25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kunstfonds: „Kunst ist eine stabile Geldanlage“
21. April 2013
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Kunstfonds: „Kunst ist eine stabile Geldanlage“

Kunst kann man auch als Kapitalanlage betrachten.

Kunst kann man auch als Kapitalanlage betrachten.

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dpa

Köln -

Herr Horsthemke, die Eurokrise, niedrige Zinsen und die Sorge vor Inflation verunsichern derzeit die Anleger. Sie haben kürzlich den Berenberg Art Capital Fund aufgelegt, einen geschlossenen Kunstfonds, der sieben bis neun Prozent Rendite in Aussicht stellt. Wie risikobereit müssen Anleger sein, die den Fonds zeichnen?

Stefan Horsthemke: Kunst ist, wenn es die richtige Kunst ist, eine verhältnismäßig sichere und stabile Kapitalanlage. Der Markt entwickelt sich seit Jahren nach oben, auch, weil es weltweit immer mehr Sammler gibt. Zudem lässt sich Kunst währungsunabhängig handeln, in Dollar, Yen, Rand oder Euro und bietet damit auch einen Schutz gegen Inflation.

Aber auch der Kunstmarkt unterliegt doch Moden und Schwankungen.

Horsthemke: Das ist richtig. Aber die Zyklen verlaufen deutlich langsamer als in anderen Bereichen, zum Beispiel auf dem Aktienmarkt. Deshalb lassen sie sich für einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren vergleichsweise gut voraussehen und kalkulieren.

Ab welcher Summe können Anleger einsteigen?

Horsthemke: Die Mindestbeteiligung liegt bei 100.000 Euro. Seit Anfang des Jahres sind wir in Gesprächen mit Investoren. Das Interesse ist sehr groß, und so haben wir bereits rund zehn Millionen Euro eingesammelt. Das Ziel sind 50 Millionen.

In welche Kunst wird der Fonds künftig investieren?

Horsthemke: Wir haben klare Anlage-Richtlinien. Rund 75 Prozent investieren wir in globale Blue-Chip-Künstler. Das sind 300 bis 400 Künstler aller Stilrichtungen von Alten Meistern über Impressionisten bis zur Kunst der Nachkriegszeit, die in den weltweit wichtigsten Museen und Privatsammlungen vertreten sind. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist, dass die Arbeiten ein hohes Transaktionsvolumen bei internationalen Auktionen oder im Kunsthandel haben.

Und das restliche Viertel?

Horsthemke: Das investieren wir in Global Emerging Artists. Das sind Künstler, die bereits eine bestimmte Markterfahrung mitbringen und an der Schwelle zum internationalen Durchbruch stehen. Oft werden sie zum Beispiel auf Ausstellungen wie der Documenta in Kassel oder der Biennale in Venedig von einem internationalen Publikum entdeckt.

Der Markt gilt insgesamt als sehr unübersichtlich. Anhand welcher Kriterien bewerten Sie, ob ein Künstler als aussichtsreich gilt?

Horsthemke: Wir betreiben sehr viel Research und verfolgen genau, wer von welchem Museum gezeigt wird oder in welcher Ausstellung oder Sammlung vertreten ist. Da bekommt man schon ein sehr gutes Bild.

Viele Künstler machen kurzfristig eine steile Karriere und verschwinden dann wieder in der Versenkung. Wie kann sichergestellt werden, dass man nicht auf einen solchen Hype reinfällt?

Horsthemke: Dafür gibt es deutliche Anzeichen. Ein Indikator ist beispielsweise, wenn der Auktionspreis deutlich über dem Preis liegt, den die Galerie verlangt. Dann ist meist Spekulation im Spiel.

Hätten Sie ein Beispiel?

Horsthemke: Betrachtet man viele jüngere chinesische Künstler, fällt auf, dass ihre Arbeiten bei Versteigerungen sehr hohe Preise erzielen, ohne dass sie bislang eine wirklich fundierte Ausstellungskarriere hinter sich haben.

Wie wird entschieden, welche Arbeiten angekauft werden?

HORSTHEMKE: Jedes Objekt durchläuft einen umfangreichen Evaluationsprozess, in dessen Rahmen wir den Wert des Werkes feststellen. Ein Investment-Komitee, in dem nicht nur ausgewiesene Kenner des Kunstmarktes sitzen, sondern auch Experten der Berenberg Bank, stimmt dann mehrheitlich über den Ankauf ab.

Können die Anleger die angekauften Arbeiten eigentlich im Lager betrachten?

Horsthemke: Die Kunstwerke können von den Fondszeichnern gegen eine Gebühr entliehen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass bestimmte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Außerdem reduziert der Verleih die Lagerkosten des Fonds, und gleichzeitig kann der Investor mit der Kunst leben, sich somit täglich an seinem Investment erfreuen.