrukturierung ein neuer Startpunkt für Solarworld gefunden werden.“ Stefan Freudenreich von Equinet befürchtet aber auf jeden Fall Ungemach für die Aktionäre, denen etwa bei einem Schulden- und Kapitalschnitt eine Verwässerung ihres Anteils droht.

Weitere Stellenstreichungen

Asbeck kündigte zudem weitere Stellenstreichungen an, um die Kosten zu senken. Sie fielen aber nicht so stark wie im vergangenen Jahr aus. „Der wesentliche Stellenabbau wurde bereits 2012 umgesetzt,“ betonte er. Der einstige Börsenstar hatte dem Preiskampf und den steigenden Verlusten bereits 2011 Tribut gezollt und Fertigungslinien in Deutschland und den USA stillgelegt. Damals mussten 500 Mitarbeiter gehen. 2012 setzte Asbeck erneut den Rotstift an und strich weitere zehn Prozent der Stellen. Im Herbst beschäftigte Solarworld noch knapp 2500 Mitarbeiter.
Der Konzern hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, externe Prüfer hätten dem Unternehmen zwar eine „positive Fortführungsprognose“ ausgestellt. Allerdings hätten sie eine finanzwirtschaftliche Restrukturierung verordnet - insbesondere bei den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen. Solarworld hat zwei Anleihen über insgesamt 550 Millionen Euro, die 2016 und 2017 fällig werden. Das Schuldscheindarlehen beläuft sich auf 354 Millionen Euro und Bankdarlehen auf 105 Millionen.
Trotz der Energiewende in Deutschland und dem seit Jahren währenden Nachfrageboom auf dem heimischen, weltweit größten Solarmarkt ächzen die Firmen unter dem Preisverfall infolge enormer Überkapazitäten. Nach einer Pleitewelle im vergangenen Jahr, die Konzerne wie Solon, Q-Cells oder Centrotherm mit sich riss, hatte zuletzt Siemens mit seinem Ausstieg aus dem Solargeschäft für trübe Stimmung gesorgt. Eine Insolvenz drohe dem Unternehmen jedoch nicht, sagte Asbeck dem Handelsblatt.(reuters)

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