27.09.2016
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Mobilfunkmesse in Barcelona: Warum 5G unsere Lebenswelt grundlegend verändern wird

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Ein 5G-Plakat auf der Mobilfunkmesse in Barcelona.

Foto:

REUTERS

Die neue Übertragungstechnik 5G wird unsere Lebenswelt grundlegend verändern. Auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona wird demonstriert, was benötigt wird, um selbstfahrende Autos auf die Straße zu bringen und ferngesteuert chirurgische Eingriffe durchzuführen. Wir erläutern, warum der Wettlauf um die neue Technik jetzt Fahrt aufnimmt.

Was bedeutet 5G?

5G ist der neue Standard für Mobilfunk der fünften Generation. Genau genommen handelt es sich aber um die Verschmelzung mit den Festnetzen und mit WLAN.  Das Hauptmerkmal von 5G ist die Erhöhung der Übertragungsgeschwindigkeit. Im Labor hat der chinesische Huawei-Konzern unter idealen Bedingungen kürzlich 70000 Megabit pro Sekunde erreicht. Derzeit sind mit der LTE-Funktechnik „nur“ mehrere hundert Megabit möglich. Der zweite wichtige Faktor die Verkürzung der sogenannten Latenzzeit, also der Zeitverzögerung, die durch das Senden und Empfangen elektronischer Impulse entsteht.

Wie weit ist die neue Technik schon?

Seine Grundprinzipien sind klar. Es geht derzeit um viele technische Details und um die Standardisierung. Dazu haben sich verschiedene internationale Allianzen aus Computer- und Telekomkonzernen sowie Netzwerkausrüstern zusammengetan. Angestrebt wird eine globale Vereinheitlichung. Ob das gelingt, ist offen. Derzeit forschen und entwickeln alle großen Konzerne mit großem Eifer.  Dazu zählen hierzulande auch der Marktführer Telefónica/O2 oder die Deutsche Telekom. Denn wer am schnellsten ist, hat die besten Chancen mit 5G sehr viel Geld zu verdienen.

Werden mit 5G alle anderen Vorgängertechnologien abgeschaltet?

Nein. Zwar wird auf der Mobilfunkmesse im Barcelona immer wieder das Jahr 2020 als entscheidendes genannt. Tatsächlich wird es aber einen fließenden Übergang geben, der im Grunde bereits begonnen hat. Bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea 2018 sollen schon erste 5G-Anwendungen präsentiert werden. Claudia Nemat vom Vorstand der Deutschen Telekom sagte in Barcelona, ihr Unternehmen werde „2020 oder sogar früher starten“.   Handynutzer brauchen aber keine Angst zu haben, dass ihr Gerät irgendwann nicht mehr funktioniert. Es wird eine lange Periode geben mit parallelen Technikstandards.

Warum dann all die Aufregung?

Aufregend ist 5G vor allem für die Telekomfirmen, die hoffen mit der neuen Technik wieder in eine dominierende Position zu kommen. Derzeit verdienen Unternehmen wie Google und Apple das große Geld.  Mit Suchmaschinen, Werbung oder Abrufdiensten machen sie Riesenrenditen und nutzen dabei die Netze der Telekomfirmen, die es aber nur auf magere Margen bringen. Mit 5G können die Karten neu gemischt werden. Die Telekom, Telefónica oder Vodafone wollen neue Spielregeln zu ihren Gunsten aushandeln – etwa mit Autobauern.

Welche Rolle spielen dabei die Daten?

Das Datenaufkommen wird sich vervielfachen. Das ist virtuelles Kapital, das auch die Telekomfirmen nutzen wollen. Telefónica/O2 etwa will in die anonymisierte Analyse von Daten groß einsteigen. Das kann Kommunen etwa beim optimierten Ausbau von Straßen oder der Ausweisung von Fußgängerzonen helfen. Ideale Standorte für neue Einkaufszentren können so gefunden werden. Oder an Flughäfen kann die Abfertigung von Fluggästen beschleunigt werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Nutzer von 5G haben, was die neue Übertragungstechnik der Industrie bringt und was die ersten 5G-Anwendungen sein werden.

Was werden die Nutzer von 5G haben?

Das Feld das möglichen Anwendungen ist enorm. Vernetzte und selbstfahrende Autos sowie effiziente Verkehrssteuerung, die Unfälle und Staus verhindert, sind die am häufigsten genannten Innovationen. Die anspruchsvollsten Anwendungen werden für das Gesundheitswesen erwartet. Etwa ferngesteuerte Operationen. Wobei der „ausführende“ Chirurg tausende von Kilometer entfernt sein kann. Sein Hantieren mit dem Skalpell wird dann mit einer Latenzzeit von weniger als einer Millisekunde an einen Operationsroboter übertragen.

Was bringt 5G für die Industrie?

Die Möglichkeiten sind noch nicht absehbar. Es gibt Visionen von menschenleeren vollautomatisierten Fabriken mit Fernüberwachung. Aber zum Beispiel sind auch massiver Veränderungen etwa in der Energiebranche denkbar. Der Netzwerkausrüster Ericsson zeigt in Barcelona in einem Modell, wie Drohnen Wartung und Reparatur für Windkraftanlagen erledigen können. Das müssen heute noch Menschen machen.  Ökostrom könnte so erheblich billiger machen.

Geht es nur um Latenz und Geschwindigkeit?

Nein. Es gehe darum „individueller auf die Anforderungen von Kunden einzugehen“, sagt Nemat. Ein Beispiel von Ericsson: Der Konzern zeigt auf der Messe in Spanien, wie Winzer die Reifung ihrer Reben kontrollieren. Dafür werden Weinberge mit Sensoren gespickt. So soll der ideale Zeitpunkt für die Ernte bestimmt werden. Dazu braucht es sehr robuste Hardware, die Daten aber nur im Schneckentempo überträgt.

Was werden die ersten 5G-Anwendungen sein?

Am Stand des Chipkonzerns Intel in Barcelona heißt es, 5G könne zunächst genutzt werden, um die Versorgung mit schnellen Internetzugängen mit mehreren hundert Megabit Übertragungsgeschwindigkeit in Städten und in kleineren Kommunen verbessern. Die neue Technik würde so das Verlegen von Leitungen im Erdreich überflüssig. Die hierzulande erbitterte Debatte über den Ausbau der Festnetze würde damit überflüssig.

Wie  wird die neue Technik konkret installiert?

Intel zeigt an seinem Stand, wie Sendestationen, die noch die Größe eines Schuhkartons haben, in Straßenlaternen integriert werden. Diese sollen schnelle Datenverbindungen im Umkreis von etwa 100 Meter ermöglichen. In Südkorea sind erste Projekte  mit 5G- Straßenlaternen geplant. Diese sollen übrigens auch als Ladestationen für Elektroautos dienen.

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